Erfahrungsberichte

Svenja, BW/Media Management und Werbepsychologie

Nothing Toulouse!

 

Ein Semester im Ausland ist schon was Feines. Weit weg von Zuhause, am besten noch am Meer studieren mit Sonne satt und nebenbei meine Sprachkenntnisse etwas auffrischen. Soweit der Plan… Die Umsetzung sah dann doch etwas anders aus. Letztendlich bin ich mit Toulouse zwar im Süden Frankreichs gelandet, jedoch hat das Wetter im Frühjahr teilweise Hamburger Verhältnisse angenommen. Auch liegt die Stadt nicht direkt am Meer, eher so am Fluss und doch möchte ich nirgendwo anders lieber mein Auslandssemester verbracht haben. Aber alles auf Anfang: Erstmal angekommen, ist man überwältigt von den vielen Eindrücken. Neue Uni, neue Butze, neue Leute, neue Umgebung… einfach alles neu! Aber man merkt relativ schnell, dass diese Stadt mehr kann, als nur leckere Baguettes backen und beste Weine keltern. Mit fast so vielen Studenten wie Pforzheims Einwohnern ist sie eine der größten Studentenstädte Frankreichs und egal an welchem Wochentag, hier wird immer gefeiert!

 

Besonders beliebt ist der Platz "St. Pierre" direkt am Fluss der Garonne. Hier tummeln sich um jede Tages- und Nachtzeit viele Studenten in den umliegenden Bars oder, wenn sich die Sonne dann doch einmal zeigt, genießt man gerne ein Sunset-Bierchen am Wasser mit allzeit musikalischer Untermalung
von DJ-Unikat „Lonely but Happy“. Neben dem partyreichen Studentenleben gibt es aber auch genügend alternative Beschäftigungsmöglichkeiten. Ob shoppen in den zahlreichen Vintage Stores der Hipster-Viertel, Museen- und Kinobesuche, mit dem City-Bike die Stadt erkunden oder einfach nur bei einem Kaffee die Sonne genießen, Langeweile sollte in Toulouse nicht möglich sein.

 

Natürlich muss man auch gestehen, dass nicht alle Aktivitäten davon studentenfreundliche Preise anbieten. Frankreich ist allgemein etwas teurer als Deutschland und da man hier eher Wert auf Exklusivität als auf XXL-Portionen legt, ist das McDonalds Logo-grüngelb. Einen großen Kaffeebecher to go sucht man vergeblich. Der generell hohe Lebensstandard lässt mich dann doch – wer hätte das gedacht - die gut bewährten "Ja-Produkte" und 5.0 Original Bierdosen vermissen.

 

Das preiswerte Baguette allerdings, das liebt der Franzose wirklich. So kauft er sich schon gerne fünf davon auf einmal. Nicht alle tragen dann auch einen Mustache und ein quer gestreiftes Shirt dabei, aber was Ersteres angeht, so konnte ich den einen oder anderen meisterlichen Bart entdecken. Auch das Rauchen ist eine große Leidenschaft und verhältnismäßig überdurchschnittlich vertreten. Dem Vorurteil, Franzosen seien ein unfreundliches Volk, kann ich allerdings - zumindest für den Süden Frankreichs sprechend – überhaupt nicht zustimmen. Die Menschen in Toulouse, auch Toulousains genannt, sind sehr hilfsbereit und niemals in Eile.

 

Es scheint, der entspannte Flair der Stadt überträgt sich auf das Gemüt der Einwohner. So hatte ich mich anfangs, als eher wortkarger und auf Abstand bedachter Schwabe, manch einer Herausforderung stellen müssen. Zum Beispiel begrüßt man sich, egal ob fremd oder nicht, mit zwei Küsschen auf die Wangen. Dies gilt ebenso für Männer untereinander. Allerdings bezweifle ich, dass man so auch seinen Chef oder gar die Gendarmerie begrüßt. Nach den ersten Anfangsschwierigkeiten habe ich mich an diese Form der Begrüßung schnell gewohnt. Jetzt muss ich eher aufpassen meine Freunde zuhause das nächste Mal nicht mit Küsschen zu überfallen. Neben der Begrüßungsform gehören auch Höflichkeitsfloskeln wie das „Bonjour“, „Merci“, „Pardon“ und „Au revoir“ zum alltäglichen Sprachgebrauch. Dies lernt man zu aller erst, wenn sich nach der Busfahrt die Fahrgäste artig beim Busfahrer mit einem „Merci, au revoir“ bedanken und verabschieden. Und ich rede von den ganz normalen Stadtbussen. Während man den Job des Chauffeurs in Deutschland wohl eher als Selbstverständlichkeit ansieht und oftmals Ärger mit den grummeligen Busfahrern hat, sind diese in Toulouse regelrecht entspannt und mit Freude bei der Arbeit. Dies lässt mich zu dem Entschluss kommen, so manch einfache und nette Geste eventuell auch mal im Alltag mit einfließen zu lassen.

 

Last but not least, das endlose Thema: Franzosen und die englische Sprache. Zugegeben, sie sind etwas schüchtern, wenn es darum geht Englisch zu sprechen. Meine Erfahrungen waren allerdings meist positiv. Beherrscht man die Basics auf Französisch, sind sie durchaus gewillt auf "Frenglish" zu antworten. Allerdings kann es schon einmal vorkommen statt einem "tea" einen "Mar-tea-ni" am frühen Sonntagnachmittag zu bekommen – true story.

 

Nachdem wir also den Wikipedia-Eintrag über Toulouse und die kulturellen Vorurteile erfolgreich abgearbeitet haben, kommen wir nun zum wirklich wichtigen Teil des Auslandssemesters. Genau, der Uni! Neben der ganzen Feier- und Chillerei, darf man natürlich nicht vergessen, warum man hier ist. TBS (Toulouse Business School) ist das Stichwort. Ein relativ überschaubarer Campus etwas außerhalb der Stadt sorgt dafür, dass den Studenten mit vielen Präsentationen und Gruppenarbeiten garantiert nicht langweilig wird. Man hat dabei die Möglichkeit neben dem guten Drittel an internationalen, auch mit den französischen Studenten zusammen zu arbeiten. Das Angebot an englischen Kursen ist auf wirtschaftliche Themen beschränkt. Dafür bietet sich zweimal im Semester die Gelegenheit an den ausgefallenen Electives teilzunehmen. Hier können Themen wie "Die französische Weinkultur" oder "Stressmanagement" dann auch schon einmal vom eigentlichen Studiengangschwerpunkt abweichen.

 

Etwas anders als in Deutschland gestalten sich auch die Vorlesungen, welche eher an einen Schulunterricht erinnern. Außerdem herrscht Anwesenheitspflicht! Zu spät kommen is nich - auch wenn die Busse und Bahnen mal wieder streiken, welches ein beliebtes Hobby in Frankreich zu sein scheint.

 

Alles in Allem muss man fairer Weise aber sagen, dass sich das Lernpensum im Gegensatz zu akkreditierten Pforzheimer Verhältnissen wirklich in Grenzen hält. Dies hat mir einige Trips rundum Europa und ans Meer ermöglicht. Letzteres ist nur ca. 2 Stunden Autofahrt entfernt. Wie ihr also sehen könnt, gar nicht mal so ein großer Kulturschock. Im Gegenteil, ich konnte viele wertvolle Erfahrungen und Eindrücke in dieser Zeit sammeln. Definitiv habe ich mich verliebt in die Stadt und werde garantiert wieder kommen. Bis dahin verbleibt mir nur ein "Merci, au revoir".

Alina, BW/Media Management und Werbepsychologie

Get the best of both worlds in Hongkong!

 

Ein Großstadtdschungel aus Wolkenkratzern, dichter Smog in den Straßen und gestresste Menschenmassen in den U-Bahn Schächten – so stellen sich viele Europäer asiatische Metropolen wie Hongkong vor. Doch weit gefehlt, Hongkong überzeugt mit seiner Schönheit, seiner grünen Natur und seinen liebenswerten Einwohnern. In Hongkong prallen zwei Welten aufeinander: Asiatische Kultur gepaart mit westlichen Lebensformen. Anfang Januar habe ich die Reise in das multikulturelle Hongkong angetreten, um mein 6. Semester an der Hongkong Baptist University zu absolvieren und habe mich sofort in Land und Leute verliebt.

 

Wer sein Auslandssemester an der Baptist University verbringt, lebt glücklicherweise direkt im Studentenwohnheim der Universität. Bei den horrenden Mietpreisen in Hongkong ein wahrer Segen für den schmalen Studentengeldbeutel. Aber nicht nur finanziell zahlt sich das Leben auf dem Campus aus, denn gelebt und gelacht wird im Wohnheim nicht gerade wenig. Oft trifft man in den frühen Morgenstunden noch fleißige einheimische Studenten oder internationale Nachtschwärmer in den Gemeinschaftsküchen der beiden Wohnheimtürme an – wie es sich für Hongkong gehört natürlich mit 20 Stockwerken. Auf jedem Stockwerk leben jeweils 50 Studenten in edel ausgestatteten 12 m² Deluxe-Doppel-Zimmern mit Klimaanlage und geteiltem Badezimmer.

 

Nicht nur in puncto Wohnen sind die Hongkonger zum Teilen bereit. Auch beim Essen geben die Einheimischen gerne ihr Revier auf. Bereits in der ersten Woche lernt man dank Buddy-Programm und Orientation Week nicht nur die einheimischen Studenten näher kennen, sondern auch deren kulinarischen Vorlieben. Beim Dim Sum greift man nach den Tapas ähnlichen asiatischen Köstlichkeiten, die sich auf dem Tisch befinden. Probierfreudige versuchen sich an Hühnerfüßen und Co. – kann man essen, muss man aber nicht. Und falls einem der Reis dann irgendwann doch zum Hals raushängt, kann man sich auf seinen Freund Old McDonald verlassen.

 

Knochen in jedem Essen, Nahtoderfahrungen dank Linksverkehr – ja, in den ersten Wochen stellte mich das Leben in Hongkong vor einige Herausforderungen. Meinen Schlafrhythmus habe ich relativ schnell dem der einheimischen Studenten angepasst und auch an das strikt organisierte U-Bahn-Fahren habe ich mich gewöhnt. Nur mit dem Starren und Fotografieren von Mainland China Touristen kann ich mich bisher noch nicht abfinden. Als blonde, große und sommersprossige Europäerin steche ich aus der Masse heraus, was mich mittlerweile zum Star in so manchen Familienalben gemacht hat. Tja, so wird man also ungewollt zu einer Attraktion.

 

Als pflichtbewusster Student weiß man natürlich, dass Schlaf ein seltenes Gut ist und auch dass das Lebertraining im Ausland nicht vernachlässigt werden sollte. Das wöchentliche Programm für jeden Studenten ist quasi schon ein ungeschriebenes Gesetz: Montags geht es ins campusnahe Billy’s, mittwochs wird das verruchte Feierviertel Wan Chai unsicher gemacht und den Rest der Woche verbringt man im zentralen Partymekka Lan Kwai Fong. Besonders die Damenwelt kommt hierbei (nicht) auf ihre Kosten, denn Frauen trinken in Hongkong umsonst.

 

Natürlich kommt das Studieren hier auch nicht zu kurz, deshalb soll ich ja schließlich hier sein. Im Gegensatz zu unserer Hochschule besteht hier in den Kursen Anwesenheitspflicht. Auch während dem Semester wird das ein oder andere von einem gefordert: Unzählige Gruppenprojekte, Mid-term Tests und diverse Hausarbeiten. Keine Panik, der Aufwand ist immer noch in einem machbaren Rahmen. Bei einer Gruppengröße von mindestens 6 Personen und oftmals faulen Last-Minute-Studenten werden die Nerven jedes Mal stark strapaziert.

 

Zwischen Studium und Feierei bleibt genug Zeit für Sightseeing, Reisen und andere Freizeitaktivitäten übrig – und Hongkong bietet dafür auch unzählige Möglichkeiten. Sportbegeisterte kommen im nahegelegenen Park und Schwimmbad auf ihre Kosten oder können die vielen Berge um Hongkong besteigen. Eine wahnsinnige Aussicht natürlich inklusive. Wer es lieber entspannter angehen will, findet auf den umliegenden Inseln und Buchten weite Strände und kleine Fischerdörfer. Tempelanlagen, den Besuch des Big Buddhas und das Pferderennen, die wöchentliche Lieblingsbeschäftigung der Hongkonger, sollte man sich natürlich nicht entgehen lassen. Wen dann die Lust am Wetten im Happy Valley gepackt hat, kann mit der Fähre innerhalb von einer Stunde in die Spielhölle Chinas schlechthin reisen. Nicht umsonst ist die Sonderverwaltungszone Macau als das Las Vegas Asiens bekannt. Das Reisen kommt im Auslandssemester sicher nicht zu kurz. Gerade im Sommersemester stellen die eingeschobenen Ferien am Chinesischen Neujahrsfest und Ostern die optimale Gelegenheit zum Verreisen dar. Mich persönlich hat es auf die Philippinen und nach Beijing getrieben. Viele meiner Mitstudenten nutzen sogar verlängerte Wochenenden um kurze Abstecher nach Japan, Vietnam, Thailand oder Taiwan zu machen.

 

Hongkong hat mich in seinen Bann gezogen. Dennoch ist es für mich bereits wieder an der Zeit, Abschied zu nehmen. Das Semester ging viel zu schnell vorbei, doch unzählige Erinnerungen an eine unfassbar geile Zeit mit wunderbaren Menschen nehme ich mit mir nach Hause. Asienunerfahren bin ich hergekommen und als Stäbchenprofi werde ich nun diese einzigartige Stadt verlassen. Aber sei gewarnt Hongkong, ich komme wieder!