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Ringvorlesung: Klimaneutralität – Anstrengungen und Innovationen der Chemieindustrie

Pixabay (Fotograf: denfran)

Gerade für energie- und rohstoffintensive Branchen ist der Wandel hin zur Klimaneutralität mit großen Investitionen und Entwicklungsleistungen verbunden. Professor Dr. Peter Saling von der BASF SE beleuchtete daher im letzten Vortrag des Wintersemesters das Thema „Klimaneutralität – Herausforderung und Chance für die Chemieindustrie“. Etwa 100 Zuhörer*innen verfolgten die Ringvorlesung in Alfaview und dem Youtube-Kanal des Instituts für Industrial Ecology und der Studiengänge Life Cycle & Sustainability und BWL/Ressourceneffizienzmanagement. Prof. Saling leitet bei der BASF SE das Themenfeld Nachhaltigkeitsbewertung und -methoden und hat als promovierter Chemiker bereits in den 1990er Jahren bei der BASF deren Öko-Effizienz-Analyse mit aufgebaut und seitdem zahlreiche wissenschaftliche Publikationen verfasst.
Nachhaltigkeitsstrategie der BASF
Zu Beginn seines Vortrags verdeutlichte Dr. Saling, dass alle Aktivitäten des Unternehmens zur Erreichung von Klimaneutralität in einen strategischen Rahmen eingebettet sind. Ziel ist es, als Vorreiter voranzugehen und die eigenen Produkte möglichst effizient und klimafreundlich herzustellen, aber auch mit den produzierten Produkten in anderen Bereichen zur Klimaneutralität beizutragen und Einsparungen zu ermöglichen. Folglich wird eine Reduktion von Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verfolgt – beginnend mit einer grünen Beschaffung über eine sichere und effiziente Produktion bis hin zu nachhaltigen Lösungen für Kunden.
Der Weg zur Klimaneutralität bis 2050
Im zweiten Teil des Vortrags wurde dargestellt, mit welchen konkreten Strategien das Unternehmen bis 2050 klimaneutral werden möchte. Gegenüber 1990 konnte die BASF bis dato ihre Treibhausgasemissionen bereits um 45 % senken, bis 2030 wird eine Reduktion von 60 % anvisiert, obwohl zeitlich ein großer neuer Verbundstandort in China aufgebaut wird.
Zur Emissionsreduktion setzt das Unternehmen auf grüne Energie, Umwandlung von Strom in Dampf (Power-to-Steam), neue Technologien, biobasierte Rohstoffe und kontinuierliche Maßnahmen zur Prozessverbesserung. Im Handlungsfeld grüne Energie wird dabei sowohl auf eigene Investitionen (z. B. in Windparks) als auch den Bezug grüner Energie von Dritten gesetzt. Beispiele für neue Technologien sind die Methanpyrolyse zur Herstellung von CO2-freiem Wasserstoff oder die Umwandlung von Plastikabfällen in Pyrolyseöl. Im Bereich der Prozessverbesserungen werden beispielsweise Katalysatoren eingesetzt, um Lachgasemissionen in der Salpetersäureproduktion zu reduzieren.
Digitale Lösung zur Berechnung von Carbon Footprints
Informationsbereitstellung und -transparenz ist ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt. Das umfasst laut Saling bspw. die Bereitstellung von Informationen zu Product Carbon Footprints und die Entwicklung eines Strategic CO2 Transparency Tool (SCOTT), das eine schnelle und effiziente Berechnung von Klimabilanzen für die rund 45.000 Produkte des Unternehmens ermöglicht. SCOTT berücksichtigt dafür die Treibhausgasemissionen von ca. 20.000 Rohmaterialien und jährlich 10 TWh bezogener Energie ebenso wie die direkten Treibhausgasemissionen aller ca. 700 Werke des Unternehmens.
Der Vortrag von Prof. Dr. Saling zeigte die großen Herausforderungen auf, denen die Chemieindustrie auf dem Weg zur Klimaneutralität begegnen muss. Zugleich wurde deutlich, dass die Branche viele Lösungen und Maßnahmen zum Klimaschutz bereits einsetzt und daran kontinuierlich weiterarbeitet.
Die Ringvorlesung macht eine kurze Pause und geht im Sommersemester 2022 weiter – diesmal mit dem Oberthema „Energiewende“.