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Ohne Digitalisierung keine Kreislaufwirtschaft

Mario Schmidt (l.) und Jörg Walden (Foto: A. Vogt)

„Den Übergang zur sogenannten Circular Economy schaffen wir nur, wenn sich die Software-Struktur grundlegend wandelt und den schnellen Austausch von Daten in der gesamten Wertschöpfungskette ermöglicht“. Das meinte Jörg Walden, Gründer und CEO der Software-Firma ipoint beim ersten Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Digitaler Produktpass“ des Studiengangs Ressourceneffizienz-Management an der Hochschule Pforzheim. Professor Mario Schmidt begrüßte die Studierenden im Audimax der Hochschule – endlich wieder in Präsenz – und betonte die Aktualität des Themas. Es vergehe kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo ein Meeting, eine Tagung oder eine Präsentation zum digitalen Produktpass stattfindet. In ihm sollen in Zukunft alle wichtigen Informationen über ein Produkt stehen. Oft wird auch vom Digitalen Zwilling eines Produktes gesprochen.

Jörg Walden erwies sich als Visionär: Die Kreislaufwirtschaft sei die einzige Möglichkeit, die Menschheit auf dem Planeten zu erhalten und dafür benötige man völlig andere Denkweisen und disruptive Innovationen. „Disruptiv deshalb: Unternehmensgrenzen sind in Zukunft nicht mehr fix, sondern fluid. Wir brauchen ganz andere Systeme, die die Daten nicht nur durch das einzelne Unternehmen schleust, sondern alle in der Wertschöpfungskette beteiligt. Gemeinsam wird ein Produkt entwickelt, vom Materialhersteller bis zum Recycler. Und das schließt auch die Frage ein, ob man Produkte in Zukunft überhaupt noch besitzt oder nur noch nutzt, also was die Idee der Sharing Economy ist,“ meinte Walden.

Der Informatiker Walden gründete die Firma ipoint mit Sitz in Reutlingen vor über 20 Jahren. Mit über 200 Mitarbeitern befasst sich die Firma mit Compliance, Nachhaltigkeit und Produktkonformität und hat hierzu im Automobilbereich fast schon eine Monopolstellung. Das öffentliche Interesse an den sozialen Auswirkungen bei den Lieferanten, das neue Lieferkettengesetz und auch die Circular Economy habe die Nachfrage nach integrativen Konzepten rapide steigen lassen. Walden selbst will sich in Zukunft noch stärker den digitalen Innovationen zuwenden und neue Softwarekonzepte zur Nachhaltigkeit unterstützen. Das richtige Mindset dazu hat er: „Ich hasse Mauern, ich hasse alles, was zu ist“. Dazu sucht er den Diskurs – genau richtig an der Hochschule Pforzheim!

Die Veranstaltungsreihe wird am Donnerstag, den 31.03.22 um 17:15 im Audimax der Hochschule fortgesetzt mit einem Vortrag von Dr. Christian Kühne, dem Geschäftsführer des Thinktanks Industrielle Ressourcenstrategien, einer gemeinsamen Einrichtung der Landesregierung und der baden-württembergischen Wirtschaft.