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Umweltpolitik zwischen Visionen und Realpolitik

Umweltminister Franz Untersteller (Foto: Axel Grehl/Hochschule Pforzheim).

Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller kann die Forderungen der „Fridays for Future“ Bewegung verstehen, und diese hätten geholfen, vieles beim Klimaschutz voranzubringen. Dafür ist er dankbar. Es würde ihm jedoch sehr helfen, die jungen Leute auch montags bei den Gemeindeversammlungen, in denen über die Windräder entschieden wird, zu sehen. Dort sei die eigentliche Überzeugungsarbeit zu leisten.

Untersteller, der im Mai 2012 schon einmal in der Vortagsreihe des Studiengangs Ressourceneffizienz-Management sprach, war erneut zu Gast an der Hochschule Pforzheim, nicht virtuell wie momentan üblich, sondern leibhaftig, wie Professor Mario Schmidt betonte. Doch das Audimax blieb leer und verwandelte sich kurzerhand in ein Fernsehstudio. Die Veranstaltung wurde live auf Youtube übertragen. Nach einem Impulsvortrag über die Umweltpolitik im Spannungsfeld von Visionen und Realpolitik nahm sich Untersteller Zeit, um mit Studentinnen und Studenten und Mitarbeitern des Instituts für Industrial Ecology zu diskutieren. Moderiert wurde die Diskussion von Frau Professor Ingela Tietze. Interessierte konnten Fragen sowie Kommentare über den Chat bei Youtube einbringen.

Franz Untersteller studierte in Nürtingen Landschaftsplanung und arbeitete anschließend am Freiburger Öko-Institut. Danach wollte er eigentlich nur für kurze Zeit die Grüne Landespartei beraten, da er bereits Pläne hatte nach Südamerika zu gehen. Doch er blieb, wurde schließlich selbst Landtagsabgeordneter, und 2011 bot ihm der neu gewählte Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Leitung des Umweltministeriums an. Geplant sei dieser Karriereverlauf nicht gewesen, erklärte Untersteller den Studierenden.

In der Diskussion machte Untersteller, der sich als junger Mann selbst für die Anti-Atomkraft-Bewegung und die Energiewende engagierte, deutlich, dass die Transformationsprozesse zu mehr Nachhaltigkeit weitreichende Wirkungen haben und sorgfältig umgesetzt werden müssen. Eine große Herausforderung gerade in Baden-Württemberg sei der Wandel der Automobilindustrie. Hier seien tragfähige Konzepte erforderlich, die mit den globalen Klimazielen vereinbar sind, aber auch die soziale Dimension nicht außer Acht lassen. Untersteller illustrierte, dass die Umweltpolitik auf Landesebene und ihre Visionen von vielen komplexen Faktoren, wie etwa nicht durchdachten Gesetzen auf Bundesebene, beeinflusst wird und sich immer wieder mit der Realität arrangieren muss.

Da Untersteller in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr antreten wird, stellte sich in der Diskussion auch die Frage nach dem Warum und was er zukünftig vorhabe. Er wolle sein Amt nicht irgendwann aufgrund von Umständen außerhalb seiner Kontrolle aufgeben, sondern bis zum Ende mit voller Kraft und Engagement ausüben. Für die Zukunft freue er sich auf die Chance nochmal etwas ganz Anderes auszuprobieren.

Am Ende der 90-minütigen Veranstaltung richtete sich Untersteller an die Studenten und Studentinnen. Er sei sich sicher, dass sie mit dem Studiengang Ressourceneffizienzmanagement eines der wichtigsten Zukunftsthemen gewählt haben und für die eigene und zukünftige Generationen viel bewegen können.