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Die Zeit in Umwelt- und Naturschutz

Patrick Maier (r.) und Prof. Dr.-Ing. Claus Lang-Koetz.

Am 12. November war Patrick Maier, Geschäftsführer BUND-Nordschwarzwald, zu Gast in der Ringvorlesung Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit. Herr Maier studierte Geoökologie und Umweltmanagement in Tübingen und Hohenheim. Vor seiner Tätigkeit beim BUND arbeitete er als Projektmanager und Moderator für Bürger- und Expertendialoge. In seinem Vortag thematisierte er die Zeitdimension in den drei Bereichen Beteiligung, Klimawandel und Umwelt- und Naturschutz.

 

Warum Stellungnahmen zu spät kommen

Zu Beginn seines Vortrags verdeutlichte Herr Maier, dass heutzutage eine frühzeitige (informelle) Bürger- und Akteursbeteiligung für Projekte mit Auswirkungen auf Natur und Umwelt gewünscht ist. Eine rein formale Beteiligung im Planungsprozess im Sinne einer relativ späten Informationsweitergabe hingegen führt immer wieder zu Konflikten und entspricht nicht einem modernen Demokratieverständnis. An lokalen Beispielen zu verkehrssicherungsbedingten Baumfällungen und zur Erschließung von Gewerbeflächen erläuterte er wie Beteiligung aussehen kann und dass sowohl Konsens als auch Dissens zum Beteiligungsprozess gehören. Eine große Herausforderung ist dabei das Beteiligungsparadoxon. Die Möglichkeiten zur Einflussnahme und die Chance auf Einbringung von Vorschlägen sind zu Beginn einer Projektplanung gut, aber das öffentliche Interesse daran gering. Das Interesse nimmt oft erst zu, wenn die Planungen weit fortgeschritten sind, die Rahmenbedingungen deutlich eingeschränkt sind und nur noch beispielsweise Stellungnahmen oder als letztes Mittel Klagen bleiben.

Den aktuellen Zustand von Beteiligungsprozessen erachtet Herr Maier als schwierig. So sind insbesondere in Social Media Storytelling und Bilder oft wichtiger als Fakten, wodurch Zuhören und echter Austausch zunehmend in den Hintergrund treten. Die Summe an Eingriffen in den Naturhaushalt verursacht ein immenses Arbeitsaufkommen für die meist ehrenamtlich engagierten Natur- und Umweltschutzverbände und führt immer wieder zu einer Überlastung der (Beteiligungs-)Strukturen. Mehr Objektivität und Transparenz in Planungsprozessen, klare Regeln und faire Rahmenbedingungen könnten hier Abhilfe schaffen.

 

Warum der Kuckuck zu spät kommt

Im zweiten Teil seines Vortrags thematisierte Herr Maier den Klima- und Witterungswandel im Nordschwarzwald. Im Kontext des Klimawandels wird meist über die Temperaturerhöhung gesprochen. Nicht beachtet wird dabei oft aber der Wandel in den atmosphärischen Zirkulationsmustern. Viele Katastrophen der letzten Jahre wie Überflutungen, Dürren oder Feuersbrünste lassen sich auf lang anhaltende stabile Wetterlagen (bspw. Sommermonate ohne Regen) zurückführen. Solche klimatischen Veränderungen haben bereits Auswirkungen auf den Nordschwarzwald. So leiden viele wärmebegünstigte Bereiche rund um Pforzheim unter Hitzestress und Land- und Forstwirtschaften müssen sich an die veränderten Gegebenheiten anpassen. Auch bisher weitverbreitete Tierarten wie der Kuckuck sind durch die klimatischen Veränderungen bedroht. Der Kuckuck kehrt zu spät aus dem Süden zurück, um seine Einer noch in die Nester der klimabedingt früher brütenden Wirtsvögel zu legen.

 

Der Wald im Nordschwarzwald gestern, heute und morgen

Im Laufe der Zeit hat sich der Wald im Nordschwarzwald durch Eingriffe des Menschen mehrfach verändert. Lange Zeit bildete der Wald die Lebensgrundlage der Menschen. Die Struktur von vielen mittelalterlichen Wäldern würde uns heute an eine Parklandschaft mit deutlich mehr Laubbäumen erinnern. Die über viele Jahre als typisch geltende Fichte war im Nordschwarzwald nur zu kleinen Anteilen vorhanden. Dafür wurden aber Eichen und Tannen, sogenannte Holländertannen, beispielsweise im Spätmittelalter stark genutzt und über die Flüsse bis nach Holland als Bau- und Schiffsholz verkauft. Im 19. Jahrhundert und zu Zeiten des ersten Weltkriegs wurde die Kiefer verstärkt nachgefragt und zu Harzproduktion für militärische und medizinische Produkte genutzt. Heute besteht der Nordschwarzwald zu über einem Drittel aus Fichten. Viele Fichten wurden nach den Kahlschlägen durch die Franzosen (Franzosenhaue: Reparationszahlungen nach dem 2. Weltkrieg) eigentlich als „Notfallmaßnahme“ auf den Kahlflächen gepflanzt.

Inzwischen weisen bereits 80 % der Bäume im Nordschwarzwald Schäden aufgrund von Hitze auf. Milde Winter und das hohe Nahrungsangebot der Landwirtschaft führen zudem zu einem wachsenden Wildbestand, der den Wald, insbesondere die Waldverjüngung weiter schwächt. Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Risiken für Monokulturwälder und nicht standorttypische Wälder noch weiter zunehmen werden. Eine rein auf Holzernte ausgelegte Strategie wird zunehmend unwirtschaftlicher, auch weil insbesondere „Brotbäume“ sehr stark unter dem Klimawandel leiden. Die ökologischen und klimatologischen Funktionen des Waldes werden in Zukunft noch wichtiger werden. Außerdem nimmt die Bedeutung des Waldes als Erholungsraum weiter zu und auch deshalb ist für die Zukunft ein artenreicher und ökologisch gesunder Wald erstrebenswert.

Die Ringvorlesung macht eine kurze Pause und kehrt am Mittwoch, den 2. Dezember um 17 Uhr mit einem Highlight zurück. Der baden-württembergische Umweltminister, Franz Untersteller, wird in einer Podiumsdiskussion Studierenden Rede und Antwort stehen.

Patrick Maier (l.), BUND-Nordschwarzwald. (Bild: Patrick Maier)
Der Wald im Nordschwarzwald. (Bild: Patrick Maier)