Gastprofessor Dawie Bornman im Interview
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“Das Leben und Arbeiten in einem anderen Land zwingt einen dazu, die Komfortzone zu verlassen, und genau dort beginnt das echte Lernen – akademisch, beruflich und persönlich.” – Gastprofessor Dawie Bornman von der Universität Pretoria (Südafrika)
Prof. Dr. Dawie Bornman ist assoziierter Professor am Fachbereich Betriebswirtschaftslehre der Universität Pretoria und spezialisiert auf internationales und interkulturelles Kommunikationsmanagement sowie Unternehmertum. Mit einem akademischen Hintergrund in Marketing, Kommunikation und Unternehmertum hat er in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, Belgien und Österreich, gelehrt und gearbeitet. Eine prägende Phase seiner Karriere verbrachte er in Leipzig, wo er zwei Jahre lang als junger Wissenschaftler lebte und arbeitete, während er sein Doktoratsstudium (PhD) abschloss. Diese Erfahrung hatte einen nachhaltigen Einfluss auf seine akademische Entwicklung, seine Weltanschauung und seine Lehrphilosophie.
Prof. Dr. Bornman, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Ich freue mich über diese Gelegenheit. Ich habe erfahren, dass Ihr Besuch in diesem Jahr Ihr erster auf unserem Campus in Pforzheim war. Würden Sie uns einige Ihrer ersten Eindrücke vom Campus, der Stadt und den Menschen schildern?
Ja, das stimmt – ich war zum ersten Mal in Pforzheim. Die Ankunft dort war für mich tatsächlich ein ganz besonderes Erlebnis. Ich landete sehr früh am Morgen, als es noch dunkel war. Als wir nach Pforzheim kamen, ging gerade die Sonne auf, und es fühlte sich fast wie einer dieser „Aha-Momente” an – die Stadt schien zu leuchten. Als ich später mehr über die Geschichte Pforzheims und seine Verbindung zu Schmuck und Handwerkskunst erfuhr, empfand ich diesen ersten Eindruck als ziemlich symbolisch.
Da ich aus Südafrika komme, wo es über 30 Grad Celsius warm war, war die kalte Morgenluft ein großer Kontrast, aber der Empfang auf dem Campus selbst war sehr herzlich. Die Menschen waren äußerst freundlich. An meinem ersten Tag wurde ich vom International Office abgeholt und über den Campus geführt. Alle, die ich dort traf, waren freundlich, hilfsbereit und sehr unterstützend.
Ein weiteres Highlight war die Erkenntnis, wie nah der Campus an der Natur liegt. Wir machten einen kurzen Spaziergang zur Bushaltestelle und von dort aus machten wir tatsächlich unsere ersten Schritte in den Schwarzwald. Es war wunderschön, den Wechsel der Jahreszeiten zu beobachten, das Licht auf den Blättern und die Sonne, die über der Landschaft auf- oder unterging.
Was mich auch sehr beeindruckt hat, war, wie klein, intim und ruhig sich alles anfühlte. Da ich aus einer Großstadt wie Pretoria komme, war es erfrischend, an einem Ort zu sein, an dem man sich wirklich auf die anstehenden Aufgaben konzentrieren konnte.
Welche Unterschiede, wenn überhaupt, sind Ihnen zwischen dem Universitätsleben in Südafrika und Deutschland aufgefallen?
Einer der ersten Unterschiede, die mir auffielen, war, wie die Studierenden zum Campus kommen. In Südafrika haben viele Studierende Autos oder bilden Fahrgemeinschaften, da sie oft weit vom Campus entfernt wohnen. In Pforzheim fand ich es toll zu sehen, wie die Studierenden zu Fuß gingen, öffentliche Verkehrsmittel nutzten und sich ganz natürlich auf dem Campus bewegten.
Der Campus selbst ist viel kleiner als ich es gewohnt bin, was ihm eine sehr heimelige, gemütliche und einladende Atmosphäre verleiht. Ein weiterer großer Unterschied für mich war die Mensa. In Südafrika essen die Studierenden normalerweise an vielen verschiedenen Orten, aber hier habe ich gesehen, wie sich die Studierenden zur Mittagszeit versammeln, preiswertes und gutes Essen bekommen, gemeinsam essen und Zeit mit Freunden verbringen. Das schafft ein Gefühl der Nähe und Gemeinschaft, das ich sehr geschätzt habe.
Ich fand es auch schön zu sehen, wie die Studierenden außerhalb der Vorlesungen Zeit miteinander verbrachten – sich unterhielten, lachten und an studentischen Aktivitäten teilnahmen.
Sie haben einen Kurs in internationalem und interkulturellem Kommunikationsmanagement unterrichtet. Was hat Ihr Interesse an diesem Bereich ursprünglich geweckt?
Mein Interesse hat zwei Gründe: einen akademischen und einen persönlichen. Akademisch gesehen habe ich im Grundstudium Marketing studiert und dabei schnell erkannt, wie wichtig Kommunikation ist. Das hat mich zu einem Aufbaustudium im Bereich Kommunikation und schließlich zu einer internationalen Tätigkeit mit Menschen aus verschiedenen Kulturen geführt.
Durch diese Erfahrungen habe ich gesehen, wie wirkungsvoll interkulturelle Kommunikation sein kann – nicht nur in der Zusammenarbeit mit anderen, sondern auch in Bezug darauf, wie viel man lernt, wenn man erkennt, dass die eigene Vorgehensweise nicht die einzige ist. Auch unterschiedliche Ansätze können zu sehr guten Ergebnissen führen.
Auf persönlicher Ebene begann mein Interesse schon sehr früh im Leben. Als ich noch sehr jung war und gerade anfing zu sprechen, ermutigte mein Vater eine Frau, die bei uns zu Hause half, nur Setwana (ihre Muttersprache) mit mir zu sprechen. So wuchs ich mit Afrikaans (meiner Muttersprache), Englisch und Setwana auf. Afrikaans war meine Hauptsprache in der Schule, Englisch war meine Zweitsprache und die dritte Sprache lernte ich eher informell.
Das Erlernen dieser Sprachen hat mir gezeigt, dass Sprache ein Mittel ist, um Fürsorge und Respekt zu zeigen. Wenn man versucht, mit jemandem in seiner Sprache zu kommunizieren, auch wenn es nicht perfekt ist, verändert das die Beziehung. Die Menschen fühlen sich wohler und respektierter. Das sieht man überall – sogar in Deutschland. Als ich versuchte, Deutsch zu sprechen, waren die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit, auch wenn ich Fehler machte. Sie lachten mit mir, nicht über mich, und das schafft eine Verbindung.
Diese Erfahrungen sind mir im Gedächtnis geblieben und haben meine Sichtweise auf interkulturelle Kommunikation stark geprägt.
Haben Sie während Ihrer Lehrtätigkeit in Deutschland Unterschiede in der Kommunikation im Unterricht oder im Engagement der Schüler festgestellt?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe eine kleine Gruppe von Masterstudierenden unterrichtet, und was mir besonders aufgefallen ist, war ihre Offenheit. Es war ihr letztes Modul, und man merkte, dass sie sich gut kannten und sich gegenseitig den Erfolg wünschten.
Sie waren sehr engagiert und brauchten nicht viel Ermutigung, um sich zu beteiligen. Bei Gruppenarbeiten und Präsentationen bezogen sie ganz selbstverständlich die ganze Klasse mit ein, baten um Feedback und tauschten offen Ideen aus. Mit 16 Studierenden aus vielen verschiedenen Ländern war es wunderbar zu sehen, wie sie voneinander lernten und ihre unterschiedlichen Stärken in den Unterricht einbrachten.
Besonders bedeutsam fand ich, wie offen sie ihre Erfahrungen mit Vorstellungsgesprächen teilten. Sie sprachen sowohl über Erfolge als auch über Situationen, in denen die Dinge nicht wie geplant verliefen. Diese Offenheit half anderen Studierenden, weniger ängstlich zu sein, und ermöglichte es allen, gemeinsam zu lernen. Das zeugte von großer Reife und gegenseitiger Unterstützung.
Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere auch zwei Jahre in Leipzig verbracht. Wie hat Sie diese Erfahrung geprägt?
Meine Zeit in Leipzig hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf mich – akademisch, beruflich und persönlich. Es war das erste Mal, dass ich mein Zuhause verlassen habe und in einem anderen Land gelebt habe. Ich sprach damals kein Deutsch und kannte nur sehr wenige Menschen, was die Erfahrung anfangs ziemlich einschüchternd machte.
Akademisch hatte ich das Glück, mit führenden Wissenschaftlern im Bereich Kommunikationsmanagement zusammenzuarbeiten. Da ich jünger war als viele meiner Kommilitonen, war ich motiviert, mich zu beweisen und einen sinnvollen Beitrag zu leisten.
Persönlich hat mir diese Erfahrung Resilienz und Unabhängigkeit beigebracht. Sie hat mich aus meiner Komfortzone herausgeholt und meinen Horizont erweitert.
Mit der Zeit wurde ich offener dafür, die Sprache zu lernen, mich mit der lokalen Kultur auseinanderzusetzen und mich voll und ganz auf diese Erfahrung einzulassen. Diese Jahre beeinflussen noch heute meine Art zu lehren, meine Kursgestaltung und meinen Ansatz für internationale Zusammenarbeit.
Glauben Sie, dass digitale Kommunikationsmittel dazu beitragen, kulturelle Unterschiede zu überbrücken, oder können sie auch Herausforderungen mit sich bringen?
Ich denke, es ist ein bisschen von beidem. Digitale Tools bieten großartige Möglichkeiten für internationale Verbindungen und Zusammenarbeit. Gleichzeitig können sie zu Missverständnissen führen, insbesondere wenn nonverbale Signale fehlen.
In der persönlichen Kommunikation verlassen wir uns stark auf Körpersprache und Tonfall, insbesondere in interkulturellen Situationen. Online sind diese Signale oft begrenzt, was je nach kulturellen Erwartungen zu unterschiedlichen Interpretationen führen kann. Wenn wir uns dieser Unterschiede jedoch bewusst sind, kann digitale Kommunikation sehr effektiv sein. Insgesamt versuche ich, positiv zu bleiben und Technologie eher als Chance denn als Hindernis zu betrachten.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit als Dozent und Forscher am besten?
Für mich sind Forschung und Lehre eng miteinander verbunden. Durch die Forschung bleibe ich über das Weltgeschehen auf dem Laufenden und kann meine Lehre verbessern. Vor einer Klasse zu stehen, ist jedoch der Ort, an dem ich meiner Meinung nach den größten Einfluss ausüben kann.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Lernen Spaß machen sollte. Wenn mir der Unterricht Spaß macht, macht er auch den Studierenden eher Spaß. Ich versuche, eine Atmosphäre zu schaffen, die lehrreich, aber auch ansprechend und einprägsam ist. Manchmal bedeutet das, ein wenig unkonventionell zu sein, aber diese Momente bleiben den Studierenden oft noch lange nach Ende des Unterrichts in Erinnerung.
Zum Schluss: Welchen Rat würden Sie Studierenden geben, die eine Karriere im Bereich Unternehmensführung oder in einem internationalen, interkulturellen Umfeld anstreben?
Ich würde Studenten dazu ermutigen, schon während ihres Studiums Erfahrungen zu sammeln. Jede Art von Arbeit hilft dabei, Selbstvertrauen aufzubauen und Netzwerke zu knüpfen. Es ist auch wichtig zu akzeptieren, dass es Herausforderungen und Momente geben wird, in denen die Dinge nicht wie geplant laufen.
In solchen Momenten findet echtes Wachstum statt. Eine positive Einstellung, Lernbereitschaft und Respekt gegenüber anderen bringen Sie weit. Insbesondere den Studierenden in Pforzheim möchte ich sagen: Behalten Sie diese positive Energie bei. Sie wird Ihnen helfen, Herausforderungen zu meistern und Chancen zu erkennen, während Sie Ihren Weg gehen.
Möchten Sie noch etwas hinzufügen?
Ich möchte mich bei allen Mitarbeitern der Hochschule Pforzheim für ihre Unterstützung bedanken. Ein großes Dankeschön an Prof. Simone Huck-Sandhu und Prof. Felix Krebber für ihr Vertrauen und die Einladung als Gastdozent an die Hochschule Pforzheim.
Ein großes Dankeschön auch an Frau Vanessa Haberer, Herrn Jochen Ebert und sein Dream Team im International Office für ihre großartige Unterstützung.
Vielen Dank für diese Gelegenheit, Sie interviewen zu dürfen, Prof. Dr. Bornman.
Die Universität Pretoria ist eine der führenden öffentlichen Forschungsuniversitäten Südafrikas und befindet sich in der Verwaltungshauptstadt des Landes. Sie ist bekannt für ihren guten akademischen Ruf, ihre hohe Forschungsleistung und ihr internationales Engagement. Die Universität bietet eine breite Palette von Bachelor- und Masterstudiengängen in verschiedenen Fachbereichen an und legt großen Wert auf Innovation, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Vorbereitung der Absolventen auf Führungsaufgaben im globalen Kontext.