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Von heute auf morgen im Digital Workspace studieren

Im Design-Thinking-Projekt mit Dr. Daniel Biedermann von der Daimler AG gestalteten die MCCMer im ersten Semester den idealen digitalen Arbeitsplatz für Studierende im Jahr 2030 – und waren sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst, dass sie diese virtuelle Vorlesungswelt bereits wenige Monate später selbst erleben würden.

Es ist acht Uhr am Morgen, ich schlage meine Bettdecke zurück, schlüpfe in meine Hausschuhe und mache mich auf den Weg in Richtung Küche. Im letzten Semester hätte ich um diese Zeit schon im Auto sitzen müssen, um pünktlich zur Vorlesung zu kommen – doch seit Mitte März hat sich einiges verändert: durch das Corona Virus wurde der offizielle Vorlesungsstart an allen deutschen Hochschulen auf nach Ostern verlegt. Ich muss schon zugeben: Beim Lesen dieser Entscheidung hatte ich mich zunächst auf verlängerte Semesterferien gefreut, doch damals waren das Ausmaß und die massiven Einschränkungen durch die globale Pandemie noch niemandem bewusst. Inzwischen bin ich sehr froh darüber, dass die Hochschule Pforzheim und somit auch die Professor*innen meines Masterstudiengangs Corporate Communication Management in so kurzer Zeit einen Plan B für Online-Kurse und virtuelle Vorlesungen auf die Beine gestellt haben. So konnte das Sommersemester für meine Kommiliton*innen und mich wie geplant starten.

Positive Überraschung nach anfänglicher Unsicherheit

Vor der ersten Online-Vorlesung spekulierte ich mit einigen Mitstudierenden über die Umsetzbarkeit unseres Semesters: Wir konnten uns nicht so recht vorstellen, wie Gruppenprojekte, Referate und doppelstündige Vorlesungsblöcke so ohne Weiteres virtuell funktionieren sollten. Werden wir uns gegenseitig sehen können? Wie sollen Briefings im Rahmen unserer Forschungsprojekte mit Praxispartnern stattfinden können? Fragen wie diese gingen uns noch vor zwei Wochen durch die Köpfe. Entsprechend groß war die Aufregung vor der ersten Vorlesung.

Ich mache es mir auf dem Sofa gemütlich und logge mich in die Software AlfaView ein. Einen Augenblick später blicke ich in die 25 lächelnden Gesichter meiner Kommilitonen und das von Professorin Dr. Simone Huck-Sandhu.

Ich bin erstaunt, wie real die Software virtuelles Studieren möglich macht: Wie in der Hochschule geht Frau Huck-Sandhu die Folien ihres Skriptes durch, welches uns zentral auf dem Bildschirm eingeblendet wird. Auf der linken Seite neben dem Skript kann ich meine Kommiliton*innen sehen, wodurch sich eine angenehme Atmosphäre entwickelt - fast wie im Vorlesungssaal. Durch die Mikrofontaste melden wir uns zu Wort, haben die Möglichkeit, nachzufragen und diskutieren miteinander. Eine Chatfunktion macht es möglich, Fragen zu schreiben, anstatt sich gegenseitig beim Sprechen zu unterbrechen. Technische Probleme gibt es nahezu keine und die Vorlesungszeit vergeht wie im Flug.

Virtuelle Zusammenarbeit im Team

Nach eineinhalb Wochen habe ich mich schon an die virtuelle Vorlesungswelt gewöhnt. Zwar ist es etwas anstrengend, so lange auf den Bildschirm zu schauen, doch die Professor*innen kommen uns mit Literaturempfehlungen und Aufgaben zum Selbststudium entgegen, sodass die Zeit im virtuellen Raum überschaubar ist. Besonders erstaunt bin ich darüber, wie gut auch Gruppenarbeiten online funktionieren: AlfaView und Microsoft Teams bieten als Softwares die Möglichkeit, sich in virtuelle Gruppenräume zurückzuziehen und dort in Kleingruppen zusammen zu arbeiten. Auch die Bildschirme können dort geteilt werden. In Kombination mit Google Drive, wo wir gemeinsam an Präsentationen und Dokumenten arbeiten können, gelingt uns die Vorbereitung unserer Projekte sehr gut.

Die Corona-Pandemie zeigt, wie schnell sich eine Situation mit all ihren Prozessen und Abläufen verändern kann. Während des Design-Thinking-Projekts im letzten Semester waren wir alle der Meinung, dass sich am Studienalltag in den nächsten zehn Jahren wenig verändern würde. Nun stellt sich heraus, dass es definitiv wertvoll ist, kreativ zu denken und in Richtung Zukunft zu forschen – denn jetzt können wir unsere Professoren mit Expertenwissen dabei unterstützen, unseren eigenen idealen digitalen Arbeitsplatz zu gestalten. Und wer weiß, vielleicht kommen ja bald auch VR-Brillen zum Einsatz. Unsere Teams haben Ideen dazu entwickelt. Zwar freue ich mich darauf, meine Kommilitonen und Professor*innen hoffentlich bald wieder live zu sehen, aber die Online Vorlesungen bringen ebenfalls ihre Vorteile mit sich und vermitteln den Lernstoff und die gemeinsame Zusammenarbeit auf eine tolle Art und Weise. Man sagt ja, dass jede Krise auch Chancen mit sich bringt – und gerade die Digitalisierung und das virtuelle Zusammenarbeiten haben sich in den vergangenen Wochen unglaublich schnell weiterentwickelt. Eine Herausforderung, die wir als Kurs gemeinsam erfolgreich in eine Chance verwandelt haben.

Text von Luisa Kübler, 2. Semester MCCM