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From real to reality – Mein Freies Projekt über Stärke, Schwäche und das Frausein

Von real bis authentisch, normal bis besonders – von Frau bis Frau. Ein Fotoprojekt über bewundernswerte, fehlerhafte, aber auch glückliche und geprägte Frauen. Frauen, die verschiedener nicht sein könnten und trotzdem eines gemeinsam haben: Ihre Weiblichkeit.

So ähnlich lautete die Einleitung für mein freies Projekt, das ich wie alle MCCMer ab dem zweiten Semester angehen durfte. Die Aufgabenstellung dahinter könnte simpler nicht gewesen sein – es ging darum, ein eigenes Projekt zu planen, realisieren und somit individuelle Kompetenzen auszubauen. Egal, ob in der Erstellung eines Blogs, der Eventorganisation oder dem Journalismus, der Phantasie waren kaum Grenzen gesetzt. So war für mich schnell klar, dass ich meine Leidenschaften zur Fotografie mit dem Layouten von Printartikeln verbinden wollte. Hinzu kam, dass ich mich vor allem mit dem gesellschaftskritischen Themengebiet der weiblichen Identität und des Frauseins in der heutigen Zeit auseinandersetzen wollte: Die Idee war geboren.

Was folgte, war eine lehrreiche Zeit mit intensiven Interviews, tollen Fotoshootings und dem Einfangen verschiedenster Sichtweisen und Gedankenwelten. Das Konzept war, fünf verschiedenen Frauen aus meinem näheren Bekanntenkreis in unterschiedlichen Lebenssituationen die gleichen sechs Fragen zu stellen – Fragen über Stärke, die Rolle der Frau, ihre eigene Geschichte, Schwäche, Ratschläge und dem Selbstverständnis von Weiblichkeit. Begleitet wurde das Interview von einem Fotoshooting in unterschiedlichen Umgebungen wie der privaten Wohnung, am Arbeitsplatz oder in der Stadt. Dabei war es mir wichtig, mich während der Interviews ganz in die Gedanken meiner Interviewpartnerin hineinversetzen zu können, um später in meinem Buch eine unverfälschte Sichtweise auf teilweise schwierige Themengebiete widergeben zu können.

„Die Umstände, die wir als negativ empfinden, machen uns doch erst zu dem, was wir sind und fordern uns heraus: Noch ein bisschen besser zu sein, seine eigenen Grenzen zu suchen. Das schärft das Bewusstsein.“

Das war nur ein Zitat von vielen, das ich von einer meiner Interviewpartnerin bekommen habe: Zusammen mit dem Fotoshooting waren dies private Stunden, in denen es sensible und emotionale Situationen gab. Es war eine tolle Erfahrung, so nah mit Menschen und persönlichen Geschichten zu arbeiten und ihnen auf eine kreative Art eine Stimme zu geben.  Oftmals hat es dabei einige Zeit gedauert, bis die Frauen sich ganz öffnen und authentisch sein konnten – hier kam es auf Feingefühl und eine angenehme, vertraute Atmosphäre an. Es ging also um mehr als nur Bilder und Fragen: Am Ende führte ich kein Interview, sondern hatte offene Gespräche mit Persönlichkeiten, die jedes Mal verschiedene Anforderungen und Fragen mit sich brachten. Sich jedes Mal auf einen anderen Menschen einzustellen und zum Schluss meist ein ungeplantes Ergebnis zu erhalten, waren Dinge, die ich über das Projekt zu schätzen gelernt habe.

Die Ausgestaltung des Buches mit den Interviews und Bildern hat großen Spaß gemacht – es war eine besondere Arbeit, die Fotografien zu bearbeiten, diese mit dem Text abzustimmen und ein harmonisches Gesamtkonzept zu entwickeln. Eine Herausforderung war die Verschriftlichung der Interviews: Hin von einer Sprechsprache zu einem redaktionellen Text und dabei gleichzeitig das „Gefühl“ des Gespräches wiederzugeben. Mir war es wichtig emotional zu schreiben, um den Leser zu berühren und mitzunehmen.

Das gedruckte Buch in den Händen zu halten und all die Geschichten zu lesen, hat nicht nur mich stolz gemacht, sondern auch meine fünf Interviewpartnerinnen. Am Ende ist ein Bildband entstanden, der mitnimmt auf eine Reise durch Gedankenwelten, durch fünf Leben und ihre Sichtweisen auf die Welt. Unverfälscht haben ganz normale Frauen eine Stimme erhalten und vielleicht gibt das Buch anderen Menschen Inspiration, Stärke und Horizonterweiterung.

Text von Michelle Gillessen, 4. Semester MCCM