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Vorbereitung auf die Praxis: Veranstaltungsreihe zum Thema Wirtschaftsprüfung

Von links nach rechts:  Carmen Merz, Markus Häfele, Gabriele Giehne

Von links nach rechts: Carmen Merz, Markus Häfele, Gabriele Giehne

Seit elf Semestern organisiert Prof. Dr. Markus Häfele, Studiendekan im Studiengang BW/Steuern und Wirtschaftsprüfung, die Veranstaltungsreihe „Spektrum Wirtschaftsprüfung“. In jedem Semester referieren namhafte Praktiker zu studienrelevanten Themen. „Die Studierenden profitieren hier zweifach – sie sehen, wie es in der Praxis abläuft, was gerade im Hinblick auf das Praxissemester eine gute Vorbereitung ist und können Kontakte knüpfen, wodurch sich auch immer mal wieder Jobchancen ergeben“, so Markus Häfele.

Eine Veranstaltungsreihe besteht jedes Semester aus ca. vier bis zehn Vorträgen, die als Workshops oder klassische Vorträge konzipiert sind. Auf die Fragen der Studierenden und entstehenden Diskussionen legt der Initiator der Veranstaltungsreihe jedoch besonders wert: „Für die Arbeitnehmer von morgen ist es wichtig ins fachliche Gespräch kommen“.

Die Vorträge bieten dabei auch interdisziplinär interessante Aspekte für Studierende, aber auch Lehrende und andere Praktiker. Die Referenten verdeutlichen die Theorie oft anhand realer Fallbeispiele und verschaffen somit einmalige Einblicke in verschiedene Unternehmen und Themen. Wichtige Kriterien für die Auswahl der Vorträge sind die Aktualität, Relevanz und Praxisnähe der Inhalte.

Rückblick: Veranstaltung am 4. Dezember: „Auf der Suche nach der Wahrheit… Wirtschaftskriminalität“

Am 4. Dezember referierten Carmen Merz und Gabriele Giehne, Sachverständige für Buchprüfung beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg, zum Thema „Wirtschaftskriminalität und Buchprüfung“. In zweieinhalb Stunden gaben die beiden Referentinnen einen Überblick über das Thema Wirtschaftskriminalität, einen Einblick in Studien, Statistiken und Beiträge zum Thema „Gibt es den typischen Wirtschaftskriminellen?“, eine detaillierte Erläuterung realer Praxisbeispiele, darunter der bekannte Fall Schlecker, und abschließend einen „Geheim“-Tipp zum Thema Datenanalyse, der beweist, dass das Thema Digitalisierung in der Buchprüfung eine große Rolle spielt.

Unter anderem stellte Gabriele Giehne die Ergebnisse einer Studie der Universität Leipzig vor, die belegt, dass es den typischen Wirtschaftsstraftäter nicht gibt, aber das Zusammenspiel von Gelegenheiten und Persönlichkeitsmerkmalen erklärt. Dabei konnten vier „Idealtypen“ festgehalten werden: Der Chronische, der Krisentäter, der Abhängige und der Unauffällige. Der Chronische sucht beispielsweise zielstrebig nach einer Gelegenheit, hat häufig einen ausschweifenden Lebensstil und bereits Vorstrafen. Der Krisentäter taucht am häufigsten auf, ist zumeist eine aufstiegsorientierte Person und wird besonders durch ein bestimmtes Ereignis zum Täter. Der Abhängige ergreift eine Gelegenheit, die sich bietet und handelt oft weisungsunterworfen. Der Unauffällige handelt lediglich aufgrund einer Gelegenheit und ist sozial unauffällig. Gleichzeitig gibt die Studie Hinweise, wie die einzelnen Typen von ihren Taten abgehalten werden können.

Für großes Erstaunen sorgte das letzte Praxisbeispiel: Im Fall Schlecker, der ehemals größten Drogeriekette Europas, konnten die Referentinnen aus ihren eigenen Erfahrungen und Arbeitsschritten berichten. Das Unternehmen hat unter anderem 58 Millionen Euro Fremdkapital als Eigenkapital bilanziert. Gabriele Giehne und Carmen Merz erklärten den Teilnehmenden die genauen Anklagepunkte, die Eckpunkte des Ermittlungsverfahrens und den Aufbau der Ermittlungsgruppen. Sie gaben einen Überblick über involvierte Parteien und konnten hautnah und über die Fakten hinaus, beispielsweise zu Situationen im Gerichtssaal, berichten.

Zusammenfassend brachten Carmen Merz und Gabriele Giehne das Wichtigste bei ihrer Arbeit in der Buchprüfung auf den Punkt: Du vermutest nicht, du stellst fest!

Das Format Spektrum Wirtschaftsprüfung hat sich an der Hochschule Pforzheim längst etabliert und sich in der Praxis rumgesprochen. „Ich freue mich darüber, dass ich mittlerweile viele Anfragen von Referenten bekomme, da sie von der Hochschule Pforzheim überzeugt sind. Das spricht auch dafür, dass unsere Absolventen zurzeit hoch im Kurs stehen. Genauso haben wir auch einige Alumni, die der Hochschule etwas zurückgeben möchten“, so Markus Häfele und verspricht schon jetzt eine spannende Vortragsreihe im Januar.

Conny Michelle Reinhard