News |

Ringvorlesung: Die Achterbahn einer nachhaltigen Gründung

Amelie Vermeer, die zusammen mit Julia Piechotta Spoontainable gründete, sprach am 15. April über die „Achterbahn einer nachhaltigen Gründung“ und hatte dabei jede Menge Tipps für interessierte Gründer*innen im Gepäck. Rund 100 Zuhörer*innen verfolgten den Vortrag im YouTube Livestream und nutzen die Gelegenheit anschließend Fragen an Amelie Vermeer zu stellen. Der Vortrag fand in Kooperation mit der Design Factory Pforzheim der Hochschule Pforzheim statt, der interdisziplinären Innovations- und Gründungsplattform, auf der Studierende und Lehrende mit Partnern aus der Region interagieren können und sollen. Philipp Preiss stellte die Design Factory Pforzheim (DFPF) zu Beginn kurz vor. Der Schwerpunkt seiner Arbeit im Rahmen der DFPF ist die Nachhaltigkeitsberatung von Startups. „Nachhaltigkeit! Erfolgsfaktor für Startups!“ – Trends, Role Models, Optionen und Unterstützung – Im Rahmen dieser Reihe initiiert bzw. promotet die DFPF Veranstaltungen für Gründungsinteressierte, die auf die Chancen des Mega-Trends Nachhaltigkeit aufmerksam machen, für die Komplexität der Zusammenhänge verschiedener Nachhaltigkeitsaspekte sensibilisieren, und anhand von „Best Practice“ Beispielen zum Selberdenken und Mitmachen anregen. Dies soll unternehmerisch denkende und handelnde Persönlichkeiten - die Entrepreneure wie auch die Intrapreneure von morgen – dazu befähigen Nachhaltigkeitsaspekte bei Ihren Ideen zu berücksichtigen.

Aus der WG-Küche in die Eisdielen

Ab Juli 2021 wird Single-Use-Plastik in der EU verboten, das bedeutet, dass unter anderem Milliarden Plastikbestecke in Europa ersetzt werden müssen. Alternativen aus Holz haben den Nachteil, dass sie langsam nachwachsen und Klebstoffe enthalten. Und auch Alternativen aus Bioplastik sind nicht die Lösung, da sie nicht zwingend biologisch abbaubar sind und die Kompostierbarkeit nicht gewährleistet ist. Vemeer setzt mit einer nachhaltigen Alternative durch einen ganzheitlichen Ansatz der Kreislaufwirtschaft genau dort an. Gemeinsam mit Freundinnen fing sie noch während des Studiums an in der WG-Küche essbare Eislöffel aus Kakaoschalen herzustellen, so entstand nach vielen Abenden und Nächten in der WG-Küche das Rezept für den Spoonie. Mit den Prototypen tingelten sie von Eisdiele zu Eisdiele, um Besitzer von ihrem Produkt zu überzeugen. Was schließlich auch gelang. So hat sich ein großer Lebensmittelhersteller bereit erklärt die Produktion der Löffel zu übernehmen. Ökologisch betrachtet hat eine Kiste der essbaren Löffel einen CO2-Fußabdruck von ca. 2,6 kg, eine Kiste konventioneller Plastikeislöffel hingegen 4,3 kg, was einem Einspar-Faktor von 1,67 entspricht.

Von der Produktidee zum Unternehmen

Ausgehend von der Idee des essbaren Eislöffels haben Vermeer und ihr Team das Startup immer weiter ausgebaut. So folgten auf die B2B Verpackung der Löffel, Produktintegrationen und B2C Lösungen. Teilweise waren diese auch von der aktuellen Covid19-Pandemie getrieben, auf die das Unternehmen kreativ reagieren musste. Zudem ist es für ein Startup wichtig sein Portfolio zu erweitern, so werden essbare Kaffeerührstäbchen, Pommesgabeln und Besteckvariationen folgen.

Neben der Produktidee und den Gründern sind laut Vermeer zwei Personen beim Aufbau eines Unternehmen unverzichtbar: ein Anwalt und ein Steuerberater. Mit diesen beiden Bereichen kommt man als Unternehmen immer wieder in Berührung und hat in den meisten Fällen keine Ahnung davon.

Insbesondere bei Startups mit nachhaltigen Produkten wird man laut Vermeer häufig mit Zielkonflikten von Wirtschaft und Ethik konfrontiert. So mussten im Zuge der Pandemie die Eislöffel einzeln verpackt werden, um verkauft werden zu können. Beim Thema Nachhaltigkeit muss man laut Vermeer oft Kompromisse eingehen aber kann immer Versuchen es so nachhaltig wie möglich zu machen.

Interessierte können den Vortrag von Amelie noch bis zum 30.04.21 im YouTube-Kanal der DFPF anschauen. Fragen und Anregungen in den Kommentaren werden gerne entgegengenommen.

Die Ringvorlesung geht am 29. April weiter mit Jochen Moesslein von Polysecure.