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Herbst-Akademie 2016 - Lean Leader

Teilnehmende und Leitung der Herbstakademie 2016. Foto E. Melian

  • Ich möchte verstehen, wie Führen geht!
  • Was macht den Unterschied der Lean Leader?
  • Personalentwicklung braucht dringend „Lean“!
  • Suche neue Ansätze, neue Gedankenstrukturen…
  • Wie geht gutes Führen?
  • Besserer Umgang mit Konflikten.
  • Grenzen setzen – auch gegen Führungskräften!
  • Demotivation durch Führungskräfte begegnen

 

Mit mutigen Einstiegsfragen auf den Lippen und Lean Thinking im Kopf wagten sich acht Studierende der Hochschule Pforzheim auf den schmalen Grat der guten Führung. Ein neues Format, ein hohes Ziel und thematisch reizvolle Etappen - das löste schnell einen starken Sog zur „Herbst-Akademie 2016“ aus. Veranstaltet von Prof. Dr.-Ing. Frank Bertagnolli (INEC) (hinten links). Gefördert und begleitet von der Akademie Neue Wirtschaft als Kooperationspartner, mit Dipl,-Ing. (FH) Vinzenz P. Grupp und Sonja Kavain, Wirtschaftspsychologin (B.A.) (beide hinten rechts).

Die Herbst-Akademie fand in Pforzheim vom 19. bis 22. September 2016 zum ersten Mal statt und verband die Themen Lean, Führung und Kommunikation.

 

Lean Leader – in der Praxis: Führen und entscheiden im internationalen Projekt

Zum Auftakt der Veranstaltung erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Vortrag von Dipl.-Ing. Erich Bertagnolli über den Aufbau eines PKW-Auslandswerkes. Neben der Vorgehensweise der Planung, dem Aufbau und der Führung eines solchen Werkes in Asien kamen kurzweilige Geschichten und Anekdoten aus dem Berufsleben eines ehemaligen Werkleiters hinzu. Viele Herausforderungen einer Führungskraft wurden ausgetauscht, interessiert hinterfragt und diskutiert.

 

Lean Leader – in der Führungsforschung: Führung zwischen Anspruch und Wirklichkeit

„Warum gibt es so viele Führungsprobleme, wo es so viele Führungsseminare gibt?“ und „Wie lässt sich Führung verbessern?“ fragten die durchweg betriebserfahrenen Teilnehmenden der ersten Herbstakademie.

Führungskräfte sind nicht nur Problemlöser – sie sind auch Problemverursacher!

Bis zu 99 Mrd. (Milliarden!) Euro kosteten allein 2015 die Auswirkungen schlechter Führung, so eine Gallup-Studie (vgl. Gallup Organization 16.03.2016: www.gallup.de/183104/engagement-index-deutschland.aspx). Darin sind Extra-„Führungskosten“ wie z.B. ein „Dieselgate“ noch gar nicht enthalten.

Während Führungsforschung schon seit Jahrzehnten nach einer passenden Definition von Führung sucht, gibt es fast im Jahresrhythmus immer neue Führungstheorien und -konzepte.

Wie lösen Führungskräfte das Dilemma zwischen deren theoretischem Anspruch und praktischer Wirklichkeit? In ihrer gleichlautenden Studie fand Sonja Kavain zwei zentrale Engpassfaktoren im Führungsprozess – sowohl bei jungen wie bei langjährigen Führungskräften: die sozial-kommunikative Kompetenz und die Führungsstruktur an der Schnittstelle zwischen Führungskraft und Mitarbeiter.

Beides bedarf künftig der systematischen Qualifizierung. Jedoch nicht durch ein Zweitstudium in Sozialpädagogik oder Wirtschaftspsychologie. Sondern durch einfache und wirksame Führungswerkzeuge, die schon Studierende als Grundausstattung erlernen und die später im Hochdruck der Team- und Projektarbeit des Unternehmens zuverlässig funktionieren. Lean Thinking lässt hier die gleiche Reduktion an Zeit und Kosten sowie den gleichen Qualitätssprung erwarten, wie sie von schlanken Prozessen aus Fertigung und Dienstleistung bereits bekannt sind. Sie liegen prozentual stets im zweistelligen Bereich.

 

Lean Leader – im Kompetenz-Training: Die Steuerung sozialer Prozesse in Führungs- und Teamarbeit

„Will ich gut führen, ist meine Kommunikation der Schlüssel!“ meinte ein Teilnehmer sinngemäß im Feedback zu diesem Training. Genau das ist es: Die eigene Sprache ist das wichtigste Führungsinstrument. An der Schnittstelle zwischen Menschen steuert sie die Kooperationsbereitschaft just-in time – in genau 0,2 Sekunden! Doch in welche Richtung?

In situativen Übungen entdeckten die Teilnehmenden den Unterschied zwischen Alltagssprache und „Teamsprache“. Mit diesem weltweit ersten Kommunikationsstandard, der nach der Systematik von Lean Production entwickelt wurde, erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie sich die anspruchsvollen Forderungen aktueller Führungstheorien direkt erfüllen lassen.

„Ich hätte nie gedacht, dass es gleich solche Auswirkungen hat, die man auch selber spürt. Und wieviel angenehmer sich auch der Empfänger fühlt.“ Der neue Standard für professionelle Führungskommunikation kommt ganz ohne Persönlichkeitstypologien und ohne Kommunikations- oder Führungsmodelle aus. Es ist die prozessorientierte Sicht auf die eigenen alltäglichen Erfahrungen im Umgang mit anderen Personen, die den Wandel bringt. In kritischen Situationen wie in Beziehungen, im Klima wie in der Produktivität von Teams.

 

Lean Leader – im Stress-Test: Reagieren unter Hochdruck      

„Was ist der Unterschied zwischen Führungskraft und Lean Leader?“

Der neue Kommunikationsstandard verspricht konkrete Gewinne: an Produktivität und Zeit, an Beziehungsqualität und Stress-Entlastung. Jeder dieser Faktoren lässt sich überprüfen oder messen.

Konsequent testeten Frau Kavain und Herr Grupp im Zuge ihrer Forschungsarbeit also zunächst die Stress-Belastung der Teilnehmenden vor und nach dem Training – zur Prüfung der Wirksamkeit der neuen Fertigkeiten. Ein dritter Stress-Test folgt im Januar. Bereits am Ende des Kompetenz-Trainings sowie nach dem zweiten Stresstest berichtete die Mehrzahl der Test-Teilnehmenden von höherer Sensibilität der eigenen Wahrnehmung, gestärktem Selbstbewusstsein, von überlegten und ruhigen Reaktionen unter emotionalem Druck sowie höherer Konfliktstabilität:

„Ich finde, dass ich vieles, was ich hier gelernt habe, nicht nur in der Arbeit anwenden kann, sondern v.a. auch im Privatleben. Dass ich viele Konflikte vermeiden kann.“

Wenn sich die subjektiven Erfahrungen nach Abschluss der Test-Serie auch in den objektiven Parametern bestätigen, dann haben Lean Leader ein wissenschaftlich getestetes Führungstool.

 

Lean Leader – in der Reflektion und im stetigen Wandel: Lean Leadership und Leading Change

„Was ist ein Lean Leader?“, mit dieser Fragestellung schloss die Herbstakademie mit zwei inhaltlichen Vorträgen und einem kurzen Workshop von Prof Dr.-Ing. Frank Bertagnolli ab. Dabei ging es darum, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so zu führen, dass sie Verbesserungen und Veränderungen selbst initiieren und mittragen und so die Gedanken einer schlanken und lernenden Organisation mitgestalten. Im Rahmen einer Workshop-Sequenz wurde gemeinsam erarbeitet, was Lean-Leadership ist und welche Elemente dabei zusammenspielen. Wichtig ist demnach neben der Selbstführung auch die Führung anderer nach dem Mentoring-Prinzip sowie auch die Vision- und Zielsetzung. Hinzu kamen Beispiele aus dem Bereich des Shopfloor Managements als ein wichtiger Baustein der schlanken Führung am Ort der Wertschöpfung.

 

„Lean“ ist leider zu sehr in den Verruf gekommen ein Einsparprogramm zu sein. Vielfach wurde und wird „Lean“ für Rationalisierungen und Kostensenkungen eingesetzt. Es ist jedoch ein anderer Blick auf Prozesse und ein anderes Verständnis mit Menschen und deren Tätigkeiten umzugehen. Das „Lean-Thinking“, also die Denkweise in der Lean-Philosophie, ist ein sehr wertschätzender Umgang mit den Menschen und kann damit bisher ungenutzte Potenziale mit einer perfekten Steuerung von Prozessen erschließen.

 

Lean Leader – hands on: Teamübungen zur Lockerung der Synapsen

Und Action! Am ersten und letzten Tag der Herbst-Akademie 2016 gab es zudem Teamübungen mit ganz unterschiedlichen Anforderungen.

Ziel der Seil-Übung war es ein definiertes Ziel gemeinsam zu erreichen. Dass es hierzu eine klare Strategie, gute Kommunikation und auch Führung benötigt erschloss sich den Teilnehmenden bei der erschwerten (blinden) Umsetzung. Die Übung wurde im Rahmen einer Videoanalyse ausgewertet und sorgte neben Gelächter auch für die nötigen Erkenntnisse.

 

Der finale Auftrag in der Herbstakademie lautete „Bau einer Modell-Brücke“! Zwei sehr engagierte Teams bauten trotz gleicher Anforderungen und gleicher Ressourcen zwei völlig unterschiedliche Brücken aus Papier. Planen, ausführen, reflektieren - jetzt hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit die Herausforderungen und Chancen von Führung und Zusammenarbeit in einem Mini-Projekt spielerisch zu erleben. Die gelungenen Bauwerke wurden nach der Präsentation in der gemeinsamen Reflektion bewertet – natürlich einvernehmlich im Konsens.

Die Herbst-Akademie zum Thema „Lean-Leader” bezeichneten alle Beteiligten als Erfolg. Das Konzept war auf die Zielgruppe von Studierenden zugeschnitten. So nannten die Teilnehmenden als Ergebnisse einen Gewinn an Verständnis für „Lean Management“, ein Zuwachs an sozialer Kompetenz und ein neues Verständnis von Führung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus den Bachelorstudiengängen Personalmanagement, Ressourceneffizienz-Management und aus dem Masterstudiengang Life Cycle & Sustainability.