Studiengangschwerpunkt

Studiendauer

7 Semester (inklusive 1 Praxissemester)

 

Praxissemester

5. Studiensemester

 

Titel

Bachelor of Science Betriebswirtschaft

 

Zielgruppe

Sie interessierten sich für Fragen des Ressourcen- und Umweltmanagements und  möchten diese Themen vorrangig von der Entscheidungs- und Steuerungsseite in Unternehmen angehen. Ihnen ist das zukünftige Verhalten von Unternehmen ein wichtiges Anliegen und Sie finden betriebswirtschaftliche, ökologische sowie technische Fragestellungen spannend. Dann entscheiden Sie sich für den Studiengang Ressourceneffizienz-Management.

 

Angebot

Sie lernen, wie der effiziente Umgang mit energetischen und materiellen Ressourcen in der Produktion möglich ist, welche Potenziale bestehen und was das für die Umwelt und das Unternehmen bedeutet. Sie lernen wichtige Analyse- und Bewertungsmethoden kennen, die in der Wirtschaft an Relevanz gewinnen.

Im Rahmen eines allgemeinen betriebswirtschaftlichen Studiums lernen Sie überdies, konzeptionell zu denken, Prozesse zu steuern und Führungsaufgaben zu übernehmen.

Besonders wichtig ist dabei eine geeignete Mischung aus Theorie und Praxis – denn nur in der Praxis kann sich das Wissen bewähren! Dementsprechend wichtig sind die Erfahrungen, die Sie im Praxissemester und oft auch bei der Abschlussarbeit in Unternehmen sammeln können. Wir arbeiten hierzu mit vielen namhaften Unternehmen zusammen.

Sie werden darauf vorbereitet, eine der zentralen Zukunftsaufgaben der Menschheit, nämlich die ausreichende, sozial verträgliche und umweltfreundliche Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen, zu managen und mit zu gestalten. Sie werden von einem jungen, hochqualifizierten Professorenteam betreut, das umfangreiche Erfahrungen in der Wissenschaft und in der betrieblichen Praxis gesammelt hat. Der Studiengang wird vom Institute for Industrial Ecology (INEC) der Hochschule Pforzheim koordiniert. Damit verbunden ist eine Expertise in aktuellen Forschungs- und Praxisbereichen. Es liegen zahlreiche Kooperationen mit anderen Hochschulen, Universitäten und Unternehmen vor. Seit dem Sommersemester 2015 gibt es an der Hochschule Pforzheim auch einen Master zu »Life Cycle & Sustainability«, der auf den Bachelorstudiengang REM aufbaut. Die studentische Initiative remedy e. V. bietet zusätzliche Aktivitäten rund um das Thema Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit an.

Das Studium setzt sich aus einem allgemeinen und einem studiengangspezifischen Teil zusammen.  Der allgemeine Teil, der Veranstaltungen aus dem Bereich der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre beinhaltet sowie mathematische Grundlagen, umfasst circa die Hälfte Ihres Studiums. Die andere Hälfte – einschließlich Praxissemester und Abschlussarbeit – ist dem studiengangspezifischen Teil gewidmet und beinhaltet Vorlesungen rund um das Thema der Ressourceneffizienz.

Modulübersicht für die PO 2016 (gültig ab Studienstart WiSe 16/17)

PO 5

Effizienz kann man lernen!

 

Eine der zentralen Zukunftsaufgaben der Menschheit ist die ausreichende, sozial verträgliche und umweltfreundliche Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen. Dabei geht es nicht nur um Energierohstoffe. Auch andere Ressourcen, z.B. spezielle Metalle für Hightech-Entwicklungen, rücken nun in den Fokus. Dazu kommt, dass die Umweltbelastungen des Energie- und Materialverbrauchs global und umfassend gemessen und bewertet werden müssen. Mehr Kreislaufsysteme sind notwendig. Manche nennen das Life Cycle Thinking. Mit Ressourceneffizienz wird der Einsatz von Ressourcen bei gleichem Nutzen oder der maximalem Nutzen bei gleichem Ressourceneinsatz angestrebt. Das sollte für Unternehmen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es aber nicht! In deutschen produzierenden Unternehmen gibt es ein Einsparpotenzial von 10-20 % der Kosten des Ressourceneinsatzes. In vielen anderen Ländern sind die Ineffizienzen in der Produktion noch größer.

Der Technik kommt dabei eine wichtige Aufgabe zu, sowohl was die Produktionstechnik als auch die Entwicklung umweltfreundlicher Produkte angeht. Aber Technik ist nicht alles! Solche Prozesse müssen auch gesteuert und geführt werden. Denn hinter der Technik stehen Menschen. Hier kommt das Management ins Spiel. 

 

Das kennen wir bereits aus dem Lean Production- oder Lean Management-Bereich. Der Bedarf an gut und umfassend ausgebildeten Fachkräften ist hierzu besonders groß – an Personen, die Initiative für Innovationen in den Unternehmen in die Hand nehmen wollen!

 

Der Studiengang REM wurde im Rahmen des baden-württembergischen Ausbauprogramms Hochschule 2012 extra gegründet, um diese Aspekte in einem interdisziplinär orientierten Studium zu betonen. Als Basis dient ein betriebswirtschaftliches Studium mit einer starken Vertiefung in den Themenfeldern Ressourcen, Umwelt und Produktionstechnik. Dazu wird eigens ein junges hochqualifiziertes Professorenteam eingestellt, das umfangreiche Erfahrungen in der Wissenschaft und in der betrieblichen Praxis gesammelt hat. Der Studiengang wird maßgeblich vom Institute for Industrial Ecology der Hochschule Pforzheim betreut.

Der Strom kommt aus der Steckdose, und hier ist er sauber! Die eigentlichen Umweltbelastungen entstehen aber beim Kraftwerk oder bei der Gewinnung der Energierohstoffe. Oder bei der Endlagerung von Atommüll. Um also die Kilowattstunde Strom ökologisch bewerten zu können, muss man eine ganze Prozesskette berücksichtigen: von der Wiege – nämlich der Entnahme der Rohstoffe aus der Ökosphäre – bis zur Bahre – der Entsorgung der Abfälle und Emissionen wieder in die Ökosphäre.

Dieses Prinzip gilt für alle Produkte oder Dienstleistungen und wird Life Cycle Thinking genannt. Es findet heute Anwendung in Ökobilanzen und Carbon Footprints bzw. Klima-Fußabdrücken. Manchmal wird es mit einem ökologischen Rucksack verglichen, den jedes Produkt virtuell mit sich trägt: durch die Bereitstellung der Rohstoffe, die Herstellung, die Transporte, die Nutzungsphase usw.

Life Cycle Thinking erweitert den Verantwortungsbereich eines Unternehmens: Man ist nicht nur für die Umweltbelastungen verantwortlich, die auf dem eigenen Betriebsgelände entstehen, sondern muss auch die Vorkette bei den Lieferanten und Vorlieferanten berücksichtigen. Und die Wirkung des Produktes beim Konsumenten.

 

Weiterführende Literatur:

Walter Klöpffer, Birgit Grahl: Ökobilanz (LCA): Ein Leitfaden für Ausbildung und Beruf, 2009, Wiley VCH, ISBN 3527320431

Silke Feifel, Wolfgang Walk, Sibylle Wursthorn und Liselotte Schebek: Ökobilanzierung 2009 - Ansätze und Weiterentwicklungen zur Operationalisierung von Nachhaltigkeit, 2009, KIT Scientific Publishing, ISBN 3866444214

Wie kann die Produktivität in einem Fertigungsbetrieb erhöht werden? Maximaler Output bei minimalem Mitteleinsatz? Nach der Erfindung des Automobils durch Benz und der Fließbandfertigung durch Ford tauchte in der Automobilproduktion seit den 80er Jahren immer wieder das so genannte Toyota-Produktionsmodell auf. Es war ein modernes Credo für Effizienz mit optimaler Produktqualität und minimaler Produktionszeit. Zwei Amerikaner, James Womack und Daniel Jones, machten auf die japanische Art zu produzieren aufmerksam. Seitdem wurde das Konzept in der ganzen Welt vielfach kopiert.

Viele Methoden zur Analyse ineffizienter Systeme wurden entwickelt. Aber was auch deutlich wurde: Es liegt nicht nur an der Technik, sondern an der ganzen Art und Weise, wie ein Unternehmen denkt und lebt, also an der Unternehmenskultur. Es gehört heute zu den größten Herausforderungen, wie man die Kultur innerhalb eines Unternehmens verändert – nicht nur in Richtung Lean, sondern vor allem auch in Richtung Green oder Nachhaltigkeit.

Aber die Lean-Bewegung war – und ist heute noch – auf dem grünen Auge weitgehend blind. Verschwendung wurde überwiegend in Zeit oder Kosten gemessen. Die energetische und materielle Dimension von Verschwendung wird erst langsam bewusst. Hier setzt der Studiengang an: Bewährte und bekannte Konzepte aus der Wirtschaft werden aufgegriffen und mit den neuen Herausforderungen der Ressourcenthematik kombiniert.

 

Weiterführende Literatur:

J. Womack, D. Jones, D. Roos: Die zweite Revolution in der Autoindustrie. 4. Aufl., Campus, Frankfurt a. M. 1992, ISBN 978-3-453-11750-1   

Mike Rother, John Shook: Sehen lernen – mit Wertstromdesign die Wertschöpfung erhöhen und Verschwendung beseitigen. Workbook, hrsg. vom Lean Management Institut, Aachen, 2004, ISBN 978-3-9809521-1-8   

Mike Rother: Die Kata des Weltmarktführers. Campus Verlag, 2009, ISBN 978-3593-38996-7   

Industrial Ecology ist ein junger Begriff aus den Umweltwissenschaften, der in der englischsprachigen Fachwelt dem deutschen „Stoffstrommanagement“ entspricht. Das Forschungsparadigma ist das des stofflichen Metabolismus zwischen Technosphäre und Ökosphäre. D.h. sowohl bei industriellen Prozessen als auch bei deren Auswirkungen auf die Umwelt sind die energetischen und stofflichen Flüsse die Basis der Analyse: Rohstoffe werden aus der Ökosphäre gefördert und in der Technosphäre verarbeitet und konsumiert, Abfälle und Emissionen gelangen wieder in die Ökosphäre. In diesem Bereich liegen auch die Kernkompetenzen der Forschungsgruppe des Instituts für Industrial Ecology an der Hochschule Pforzheim. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Forschungsprojekte für Landes- und Bundesministerien durchgeführt, Ministerien beraten, mit anderen Hochschulen und Universitäten zusammengearbeitet und über 50 produzierende Betriebe im Rahmen von Pilotprojekten beraten. Es bestehen Kontakte zu größeren Unternehmen wie BASF, Daimler, Volkswagen, Otto oder Hewlett Packard, aber auch zur mittelständischen Industrie.

 

Weiterführende Literatur:

Arnim von Gleich, Stefan Gößling-Reisemann: Industrial Ecology: Erfolgreiche Wege zu nachhaltigen industriellen Systemen, 2007, Vieweg + Teubner, ISBN 3-835-10185-4

Ralf Isenmann, Michael von Hauff: Industrial Ecology: Mit Ökologie zukunftsorientiert wirtschaften, 2007, Spektrum Akademischer Verlag, ISBN 3827418062   

  • Vertiefende Informationen finden Sie auf den Seiten des Institute of Industrial Ecology.