News |

Was ist gute Führung?

Patrick Molck-Ude

Patrick Molck-Ude

Wie und wann weiß man, welche Talente man hat? Wie findet man seinen Einstieg in das Arbeitsleben von heute? Was bedeutet es, Führungskraft zu sein: Auf der Ebene von Gruppen, Abteilungen oder an der Spitze eines Internationalen Konzerns?

Diese und andere Fragen diskutierten Studierende des Master-Studienganges HRM in der Abschlußveranstaltung ihrer Seminarreihe „Leadership: Models and Application“ mit Patrick Molck-Ude.

Molck-Ude kennt das Metier; denn in rund 30 Arbeits-Jahren durchlief er selbst die Werdung vom Trainee, zum Manager, zur Führungskraft. IBM, Telekom/T-System und nun Techem, sind die Stationen seines Berufsweges.

„Karriere im klassischen Sinne bedeutet für viele das Emporklimmen über viele Hierarchiebenen hinweg. Als Führungskraft geht es hierbei aber weniger um Status und Macht, sondern vor allem darum, klare Ziele, abgeleitet von der Vision/Mission, zu erarbeiten und diese im Team umzusetzen. Die ideale Zusammensetzung und Führung der Teams und die damit auch verbundene Entwicklung von Talenten machen dabei den Unterschied“, bemerkt Molck-Ude.

Vor diesem Hintergrund sei gute Führung vor allem die Fähigkeit, Menschen individuell mit ihren Talenten, Fähigkeiten und Charakter zu erkennen und mit anderen im Team zusammenzubringen: Einfühlungsvermögen, „größere Ohren, als der Mund“, Vorbereitung auf Themen und Menschen, Feedback.

Insbesondere der Umgang mit Diversität sei wichtig, sagt er, der selber Verschiedenheit in seiner Kindheit erlebt hat: „Ich bin in Japan und Südafrika aufgewachsen. Wenn Du als Kind eine andere Sprache sprichst und in unterschiedlichen Kulturen groß wirst, dann lernst Du früh, zuzuhören, Dich einzufühlen, anzupassen und mitzumachen. Leistung im Sport, Einsatz für eine Schulklasse oder im Verein – das ist dann der Weg, dir positives Feedback zu holen. Man merkt schnell, wieviel besser ein Team ist, wenn alle mitziehen. Das prägt“.

Eine wesentliche Fähigkeit für die operative Führung und Entwicklung von Teams sei es, durch Erfolge wie auch durch Niederlagen zu lernen und dabei kritische Themen offen anzusprechen, so hart diese sein mögen und diese gemeinsam aufzulösen. Hierbei gelte, dass harte Entscheidungen stets auf Basis von Fakten getroffen würden damit jedes Teammitglied zu jedem Augenblicke erkennen könne, dass Führung nicht beliebig sei, sondern nachvollziehbarn Prinzipien folge: „Transparenz und Fairness ist der Schlüssel für gute Führung, denn jeder Mitarbeiter, egal auf welcher Ebene, ist wichtig für den Gesamterfolg des Unternehmens“.

Wie wird man Führungskraft? Was braucht man dazu?

Als guten Startpunkt für die Zusammenarbeit mit anderen sieht Molck-Ude, geprägt durch die eigenen Erfahrungen, eine Tätigkeit im Vertrieb, weil man dort schnell lerne auf sehr unterschiedliche Menschen mit sehr verschiedenen Bedürfnissen einzugehen. Gleichzeitig erlerne man den Umgang mit den wesentlichen Stellschrauben der Unternehmensentwicklung: Mehrwert für Kunden; Begeisterung im Team.

Im Hinblick auf das Fortkommen als Führungskraft zähle durchgängig sehr erfolreiche Arbeit; darüber hinaus aber auch das eigene Einbringen in die Entwicklung des Unternehmens; des Teams durch konstruktive Ideen. Insbesondere in Großunternehmen sei Sichtbarkeit wichtig; denn in einer langfristigen Perspektive trage einen ein Beziehungsgeflecht, das auf Basis von Leistung und Vertrauen entsteht.

Führungskraft zu werden erfordere aber nicht nur Leistung und Disziplin, sondern überdies ein geschärftes Selbstbewußtsein. Will ich führen oder kann Karriere auch Expertenlaufbahn bedeuten?: „Ein Leader ist nicht immer nur eine Person, die andere durch Charisma, Inhalt und Intellekt  führt. Nicht jeder ist ein Peoples´ Leader. Man kann mittlerweile genause eine Karriere als Experte machen und dabei stärker über Inhalt und Innovation führen und andere für Ideen begeistern. Das ist eine individuelle Entscheidung. Beides kann sehr erüllend sein“.

Als weitere wesentliche Eigenschaft sieht der Top-Manager die Fähigkeit zur Ausdauer und Disziplin in der Arbeit mit Menschen und Projekten, denn Veränderung sei ein Prozess, der Zeit erfordere „Wer Führungskraft werden will, sollte Langstreckenlauf mögen und Spaß daran haben Themen nicht nur auf- sondern auch nachhaltig umzusetzen“.

Ein guter Start in das Berufsleben bedeute deshalb vor allem, dass man das, was man tut, mit Spaß, Neugier, viel Leidenschaft und dem Hunger nach Erfolg tue. Das macht am Ende den Unterschied - das merke man selber; das spüren dann auch alle anderen: Kollegen, Vorgesetzte und vor allem Kunden.

Die Vorlesungsreihe „Leadership: Models and Application“ wurde von Professor Dr. Kai Alexander Saldsieder gestaltet.