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Wie man mit kostenlosen Spielen Geld verdient

Sven Jürgens, Marketing Manager, LITE Games

Sven Jürgens, Marketing Manager, LITE Games

Die meisten Apps in den Mobile-Stores von Google und Apple sind kostenlos. Dennoch schaffen es die Herausgeber, mit diesen Produkten Milliardenumsätze zu generieren und hohe Gewinne zu erzielen. Welche Geschäftsmodelle dahinter stecken und was man bei der Entwicklung einer erfolgreichen App beachten sollte, erklärte der Pforzheimer Alumnus Sven Jürgens am 9. November 2016 den interessierten Studierenden. Der Absolvent des Pforzheimer Studiengangs Werbung im Jahr 2012 und seit 2015 Marketing Manager beim Hamburger Mobile-Games-Publisher LITE Games, kennt die Mechanismen des Marktes inzwischen gut.

Die Mediennutzung verändert sich rasant und bereits heute gelangen 70 Prozent der Google-Nutzer über Mobilgeräte auf die Seite der Suchmaschine. Dieser Trend ist bekannt. Oft unterschätzt wird dagegen die Größe des Marktes für Spiele auf Mobilgeräten. Von Kartenspielen über kleinere Geschicklichkeitsspiele bis zu aufwändigen Rollenspielen und Multiplayer-Welten werden dem Handynutzer vielfältige Möglichkeiten des Zeitvertreibs geboten. In den Shops von Google und Apple finden sich inzwischen knapp 5 Millionen verschiedene Apps, knapp ein Drittel davon sind Spiele.

Die App darf nichts kosten - erstmal

Bringt ein Hersteller ein neues Spiel auf den Markt, hat er dabei prinzipiell vier Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Die Naheliegende wäre, bereits für den Download des Spiels Geld zu verlangen. Da diese hohe Einstiegshürde aber nur von einem Bruchteil der möglichen Kunden genommen wird - die Installationsbereitschaft der Zielgruppe liegt in diesen Fällen laut Jürgens bei ca. 0,5 Prozent - sind 78 Prozent aller Apps im iOS-App-Store kostenlos. Beliebter sind andere Wege der Monetarisierung: Werbung, Käufe innerhalb der App sowie Abonnements. Das größte Potential schlummert dabei in den In-App-Purchases, bei denen die User Angebote im Spiel nutzen, um Spielvorteile zu erhalten.

Für den Job sollte man besser rechnen als spielen können

Trotz der hohen Nachfrage und einem wachsenden Markt ist es für kleinere Entwickler und Publisher nicht einfach, sich neben großen Playern wie Google und Facebook zu etablieren. Geschafft hat das beispielsweise der Spieleentwickler Supercell (Clash of Clans), der mit nur vier Produkten einen Milliardenumsatz erzielt. Entscheidend für den Erfolg einer App ist vor allem ihre Auffindbarkeit:  nur Apps, die bei der Suche im Store auf den ersten Plätzen erscheinen, werden von der Masse der User überhaupt wahrgenommen. Jürgens: "Sichtbarkeit ist hier bares Geld." Um im Ranking zu klettern, ist unter anderem eine sorgfältig überlegte Keyword-Strategie notwendig.

Daneben gibt es aber eine Vielzahl weitere Zahnrädchen, an denen sich drehen und optimieren lässt, weiß Jürgens. Den Studierenden zeigt er an einer ganzen Reihe von Kennzahlen und Erfolgsgrößen auf, wie wichtig Zahlen und Analysetools in seiner Branche sind, um fundierte, datenbasierte Entscheidungen zu treffen. "App-Marketing ist extrem zahlengetrieben", betont er. Wer im Mobile Marketing Karriere machen möchte, sollte mit Daten aus vielen unterschiedlichen Quellen zurechtkommen, vor allem aber sehr gute Excel-Kenntnisse mitbringen.

LITE Games ist mit insgesamt über 25 Millionen Downloads und vielen Top-Platzierungen in verschiedenen App-Stores einer der führenden Anbieter von Casual Games. Erfolgreichste App von LITE Games ist das kostenlose Kartenspiel Rommé, das über eine Million Mal heruntergeladen wurde.