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Olá Lisboa! Mein Auslandssemester in Portugal

Blick auf Lissabon und ihr Wahrzeichen, die Ponte 25 de Abril Foto:Lara Henschke

Uma decisão difícil – Eine schwierige Entscheidung
Die Liste unserer Partnerhochschulen ist lang. Wie soll man sich da nur entscheiden? Für mich stand fest: Ich möchte in Europa bleiben. Und in den Süden. Dann stolperte ich zu Beginn des Semesters über vier portugiesische Austauschstudenten, die nachts vor dem Wohnheim auf ihren Koffern saßen. Sie erreichten den Hausmeister nicht und konnten nicht in ihre Zimmer. Wir stellten ihre Sachen bei mir unter und gingen zusammen in den Irish Pub. Und während dem ein oder anderen Bier erzählten sie mir von Portugal. Von ihrer geliebten Stadt Lissabon, traumhaften Stränden, viel, viel Sonnenschein und der portugiesischen Herzlichkeit. „Geh nach Lissabon.“, sagten sie, „Du wirst die Stadt lieben.“ Meine Wahl stand fest. Und kurz darauf kam die Zusage. Olá Lisboa!

Lissabon – die Stadt der sieben Hügel Foto: Lara Henschke

Bem-vindo a Lisboa – Willkommen in Lissabon
Ich kann nur eines sagen: Ein hoch auf die Werbeliebe! Hatten mich meine Werber-Kontakte auch schon bei der Wohnungssuche für mein Praxissemester gerettet, war auch jetzt wieder auf sie Verlass. Über unsere „Werber helfen Werbern“-Gruppe holte ich mir von ehemaligen Erasmus-Studenten Rat zu Uni-Angelegenheiten und Wohnungssuche. Letztere erwies sich in Lissabon für Erasmus-Studenten nicht gerade als einfach. Studentenwohnheime gibt es kaum, Online-Plattformen sind nicht immer seriös. Viele Austauschstudenten kommen ohne Unterkunft nach Lissabon und suchen vor Ort. Ich buchte jedoch auf Empfehlung im Voraus ein Zimmer. In einer 9er-Erasmus-WG. Es klang nach dreckigem Geschirr und unangenehmen Mitbewohnern. Es war das Beste, das mir passieren konnte.
Die WG lag super zentral im Stadtteil Anjos – das bedeutet Engel. Und das waren meine acht Mitbewohner auch. Zusammengewürfelt aus allen Ecken der Welt wurden sie zu meinen besten Freunden und unsere WG-Küche zu meinem Lieblingsplatz der ganzen Stadt. Wir kochten, feierten, spielten zusammen, machten Ausflüge und Filmabende. Und saßen oft am Küchentisch und diskutierten über Gott und die Welt.

A Universidade – Die Universität
Meinen Aufenthalt in Lissabon begann ich mit einem Sprachkurs. Vokabeln und Grammatik waren nicht schwierig, doch die portugiesische Aussprache hat es in sich und blieb mir ein Rätsel. Schnell gab ich deshalb auf, zu schnell, wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke. Auch wenn man in Portugal und vor allem in Lissabon problemlos mit Englisch zurechtkommt: Wer die Sprache des Landes nicht spricht, dem bleiben viele Türen verschlossen.

Und dann ging es los, das Semester an der ISCTE-IUL: Gekümmert wurde sich gut um uns. Mein Buddy holte mich nicht nur vom Flughafen ab, sondern gab mir auch eine Führung an der Hochschule. Alle waren sehr freundlich und hilfsbereit. Die Willkommenswoche war etwas chaotisch, aber herzlich. Fast 400 Austauschstudenten wurden begrüßt, fünf davon aus Pforzheim. Ich belegte fünf Kurse, die ich mir auch in Pforzheim anrechnen lasse kann, und merkte schnell, hier zu studieren bedeutete vor allem eines: Gruppenarbeit, Gruppenarbeit und Gruppenarbeit. Und die kostete mich sehr viel Zeit und Nerven. Die Vorstellungen wie Hausarbeiten und Präsentationen auszusehen haben, gingen innerhalb der Gruppe oft weit auseinander. Und auch die Professoren nahmen es mit vielem nicht so genau. Das Lob des Professors zu einer unserer Präsentation blieb mir im Kopf: „A rigorous analysis, German style.“ Wenigstens hatte sich die Arbeit gelohnt.

Ich war ein wenig enttäuscht von meinen Vorlesungen. Das Niveau war teils sehr niedrig, die Professoren unvorbereitet, das Ziel der Veranstaltungen unklar. Häufig waren die Vorlesungen nur für internationale Studenten, Kontakt zu Einheimischen entstand leider kaum. Trotzdem fühlte ich mich wohl an der Hochschule und verbrachte viel Zeit dort, um an unseren Projekten zu arbeiten und mich auf die Klausuren vorzubereiten. Und gegen Ende des Semesters merkte ich, so übel waren die Gruppenarbeiten vielleicht gar nicht. Sie haben mir vor allem zwei Dinge gebracht: Mehr Übung mit meinem Englisch. Und Freunde aus der ganzen Welt. 

Strandtag im Surferparadies Praia da Bordeira Foto:Lara Henschke

A vida em Portugal – Das Leben in Portugal
In Lissabon selbst fühlte ich mich sehr schnell zuhause. Die Stadt ist bunt, lebendig und birgt unglaublich viel zu entdecken. Wir streiften viel zu Fuß durch Lissabon, durch die kleinen, verwinkelten Gassen, von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Auch das internationale Flair und die junge, kreative Startup-Szene gefielen mir. Ich nutzte die Chance, nahm an einem Coding-Workshop teil und holte mir Inspiration auf der Websummit, Europas größter Tech-Konferenz. Außerdem ist Lissabon eine Erasmus-Hochburg. Die Stadt lockt nicht nur unglaublich viele Studenten an ihre Universitäten, sie hat auch die perfekte Größe, um sich hin und wieder über den Weg zu laufen. Spätestens an der Erasmus Corner, einer Straßenecke im Bairro Alto, an der sich am Abend die Studenten versammeln, gemeinsam diskutieren und lachen, trifft man sich wieder.

Und dann ist da noch das Meer. Lissabon selbst liegt nicht, wie viele fälschlicherweise denken, am Meer. Man ist aber sehr schnell dort. Und die Küste um Lissabon ist perfekt um Surfen zu lernen, was auch fast alle Erasmus-Studenten tun – ich eher mäßig erfolgreich. Meer gibt es überhaupt sehr viel in diesem kleinen Land am Rande Europas. Und so erlebte ich die schönsten Momente des Semesters während unserer Roadtrips. Wir fuhren die Küste entlang bis es uns irgendwo gefiel. Schliefen unterm Sternenhimmel mit Meeresrauschen in den Ohren. Aber auch Porto gefiel mir sehr. Eine junge, hippe Stadt mit lebendiger Studentenszene. Und wir flogen auf die Azoren, Portugals immer grünes Paradies, das noch so wunderbar untouristisch ist.

Obrigada por tudo – Danke für alles
Die fünf Monate in Lissabon vergingen schnell, viel zu schnell. Ich verlies die Stadt mit wunderschönen Erinnerungen in meinem Kopf, neuen Freunden aus der ganzen Welt, einer Portion portugiesischer Gelassenheit und einem Vorrat an Sonnenschein, der mich hoffentlich durch den deutschen Winter bringt. Saudade nach dir Lisboa, bis ganz bald!

veröffentlicht von Lara Henschke, 6. Semester „Marketingkommunikation und Werbung“