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Im Gespräch mit ...

Florian Ludwig, Creative Director bei Kolle Rebbe in Hamburg

Bitte stellen Sie sich kurz vor:
Ahoi! Ich bin Flo Ludwig, Jahrgang 74, gebürtiger Crailsheimer. Ich war bis Ende 2001 Student an der FH Pforzheim und hab mich danach nach Wien verabschiedet, um meine ersten Jahre als Junior Texter und Texter abzuleisten. Von Wien ging’s 2006 weiter nach Hamburg, wo ich seither bei Kolle Rebbe arbeite. Anfangs als Senior Texter, heute als Creative Director und stellvertretender Unitleiter. Als gutes Beispiel für „hohe Fluktuation in Werbeagenturen“ kann ich damit schon mal nicht dienen.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Hochschule Pforzheim?
Also das Grundstudium schon mal nicht, haha. Das hab ich erfolgreich aus meinem Gedächtnis gelöscht. Mir fällt auch beim besten Willen kein guter Grund ein, warum ich mich an Wirtschaftsmathe, OR oder Statistik erinnern sollte. Alpträume vielleicht, aber das sind keine guten Gründe. Ich denke, die Sachen, an die mich am meisten erinnere, sind die, die sich abseits der Vorlesungssäle abgespielt haben. Die Praktika, die Startphase von Werbeliebe, die Mitarbeit bei MD, die Seminararbeit, die Zeit der Diplomarbeit – also alles, was einen engeren Bezug zur Praxis hatte. Das war top. Hinzu kommen natürlich viele lustige persönliche Erfahrungen, die man da so gemacht hat. Leute, mit denen man diese Zeit verbracht hat.

Gibt es eine Person, die in beeindruckender Weise Ihr Studium geprägt hat?
In der Endphase des Studiums war das sicher Robert Schützendorf. Der war damals GF bei Leonhardt & Kern in Stuttgart und hat an der FH Strategic Planning gelehrt. Ein im positiven Sinne eigenwilliger Typ. Ein liebenswerter Kautz, unfassbar schlau und extrem gebildet. Jemand, der einen immer gezwungen hat, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen. Ich konnte ihn damals als Mentor für meine Diplomarbeit gewinnen. Und er mich für diese Zeit als Freelance Junior Texter bei Leonhardt & Kern. Eine gute Symbiose, wenn man so will. Wobei ich davon sicher mehr profitiert habe als er. Ich hab Schützendorf nach dem Studium noch 2, 3 mal während meiner Wiener Zeit getroffen. Leider ist er 2015 verstorben.

Wenn Sie noch einmal studieren könnten, würden Sie wieder nach Pforzheim kommen?
Was die Qualität des Studiums und die Möglichkeiten drum herum angeht – auf jeden Fall. Aber ich hatte mich in den Jahren danach schon auch gefragt, ob ich mein Studium nicht auch in einer größeren und vielleicht inspirierenderen Stadt hätte machen können. Berlin, Hamburg, Köln – hätte man ja auch machen können. Aber hey, so wie’s war, war’s sehr gut. Und im Grunde gilt halt auch hier der alte FH Pforzheim-Grundsatz: Man kommt nicht wegen Pforzheim an die FH, sondern trotz Pforzheim. Also wenn man die Frage so formulieren würde, ob ich jungen Menschen die FH ans Herz legen kann: Ja, macht das ruhig. Ist gut da und man kann sich tatsächlich auf‘s Studium konzentrieren. Ins Berghain könnt ihr auch noch in den Semesterferien.

Waren Sie nach dem Studium der Marketingkommunikation gut auf die Praxis vorbereitet?
Denke, meine Situation war schon etwas speziell, weil ich ja in die Kreation gegangen bin. Aber ich hatte mein zweites Praxissemester im Text gemacht und mir danach noch ein weiteres, freiwilliges Text-Praktikum über die Semesterferien gegeben. Und – wie schon erwähnt – hab ich während meiner Diplomarbeit schon als Junior Texter gearbeitet. Von daher war ich für meine erste feste Anstellung nach dem Studium schon recht gut vorgeglüht. Außerdem hatte ich richtig Bock, was eigentlich das Allerwichtigste war. Trotzdem hat mir das Studium auch für meinen untypischen Weg eine Menge gebracht. Zum Beispiel ein doch recht universelles Verständnis der Zusammenhänge und Abläufe. Ich musste mir als Berufseinsteiger also nicht ständig von irgendwelchen Beratern irgendwelchen Unsinn erzählen lassen, haha.

Wenn Sie sich entscheiden müssen: Agentur oder Unternehmen?
Agentur. Hat natürlich wiederum stark mit meinem Weg in die Kreation zu tun. Eine Inhouse-Agentur wäre vielleicht auch noch eine Option. Aber so richtig im Unternehmen? So richtig auf Kundenseite? Ich? Ich mein, man soll niemals nie sagen, aber das kann ich mir momentan nicht vorstellen. Aber fragt mich einfach nach der nächsten 80 Stunden Woche oder einem verlorenen Pitch noch mal. Vermutlich erscheint es mir dann wieder ganz vernünftig.

Was würden Sie den angehenden Werberinnen und Werbern mit auf den Weg geben?
Probiert möglichst viel neben dem eigentlichen Studium aus. Praxis und Theorie sind doch gerne mal zwei Paar Stiefel. Vor allem hilft es euch, rauszufinden, was ihr wirklich wollt und was nicht. Ich wusste zu Beginn des Studium noch nicht, wo die Reise hingehen soll. Werbung, klar. Aber was genau? Kein Schimmer. Und wenn ihr wisst, was ihr wollt: sucht euch gute Lehrer, die euch weiterbringen. Wählt euren ersten Job nicht zwangsläufig nach dem höchsten Gehalt aus. Sucht lieber nach der größten Chance, etwas zu lernen. Ein inspirierendes Umfeld und vor allem Vorgesetzte, die was können und dementsprechend auch viel von euch fordern. Das mag dann zwar nicht immer der gemütlichste Weg sein, aber dafür hat man – wenn man seinen Teil dazu tut – eine enorm steile Lernkurve. Und ich finde, es gibt wenig, was einen mehr motiviert, als zu sehen, dass man sich verbessert.

 

Interview: Julia Jähnert