Absolventinnen und Absolventen über Ihr Studium in Pforzheim

Bitte stellen Sie sich kurz vor:
Mein Name ist Janine Ayadi und ich bin 32 Jahre alt.
Ich habe direkt nach meinem Abitur von 2003 bis 2007 an der Hochschule in Pforzheim Werbung (Fachrichtung Marketing und Kommunikation) studiert.
Nach der Diplomprüfung habe ich erst ein paar Monate als Praktikantin gearbeitet und bin dann für eine Festanstellung für zwei Jahre nach Karlsruhe gezogen.
Seit 2010 arbeite ich nun für meinen aktuellen Arbeitgeber KircherBurkhardt in Stuttgart.

Was bedeutet Networking für Sie?
Networking ist allgegenwärtig.
Sei es privat oder beruflich - soziale Kontakte sollte man pflegen und ausbauen.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Hochschule Pforzheim?
Ich habe ein Semester auf Bali studiert.
Dieser Aufenthalt hat mich zwar nicht beruflich weitergebracht, aber ich habe definitiv für das Leben gelernt.

Gibt es eine Person, die in beeindruckender Weise Ihr Studium geprägt hat?
Es gibt nicht die eine bestimmte Person, die mein Studium geprägt hat.
Ich glaube es war eher das Zusammenspiel von Professoren/innen und Kommilitonen/innen.

Wenn Sie noch einmal studieren könnten, würden Sie wieder nach Pforzheim kommen?

Natürlich, die Hochschule Pforzheim genießt einen sehr guten Ruf.
Das Wichtigste ist doch einen guten Einstieg in die Arbeitswelt zu erhalten und das bietet die Hochschule Pforzheim.

Waren Sie nach dem Studium der Marketingkommunikation gut auf die Praxis vorbereitet?
Ich habe noch das Diplom an der Hochschule absolviert und hatte somit zwei Praxissemester sowie ein Praxisseminar. Deswegen fand ich mich gut auf den Berufsstart vorbereitet.
Ich denke aber trotzdem, dass für fast jeden der Start in das Berufsleben wie ein Sprung ins kalte Wasser ist.

Was würden Sie den angehenden Werberinnen und Werbern mit auf den Weg geben?

Ich finde man sollte unbedingt ein Auslandssemester einbauen.
Und auf keinen Fall am Anfang des Studiums an den Fächern Steuern und Kosten- und Leistungsrechnung verzweifeln ;-).

 

Interview und Foto von Marija Madunic

Florian Ludwig, Creative Director

Bitte stellen Sie sich kurz vor:
Ahoi! Ich bin Flo Ludwig, Jahrgang 74, gebürtiger Crailsheimer. Ich war bis Ende 2001 Student an der FH Pforzheim und hab mich danach nach Wien verabschiedet, um meine ersten Jahre als Junior Texter und Texter abzuleisten. Von Wien ging’s 2006 weiter nach Hamburg, wo ich seither bei Kolle Rebbe arbeite. Anfangs als Senior Texter, heute als Creative Director und stellvertretender Unitleiter. Als gutes Beispiel für „hohe Fluktuation in Werbeagenturen“ kann ich damit schon mal nicht dienen.

 


Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Hochschule Pforzheim?
Also das Grundstudium schon mal nicht, haha. Das hab ich erfolgreich aus meinem Gedächtnis gelöscht. Mir fällt auch beim besten Willen kein guter Grund ein, warum ich mich an Wirtschaftsmathe, OR oder Statistik erinnern sollte. Alpträume vielleicht, aber das sind keine guten Gründe. Ich denke, die Sachen, an die mich am meisten erinnere, sind die, die sich abseits der Vorlesungssäle abgespielt haben. Die Praktika, die Startphase von Werbeliebe, die Mitarbeit bei MD, die Seminararbeit, die Zeit der Diplomarbeit – also alles, was einen engeren Bezug zur Praxis hatte. Das war top. Hinzu kommen natürlich viele lustige persönliche Erfahrungen, die man da so gemacht hat. Leute, mit denen man diese Zeit verbracht hat.

Gibt es eine Person, die in beeindruckender Weise Ihr Studium geprägt hat?
In der Endphase des Studiums war das sicher Robert Schützendorf. Der war damals GF bei Leonhardt & Kern in Stuttgart und hat an der FH Strategic Planning gelehrt. Ein im positiven Sinne eigenwilliger Typ. Ein liebenswerter Kautz, unfassbar schlau und extrem gebildet. Jemand, der einen immer gezwungen hat, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen. Ich konnte ihn damals als Mentor für meine Diplomarbeit gewinnen. Und er mich für diese Zeit als Freelance Junior Texter bei Leonhardt & Kern. Eine gute Symbiose, wenn man so will. Wobei ich davon sicher mehr profitiert habe als er. Ich hab Schützendorf nach dem Studium noch 2, 3 mal während meiner Wiener Zeit getroffen. Leider ist er 2015 verstorben.

Wenn Sie noch einmal studieren könnten, würden Sie wieder nach Pforzheim kommen?
Was die Qualität des Studiums und die Möglichkeiten drum herum angeht – auf jeden Fall. Aber ich hatte mich in den Jahren danach schon auch gefragt, ob ich mein Studium nicht auch in einer größeren und vielleicht inspirierenderen Stadt hätte machen können. Berlin, Hamburg, Köln – hätte man ja auch machen können. Aber hey, so wie’s war, war’s sehr gut. Und im Grunde gilt halt auch hier der alte FH Pforzheim-Grundsatz: Man kommt nicht wegen Pforzheim an die FH, sondern trotz Pforzheim. Also wenn man die Frage so formulieren würde, ob ich jungen Menschen die FH ans Herz legen kann: Ja, macht das ruhig. Ist gut da und man kann sich tatsächlich auf‘s Studium konzentrieren. Ins Berghain könnt ihr auch noch in den Semesterferien.

Waren Sie nach dem Studium der Marketingkommunikation gut auf die Praxis vorbereitet?
Denke, meine Situation war schon etwas speziell, weil ich ja in die Kreation gegangen bin. Aber ich hatte mein zweites Praxissemester im Text gemacht und mir danach noch ein weiteres, freiwilliges Text-Praktikum über die Semesterferien gegeben. Und – wie schon erwähnt – hab ich während meiner Diplomarbeit schon als Junior Texter gearbeitet. Von daher war ich für meine erste feste Anstellung nach dem Studium schon recht gut vorgeglüht. Außerdem hatte ich richtig Bock, was eigentlich das Allerwichtigste war. Trotzdem hat mir das Studium auch für meinen untypischen Weg eine Menge gebracht. Zum Beispiel ein doch recht universelles Verständnis der Zusammenhänge und Abläufe. Ich musste mir als Berufseinsteiger also nicht ständig von irgendwelchen Beratern irgendwelchen Unsinn erzählen lassen, haha.

Wenn Sie sich entscheiden müssen: Agentur oder Unternehmen?
Agentur. Hat natürlich wiederum stark mit meinem Weg in die Kreation zu tun. Eine Inhouse-Agentur wäre vielleicht auch noch eine Option. Aber so richtig im Unternehmen? So richtig auf Kundenseite? Ich? Ich mein, man soll niemals nie sagen, aber das kann ich mir momentan nicht vorstellen. Aber fragt mich einfach nach der nächsten 80 Stunden Woche oder einem verlorenen Pitch noch mal. Vermutlich erscheint es mir dann wieder ganz vernünftig.

Was würden Sie den angehenden Werberinnen und Werbern mit auf den Weg geben?
Probiert möglichst viel neben dem eigentlichen Studium aus. Praxis und Theorie sind doch gerne mal zwei Paar Stiefel. Vor allem hilft es euch, rauszufinden, was ihr wirklich wollt und was nicht. Ich wusste zu Beginn des Studium noch nicht, wo die Reise hingehen soll. Werbung, klar. Aber was genau? Kein Schimmer. Und wenn ihr wisst, was ihr wollt: sucht euch gute Lehrer, die euch weiterbringen. Wählt euren ersten Job nicht zwangsläufig nach dem höchsten Gehalt aus. Sucht lieber nach der größten Chance, etwas zu lernen. Ein inspirierendes Umfeld und vor allem Vorgesetzte, die was können und dementsprechend auch viel von euch fordern. Das mag dann zwar nicht immer der gemütlichste Weg sein, aber dafür hat man – wenn man seinen Teil dazu tut – eine enorm steile Lernkurve. Und ich finde, es gibt wenig, was einen mehr motiviert, als zu sehen, dass man sich verbessert.

 

Interview: Julia Jähnert 

Tim Gutekunst

Bitte stellen Sie sich kurz vor:
Tim Gutekunst, Director CreativeStrategy. Bereits während dem Studium in Pforzheim habe ich bei Jung von Matt meine Leidenschaft für die Verbindung von Strategie und Kreativität in der Werbung entdecken dürfen. Zwei Jahre später wagte ich den Sprung in die Dreidimensionalität, um bei LIGANOVA ganz neue Konzepte im Raum zu entwickeln. Seit 2019 leite ich die neu gegründete Tochterfirma LIGA2037. Dort entwickeln wir Marketing-Innovationen, die die nächsten zwanzig Jahre maßgeblich prägen werden.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Hochschule Pforzheim?
Skurrile Eselsbrücken beim Auswendiglernen, die strahlende Sonne über den Wäldern, A-cappella im Aufzug und der kaputte Basketballplatz.

Gibt es eine Person, die in beeindruckender Weise Ihr Studium geprägt hat?
Prof. Dr. Saldsieder, weil er meine anfänglichen Zweifel an trockenen, theoretischen Theorien genommen hat. Seine authentische Übersetzung in die Praxis hat mich nachhaltig motiviert und mir verdeutlicht, dass BWL auch anders geht.

Wenn Sie noch einmal studieren könnten, würden Sie wieder nach Pforzheim kommen?

100% und deshalb bin ich jetzt wieder dort. Nur in einer anderen Rolle, als Dozent im Kurs „Aktuelle Fragen der Marketingkommunikation“.

Waren Sie nach dem Studium der Marketingkommunikation gut auf die Praxis vorbereitet?
Das Studium im Pforzheim ist ein klarer Wettbewerbsvorteil im Job. Die Symbiose aus betriebswirtschaftlichen Denkweisen und Skills der Marketingkommunikation befähigt die Absolventen Business Probleme zu lösen, anstatt Kommunikation zum Selbstzweck zu erschaffen.

Wenn Sie sich entscheiden müssen: Agentur oder Unternehmen?

Dieses Entweder-oder gibt es heute aus meiner Sicht nicht mehr. Beide Seiten haben sich längst angeglichen. Unternehmen schauen sich neue Arbeitsmethoden ab – Agenturen schaffen neue Rahmenbedingungen. Bei Agenturen denkt man schnell an klassische Werbeagenturen, aber da gibt es längst auch andere spannende Konstrukte. Am Ende bleibt die Entscheidung, wie stark man sich spezialisieren will: Eine Industrie grundlegend verstehen oder die Mechanismen und Zusammenhänge vieler Branchen kennenlernen. Ich wollte Zweiteres und entscheide mich jeden Tag wieder dafür.

Was würden Sie den angehenden Werberinnen und Werbern mit auf den Weg geben?
Erstens, fragt euch immer an welchem Tisch ihr sitzen wollt. Zusammen mit den Besten kann man alles erreichen. Zweitens, seid mutig und erschafft euren Traumjob – werdet euch klar was ihr nicht wollt und kommuniziert das.

Heiko Notter

Bitte stellen Sie sich kurz vor:
Moin, wie man in Hamburg sagt! Denn „Moin Moin“ gilt hier ja schon als Gesabbel.
Also mach’ ich’s kurz: Heiko Notter, Studium der Marketing-Kommunikation bis 2005.
Seitdem als Kreativer in diversen Hamburger Agenturen unterwegs: Philipp und Keuntje, Grabarz & Partner, Jung von Matt, Kolle Rebbe. Aktuell als Creative Director für Kunden tätig wie Lufthansa, PiCK UP!, HypoVereinsbank und Tesa international.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Hochschule Pforzheim?
Offizielle Antwort: Die Arbeit bei „Das Format“, der studentischen Film-Produktion an der Hochschule, die ich damals leiten durfte. Inoffizielle Antwort: Die heimliche Freude darüber, in der Mensa immer die größte Portion bekommen zu haben. Zumindest in der Wahrnehmung meiner Kommilitonen. Gell, Jörg?!

Gibt es eine Person, die in beeindruckender Weise Ihr Studium geprägt hat?
Frau Prof. Dr. Elke Theobald und Frau Prof. Dr. Brigitte Gaiser, die mit ihrem außerordentlichen Engagement den Unterschied zwischen einfachem Studium-Abhaken und persönlichem Vorankommen ausmachten.

Wenn Sie noch einmal studieren könnten, würden Sie wieder nach Pforzheim kommen?
Wegen Pforzheim (der Stadt) nicht. Wegen des Studiums: ja.

Waren Sie nach dem Studium der Marketingkommunikation gut auf die Praxis vorbereitet?
Absolut. Vor allem auch dank der Praxis-Semester.

Wenn Sie sich entscheiden müssen: Agentur oder Unternehmen?
Ich würde mittlerweile wohl eher in ein Unternehmen gehen. Denn anders als nach dem Ende meines Studiums werden die wirklich spannenden (auch kreativen) Entscheidungen immer mehr in den Unternehmen direkt getroffen und umgesetzt. Die Agenturen haben in den letzten Jahren (auch selbst verschuldet) immer mehr den Status als Vordenker und Partner auf Augenhöhe eingebüßt. Gleichzeitig fehlt es den Unternehmen intern noch immer an kompetenten (kreativ geschulten) Kommunikations-Profis. Da sehe ich viele spannende Möglichkeiten für die nahe Zukunft.

Was würden Sie den angehenden Werberinnen und Werbern mit auf den Weg geben?

Lasst euch nichts von schweren Zeiten erzählen. Lasst euch nicht vom derzeit grassierenden Branchenpessimismus anstecken. Nie waren die Zeiten spannender. Nie waren die Möglichkeiten vielfältiger. Nutzt sie. Nutzt euer an der Hochschule erworbenes Wissen. Pflegt es. Baut es aus. Und vergesst dabei den guten, alten, gesunden Menschenverstand nicht.

 

Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch und freuen uns sehr, dass wir Heiko Notter für einen Vortrag im Mai bei unserer Hamburg Exkursion gewinnen konnten. 

 

Interview: Julia Jähnert