Erfahrungsberichte

6:45   Oh Gott der Wecker klingelt

Mein Tag beginnt meistens mit dem Geräusch meines Handy–Weckers. Ist ja eigentlich auch viel zu früh um aufzustehen, aber wir haben ja auch nicht jeden Tag um 8 Uhr Vorlesung. Mein Zimmer in einer WG in der Innenstadt hat den Vorteil, dass man nie alleine zum Bus läuft und falls doch spätestens im Bus alle Freunde Und Kommilitonen trifft. Auf dem Weg zur Hochschule ist dann Zeit, um den Tag zu planen und eventuelle Ereignisse vom letzten Abend Revue passieren zu lassen. Ein kurzer Check, ob auch jeder das neuste Skript schon ausgedruckt hat oder wann die nächste Party steigt, ist eigentlich immer Teil des morgendlichen Programms.

Jessica Martini, BEL-Studentin

8:00   Und los geht’s

Manche holen sich vor der Vorlesung noch einen Kaffee oder was zum Frühstück in der Cafeteria. Dann stehen erstmal 90 Minuten Konzentration für das Fach Logistikfunktionen- und systeme an. Die meisten Leute machen sich während der Vorlesung einen eigenen Mitschrieb oder ergänzen das Skript mit Notizen. Das hilft später beim Lernen für die Klausur oder mögliche Fallstudien, die zu bearbeiten sind. Hier habe ich mir zum Beispiel eben vermerkt, wie die Maße einer Europalette sind und das 32 Europaletten in einen LKW passen. Auch wichtig, welche Verkehrsträger gibt es denn überhaupt? Schiff, Flugzeug, Zug, LKWs....

9:45   Projektarbeit

Da eine Vorlesung ausfällt, verabrede ich mich spontan mit meiner Seminargruppe in der Bibliothek, um schon einmal an unserem Projekt für das Fach Methoden der Logistik- und Produktionsplanung weiter zu arbeiten, weil wir in 2 Wochen unsere Modellierung und die Hausarbeit abgeben müssen. Da wir uns selbst aussuchen konnten, was wir modellieren, haben wir uns für ein Skigebiet entschieden. Hier geht es darum, Stoßzeiten und Engpässe in einem Skigebiet zu simulieren und zu analysieren.

13:00   HUNGER! - Endlich Mittagspause

Um 13 Uhr strömen alle Studenten inklusive mir hungrig in die Mensa. Bereits vorher hab ich mich mit der APP der Hochschule über das Mittagsmenü informiert, kann aber auch nochmal am Wochenplan im Eingang schauen, was heute im Angebot ist. Es gibt meistens alles, was das Herz begehrt, vom veganen Gericht bis hin zum Wok. Man hat die Qual der Wahl, auch was den Preis angeht- da ist auch für jeden was dabei.

13:45 Logistisches Prozessmanagement

Hier werden in Kleingruppen, so 6-8 Personen, verschiedene logistische Prozessmethoden erarbeitet. Jede Gruppe hat die Aufgabe, einen Trainerleitfaden zu erstellen und das Ganze mit einem Prozessbeispiel zu untermauern und zu präsentieren. Aber zunächst stehen der Theorieteil und das Brainstorming für ein geeignetes Beispiel an. Da man in dem Fach zu Beginn des Semesters den ganzen Theoriepart behandelt, um dann den Rest des Semesters in der Gruppe arbeiten zu können, finden Doppelstunden statt. In der Viertelstunde bis zur nächsten Vorlesung hole ich mir gerne einen Kaffee oder etwas Nervennahrung aus der Cafeteria. Dann noch schnell meine E-Mails checken und weiter geht’s. Es macht richtig Spaß, in kleinen Teams seine Ideen einzubringen und diese auch noch umzusetzen.

17:00   Karriereplanung

Ich hatte mir an der „Studiengangs- Pinnwand“ ein paar Praktikumsstellen angeschaut, für die ich mich interessiere. Nach Rücksprache mit den Profs sind da auch echt gute Firmen dabei, wo man richtig was lernen kann. Ich finds prima, dass sie einem immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, egal um was es geht. So, jetzt bin ich fertig für heute – zumindest was die Hochschule angeht. Ich treff' mich später mit meinen Freunden in der Stadt und werde den Abend in einer der Studentenkneipen bei „Karaoke“ oder gegen später in den Discos ausklingen lassen.

Im Studium an der Hochschule Pforzheim steht auch ein Praxissemester auf dem Plan. Nach vier Semestern mit Vorlesungen und Seminaren ist die Praxisphase im fünften eine willkommene Abwechslung, denn nun hat man die Gelegenheit, die „echte“ Berufswelt da draußen kennen zu lernen.

Der Vorteil: Man kann sein Engagement nun auf praktische Aufgabenstellungen richten und steht dabei noch nicht unter dem vollen Druck eines direkten Berufseinstiegs. Allein schon die Bewerbungsphase bietet sich an, um Erfahrungen über die Einstellungsprozesse der verschiedenen Unternehmen zu gewinnen und Bewerbungsgespräche zu trainieren.

Dennis Zahm, BEL-Student

In meinem Fall habe ich mich für BMW als Praktikumsunternehmen entschieden. Am größten Produktionsstandort des Automobil-Giganten in Dingolfing (Niederbayern) war ich als Praktikant in der Logistik, genauer in der Materialsteuerung, tätig.

Die Materialsteuerung verantwortet die Materialplanung, Material- und Ersatzsteuerung sowie die Bestandsanalytik. Zentrale Aufgaben sind die Sicherstellung und Aufrechterhaltung der Teileversorgung nachfolgender Prozesspartner sowie der Kunden, welche hauptsächlich von BMW-Fahrzeugwerken, der internen Fertigung sowie dem Motorsport dargestellt werden.

Das Umschalten vom Besuch von Vorlesungen auf betriebliche Arbeit fiel mir anfangs nicht leicht, dazu in einer neuen Umgebung mit nicht vertrauten Aufgaben und meist ebenso unbekannten Ansprechpartnern und Hierarchien. Doch gerade diese fordernde Situation weckte Ehrgeiz und schon bald war es so, als hätte ich nichts Anderes gemacht. Mit der Zeit lernte ich immer mehr Leute und ihre Positionen kennen und baute mir ein internes Netzwerk auf, wodurch ich ein immer genaueres und umfassenderes Bild der verschiedenen Zusammenhänge, Interessen und auch Konflikte zwischen den verschiedenen Funktionen bekam. Auch mit dem eigenen Tagesgeschäft konnte ich mich mehr und mehr identifizieren und typische Problemstellungen (Paradebeispiel: Servicegrad vs. Kostenziele) und auch den Druck in einer logistischen Umgebung hautnah miterleben. Vorteile bei gelegentlichen Erledigungsfahrten mit den verschiedensten hauseigenen Produkten eingeschlossen.

Mit der Zeit kamen auch immer verantwortungsvollere Aufgaben, so dass ich als fester Bestandteil in verschiedenen Projekt-Teams involviert war und auch eigene Projekte selbstständig betreuen durfte. Das war nicht nur spannend, sondern bedeutete auch viel Eigeninitiative und Verantwortung sowie das Sammeln von Erfahrungswerten in Sachen Projektmanagement.

Des Weiteren war ich durch verschiedenste Kontakte auch in abteilungsferne Projekte eingebunden, u.a. in Themen der Arbeitssicherheit. Dort habe ich selbstständig Gefahrenanalysen und ähnliches durchgeführt und letztendlich nebenher auch als Hauptakteur im eigens gedrehten Werks-Sicherheitsfilm mitgewirkt – wer bei der nächsten Werksführung im Dingolfinger Komponentenwerk dabei ist, kommt also auch in den Genuss meine schauspielerischen Fähigkeiten bewundern zu können (oder zu müssen?).

Letztendlich habe ich in meiner Praktikumszeit nicht nur viel über die theoretischen Inhalte des Studiums in der Praxis erfahren, sondern auch weit darüber hinaus in die unterschiedlichsten Themengebiete Einblick erhalten können - genau wie über das Berufsleben an sich, etwa was den Umgang mit den jeweiligen Positionen und externen Prozesspartnern angeht.

Neben der fachlichen Weiterentwicklung hat zudem auch eine persönliche stattgefunden, da ich viele nette Kollegen kennengelernt habe und die eigenen Herangehensweise an Probleme nun eine ganz andere ist (außerdem kenne ich jetzt sämtliche bayrischen Biersorten).

Eigeninitiative, Engagement und Identifikation mit dem Praktikumsunternehmen stellen für mich zentrale Kriterien für ein erfolgreiches Praktikum und erst recht für den später erfolgenden Berufseinstieg dar, weswegen ich die Praxisphase als wichtigen Bestandteil meines Studiums und der beruflichen Zukunft sehe.

Es gibt viele gute Gründe, Einkauf und Logistik an der Hochschule Pforzheim zu studieren. Für mich war die starke Verknüpfung zur Praxis mit realen Unternehmen besonders wichtig. Bei Einkauf und Logistik kommen nicht nur Dozenten aus der Wirtschaft, um Einblicke in aktuelle Themen zu geben. Die Studenten selbst gehen über das Praxissemester hinaus in Unternehmen, um an echten Problem zu arbeiten. Dies findet im 6. Semester in Form eines Unternehmensprojektes statt. Dafür wenden sich Unternehmen an die Hochschule, um gemeinsame Projekte mit den Studenten und Professoren durchzuführen. Bei diesem Projekt kommt das ganze Wissen zum Einsatz, das man sich bis dahin während dem Studium angeeignet hat.

Julian Gabel, BEL-Student

Nachdem sich für jedes Projekt eine Gruppe gebildet hat, findet gemeinsam mit dem Unternehmen der Kick-Off statt. Dort wird das Problem durch die Verantwortlichen des Unternehmens vorgestellt und man bekommt eine genauere Vorstellung davon, was die Ansprüche und Erwartungen an das Projekt sind. Danach beginnt die Gruppe selbstständig zu arbeiten. Man muss Aufgaben verteilen, Zeit einteilen, Themen recherchieren und sich immer wieder in der Gruppe treffen, um Ergebnisse zu besprechen. Hinzu kommt, dass man sich auch immer wieder mit dem Unternehmen und dem betreuenden Professor abstimmen und ihnen wichtige Zwischenergebnisse mitteilen muss. Am Ende des Projektes findet eine Abschlusspräsentation statt, bei der die Ergebnisse vorgestellt werden.

Ich hatte gemeinsam mit Kommilitonen ein besonders spannendes Projekt bei einem deutschen Industrieunternehmen. Dort stand eine Umstellung des Kommissionierprinzips an, von Person-zur-Ware auf Ware-zur-Person. Veränderungen wie diese finden häufig in Unternehmen statt und werden im Hinblick auf die Industrie 4.0 auch in Zukunft nicht weniger werden. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass solche Vorhaben scheitern. Dem Unternehmen war es ein großes Anliegen, möglichst alle Mitarbeiter vom Wandel und dessen Notwendigkeit zu überzeugen, um so die Einführung des neuen Prinzips erfolgreich durchführen zu können. Die Aufgabe für mich und meine Gruppe war es deshalb, ein bedarfsgerechtes Kommunikationsmodell zu erstellen. Damit sollte den Mitarbeitern die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt zugänglich gemacht werden. Die Mitarbeiter sollten nicht plötzlich im neuen System arbeiten müssen und überfordert sein. Genau so wenig sollte es zu Widerständen kommen, welche als sehr große Gefahr für den Erfolg einer solchen Veränderung gelten.

Um ein bedarfsgerechtes Kommunikationsmodell zu erstellen, haben wir zunächst eine Bestandsaufnahme durchgeführt. Durch Gespräche mit einigen Mitarbeitern des Lagers haben wir ein Gefühl dafür bekommen, was die Sorgen, Ängste und Hoffnungen der Mitarbeiter in Bezug auf den Wandel sind. Wir konnten so auch herausfinden, welche Aspekte des Projektes den Mitarbeitern besonders wichtig sind. Mit diesen Informationen konnten wir dann in enger Abstimmung mit der Projektleitung ein Kommunikationsmodell bilden, das speziell auf dieses Projekt in diesem Unternehmen ausgerichtet war.

Die Durchführung der Kommunikation fand leider erst nach der Abschlusspräsentation statt. Ich weiß aber, dass die Umstellung sehr erfolgreich verlief und das Unternehmen in zukünftigen Projekten möglicherweise Kommunikationsmaßnahmen für andere Projekte übernehmen wird.

Als ich mich vor vier Jahren für die Hochschule Pforzheim entschieden habe, hat das Auslandssemester bereits eine wichtige Rolle gespielt. Die Auswahl aus mehr als 100 Partneruniversitäten in rund 50 Ländern hat mir gezeigt, dass Auslandssemester seitens der HS Pforzheim erwünscht sind und unterstützt werden. Im Wintersemester 2014/15 habe ich dann tatsächlich ein Auslandssemester an der Hong Kong Baptist University in Hongkong absolviert. Da diese Universität mein erster Wunsch war, habe ich mich nach der Zusage sehr gefreut, hatte aber natürlich auch entsprechende Erwartungen an meine Zeit in Hongkong.

Annika Hassenjürgen, BEL-Studentin

Die Vorbereitungen für mein Auslandssemester liefen alle problemlos ab. Durch mehrere Informationsveranstaltungen und Handbücher der HS Pforzheim war jederzeit klar, wann und wie ich mich für ein Auslandssemester bewerben muss. Nachdem ich der Hong Kong Baptist University zugeteilt wurde, nominierte mich meine Hochschule einige Zeit später für das BW-Stipendium. Dieser Bewerbungsprozess lief ebenso reibungslos und einfach ab und einige Zeit später erhielt ich auch für das Stipendium eine Bestätigung. Nun konnten die privaten Vorbereitungen losgehen. Ich habe mich im Internet und in Reiseführern ausführlich über das Gastland informiert, Adapter besorgt und natürlich einen Flug gebucht. Zum Glück erhielt man auch von der Gastuniversität einige Unterstützung. So konnte man sich beispielsweise sehr einfach für einen Wohnheimplatz auf dem Campus anmelden und hat solch einen Platz sogar garantiert bekommen. Außerdem hat die Hong Kong Baptist University für mich das Visum beantragt sowie ein Handbuch und einige weitere Informationen verschickt, sodass ich bereits vor Abflug perfekt auf das Auslandssemester vorbereitet war.

In den ersten drei Tagen zu Beginn des Semesters gab es eine Orientierungswoche für alle Austauschstudenten. Im Rahmen dessen habe ich viele Informationen zur Universität (Bibliothek, E-Mail System etc.) und zu Hongkong allgemein erhalten. Außerdem wurde man in Gruppen von „Buddies“ über den Campus geführt und hat die wichtigsten Dinge gezeigt bekommen. Ein kompletter Tag wurde für Sightseeing genutzt und war sehr lohnenswert. Die Gastuniversität hat diese drei Tage wirklich sehr gut geplant und auch großzügig leckeres, lokales Essen ausgegeben. Im Laufe des Semesters hat die Universität weitere Aktionen für Austauschstudenten angeboten. So gab es beispielsweise einmal im Monat das „Global Café“, in welchem man gemeinsam chinesische Dumplings gekocht hat oder Laternen für das Moon Festival gebastelt hat. Ein weiteres Highlight war das International Festival, wobei jedes Land an einem Stand sein eigenes Land präsentiert hat. Hierfür wurde ein Budget zur Verfügung gestellt, von dem landestypisches Essen o.ä. gekauft werden konnte. Des Weiteren haben einige Studenten kulturelle Tänze oder Musik vorgeführt, Rätsel gestellt und Informationen zum Land gegeben.

Neben den Vorlesungen meiner vier Kurse, die man zu Beginn recht problemlos wählen konnte, hatte ich ziemlich viel Freizeit in Hongkong. Diese habe ich selbstverständlich genutzt, um die lokale Kultur, die Stadt und die Natur der Region kennenzulernen. Ich bin sehr begeistert von der Vielfältigkeit, die Hongkong zu bieten hat. Neben den Vorzügen einer Großstadt hat Hongkong ebenso alte Kolonialbauten, lokale Märkte und wunderschöne Natur zu bieten. Letzteres hat mir dabei am besten gefallen und am Stärksten beeindruckt, da man solch tolle Landschaften grundsätzlich nicht von einer Großstadt wie Hongkong erwartet. Ich war beispielsweise öfters in Sai Kung wakeboarden, regelmäßig an verschiedenen Stränden, in Macau, beim Giant Buddha und anderen Tempeln oder auf einer der vorliegenden Inseln. Aufgrund einiger Feiertage blieb sogar Zeit, einen zehntägigen Urlaub in Indonesien zu verbringen.

Das Leben auf dem Campus selbst war ebenfalls sehr zufriedenstellend. Es war durchaus eine lohnenswerte Erfahrung, für ein halbes Jahr mit einer zu Beginn fremden Person ein kleines Zimmer zu teilen. Meiner Meinung nach hatte ich wirklich Glück, da ich mich sehr gut mit meiner australischen Mitbewohnerin verstanden habe. Vor allem war es einfach praktisch, für sehr wenig Geld direkt auf dem Campus wohnen zu können. Mein größtes Hindernis in Hong Kong war das Essen. In China und Hongkong ist das Essen nicht vergleichbar mit „chinesischen“ Restaurants in Deutschland. Man darf nicht zu sehr von Knochen, Haut und Blut im Essen angeekelt sein, wenn man in ein lokales Restaurant gehen möchte. Die Kantinen haben mich ebenso wenig überzeugt, sodass ich während meines Aufenthalts ungewöhnlich viel Fast Food gegessen habe. Jedoch habe ich mit anderen zusammen auch viel selbst gekocht, da auf jeder Etage der Undergraduate Halls eine kleine Küchenzeile (unterschiedlich gut ausgestattet) vorhanden war. Grundsätzlich ist die Kultur etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man zuvor noch nie in Asien war. Nichtsdestotrotz denke ich, dass Hongkong der perfekte Einstieg ist, um Asien kennenzulernen, da in der Vergangenheit sehr viele westliche Einflüsse auf die Stadt gewirkt haben.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieses Auslandssemester die richtige Entscheidung war und ich jedem weiterempfehlen kann, an einem solchen Programm teilzunehmen. Hongkong ist eine sehr abwechslungsreiche und unglaublich interessante Stadt, in der ein Semester nur so verfliegt.