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Logistikstudent erfindet Anschlusseinrichtung

Denis Jesser, Student im Bachelorstudiengang Einkauf und Logistik, konnte zusammen mit weiteren Kollegen eine im Praxissemester entwickelte Idee im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit zur Patentanmeldung bei der Daimler AG in Sindelfingen bringen. Unter der Patentnum­mer DE102018009265.9 ist Denis Jesser neben weiteren sechs Personen als Erfinder der „Anschlussvorrichtung zum Anbringen an einem Endrohr an einer Abgasanlage“ aufgeführt.

Die Idee zu dieser Anschlussvorrichtung kam Denis Jesser beim Besuch im Emissionslabor der Daimler AG in Untertürkheim während seines Pflichtpraktikums im Wintersemester 2017/18. Zusammen mit seinem Betreuer Fabian Lehnen entstand der Plan, sich die Fahrzeugadaption einmal näher anzuschauen. Das Forschungsobjekt der beiden kann im Prüflabor von Automobilherstellern zum Einsatz kommen, wo die Abgaswerte neuer Fahrzeugmo­delle vor der Marktzulassung gemessen werden: Die Anschlussvorrichtung verbindet das Auspuffrohr eines Prüffahrzeugs mit dem Emissionsmessgerät und stellt hierbei einen verlust­freien Transfer der Abgase vom Fahrzeug zum Messgerät sicher.

Ziel des Entwicklerteams: eine möglichst platzsparende, praktikable Lösung

Alle Fahrzeuge müssen sich für die Typengenehmigung einem EU-weit einheitlichen Vorgehen für die Emissionsmessung unterziehen. In den Prüflaboren der Daimler AG in Sindelfingen und Untertürkheim werden jährlich mehrere tausend dieser Messungen durchgeführt. Diesen Prozess hinsichtlich Zeit und Kosten effizienter zu gestalten, jedoch gleichzeitig die Qualität des Endergebnisses zu steigern, ist ein Ziel der Daimler AG, dessen Thematik sich Denis Jesser und Fabian Lehnen angenommen haben. Die entwickelte Anschlussvorrichtung ist daher durch das KISS-Prinzip (Keep it simple, stupid) geprägt und stellte das Entwicklerteam vor die Herausforderung, eine möglichst praktikable Lösung angesichts stark begrenzten Montageplatzes, thermischer Einflüsse, sehr unterschiedlich aufgebauter Auspuffrohrtypen und Endrohrgeometrien sowie einer hoch getakteten Auslastung der Labore zu finden. Zudem hatte Denis Jesser den Anspruch, einen zukunftsorientierten Prototyp zu konzipieren, der auf lange Sicht auch für kommende Baureihen der Daimler AG verwendet werden kann.

Konzeption und Bau des Protoyps: Projekte mit dem Studien­gang Einkauf und Logistik

Nach der Analyse der technischen Aspekte des Messprozesses machten sich Denis Jesser und Fabian Lehnen in ihrer Freizeit daran, erste Konzepte auszuarbeiten. Am Ende des Praktikums wurden diese Untersuchungen in einem Projekt zusammen mit dem Studiengang Einkauf und Logistik und in Zusammenarbeit mit Professor Reinhard Schottmüller weitergeführt. Unter der Leitung von Denis Jesser erfolgte anschließend die technische Umsetzung der studentischen Projektarbeit. CAD-Zeichnungen der konzipierten Anschlussvorrichtung wurden erstellt und im Kleinmaschinenpark der Daimler AG entstand in der Inhouse-Fertigung der erste Prototyp. Die Fertigstellung der Adaption erfolgte eine Woche nach Projektende.

„Bei der Entwicklung der Anschlussvorrichtung dachte ich unzählige Male, den richtigen Weg gegangen zu sein - bis neue Erkenntnisse, Gesetzesänderungen oder schlichtweg die Physik mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten, wodurch sich immer wieder Schleifen ergeben haben“, so Jesser. Die interne und externe Kommunikation mit über 100 Ansprech­partnern in drei Werken der Daimler AG sowie zahlreichen externen Dienstleistern für CNC-Fertigung und Materiallieferanten stellte eine weitere Herausforderung im Entwicklungspro­zess dar.

In einem weiteren Projekt zusammen mit dem Studiengang Einkauf und Logistik wurden im Anschluss die betriebswirtschaftlichen Aspekte untersucht und Recherchen nach Alternativ­material für die aktuellen Adaptionen vorangetrieben. Im Rahmen einer Werkstudenten­tätig­keit betreute Denis Jesser auch diese Thematik, um letztlich während seiner Bachelor-Thesis den Prozess von der Erfindung bis zur Patentanmeldung in all seinen Schritten, Analysen und Ergebnissen darzulegen. Die Abschlussarbeit deckte alle Prozessphasen von der Problemstel­lung über Zielsetzung, Ist-Analyse und Soll-Konzept bis zur Implementierung mit Testphase ab. Auch die Phase der Einführung wurde beleuchtet, eine Make-Or-Buy-Analyse erstellt, das Logistiknetz für Adapter und Zubehör untersucht sowie eine Wirtschaftlichkeitsanalyse und eine Handlungsempfehlung für die Daimler AG erstellt.

 

Feintuning in der Freizeit: mit Motivationskicks die Rückschlä­ge gemeistert

Auch bei einem solchen Erfolgsprojekt, das in einer Patentanmeldung mündete, gab es zwischendurch Rückschläge: „Nach der IST-Analyse, als ich die vorliegenden Fakten mit meiner bestehenden Idee verglichen hatte, merkte ich, dass das nicht so ganz passt“, so Jesser, „In der Testphase mit der Hardware wurden meine Befürchtungen wahr: Der Prototyp fiel durch mein Testszenario.“ An diesem Punkt warf der engagierte Logistiker aber nicht die Flinte ins Korn, sondern tauschte Bleistift und Notebook gegen Handschuhe und Feile. Durch die praktische Erprobung gelangte Jesser zu der Erkenntnis, dass man nicht alle Einflüsse steuern, berechnen oder ableiten kann – manches taucht unvorhergesehen im Prozessverlauf auf und will erfahren werden. Hilfreich für Jesser war dabei die Unterstützung der „Daimler-Fami­lie“, insbesondere durch seinen Betreuer und Freund Fabian Lehnen: „Wir haben viele Abende damit verbracht, neue Ideen durchzusprechen und zu bewerten. Dies steigerte die Motivation automatisch, weil man Synergien entwickelte.“ Neue Motivationskicks fand Denis Jesser auch im Privaten: „In Phasen des Projekts, wo sich die Gedanken anfingen, im Kreis zu drehen, verbrachte ich noch mehr Zeit mit meinem Sohn, der es immer schafft, mich zu erden. Natürlich kam auch der Gedanke hinzu, dass er später bestimmt stolz wäre, wenn sein Papa ein Erfinder ist.“ Dass dieser Traum wahr werden könnte, wurde Jesser bewusst, als er die Dichtheitsprüfung für seinen Prototypen gemacht und der Werkstattverantwortliche für Zertifizierungsfahrzeuge die Anschlussvorrichtung abgenommen hatte.

Erfolgreich zum Patent: Denis Jesser erhält Erfindertrophäe der Daimler AG

Am 26.11.2018 erfolgte die Anmeldung der Erfindung „Anschlussvorrichtung zum Anbringen an einem Endrohr an einer Abgasanlage“ beim Deutschen Patent- und Markenamt, am 02.05.2019 schließlich die Offenlegung. Im März 2019 erhielt Denis Jesser für seine Erfindung die Erfindertrophäe der Daimler AG. Die Freude darüber, etwas geschafft zu haben, das vielen unmöglich vorkam, und einigen seiner Mitstreiter das Gefühl gegeben zu haben, ein Teil des Erfolgsprojekts zu sein, hält immer noch an – auch wenn Jesser sein Aufgabengebiet innerhalb der Daimler AG inzwischen komplett gewechselt hat, um andere Bereiche zu entdecken. Aktuell ist er Teilprojektleiter der Planung für Prototypen in der so genannten Anlauffabrik, dem Bindeglied zwischen Entwicklung und Serienproduktion. „Was ich aus der Entwicklung der Anschlussvorrichtung definitiv mitnehmen werde, ist die Erfahrung, wie man ein Projekt in einem Großkonzern aufbaut und trotz komplexer Problemstellung strukturiert zu einem erfolgreichen Ergebnis kommt.“, resümiert Jesser, „Das möchte ich meinen Studen­ten, die ich in Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Abschlussarbeiten betreuen werde, weitervermitteln, damit Leidenschaft im Arbeitsleben wieder stärker Fuß fasst. Es muss wieder cool werden, zusammen die Extrameile zu gehen!“