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Verena Amann bei VIA Impulse

Verena Amann

Das Studium als „Schweizer Taschenmesser“ – Verena Amann bei VIA Impulse

VIA Impulse zum Start des Sommersemesters 2021 fand bereits zum zweiten Mal ausschließlich online statt: Anders als noch ein Jahr zuvor durften die 168 Erstsemester nicht im Audimax der Business School zusammenkommen, sondern nahmen stattdessen in einem Virtuellen Hörsaal von zuhause aus teil. Im Rahmen der Veranstaltung berichtete Absolventin Verena Amann von ihren persönlichen Erfahrungen in der Business School, im Studium und ihrem Karriereweg.

Die ungewohnte Situation ließ auch Verena Amann nicht kalt. Doch obwohl auch sie lieber im Audimax über ihre Erfahrungen berichtet hätte, betonte sie die Vorteile der aktuellen Situation und versuchte, den Studierenden bereits mit ihren ersten Worten die Aufregung zu nehmen: „Wer weiß schon, ob ich hier in Jogginghose und Adiletten sitze? Und vielleicht beginnen ja auch Sie so Ihren neuen Studienalltag“.

Verena Amann erzählte den Erstsemestern, dass auch sie zu Beginn ihres Studiums vor genau 20 Jahren unsicher gewesen zu sein. Unsicher darüber, ob sie das richtige Studium und die richtige Hochschule gewählt habe. Unsicher auch darüber, wie sie mit den Dozenten und Kommilitonen zurechtkommen würde. Nur einer Sache war sie sich sicher, nämlich dass sie anfangen wollte und gespannt war auf alles, was kommen würde. So lautete Amanns gute Nachricht für die neuen Erstsemester gleich zu Beginn: „Sie haben bisher alles richtig gemacht!“.

Verena Amann selbst begann ihr Studium im Jahr 2001 im Bachelorstudiengang Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing an der Business School und schloss diesen im Jahr 2005 erfolgreich ab. Nach Beendigung ihres Studiums stieg sie direkt ins Berufsleben ein und übernahm Marketing- und PR-Funktionen bei der Reutax AG. Anschließend war sie mehrere Jahre bei der United Internet Gruppe und deren Tochtergesellschaften im Personalmarketing, Recruiting und anderen HR-Funktionen tätig. Im Jahr 2015 übernahm sie die Leitung des Personalbereichs des Konzerns und wurde Geschäftsführerin der Service-Gesellschaft United Internet Corporate Services GmbH. Heute ist sie Vorstandsmitglied für Personal, Facility und IT bei der MVV Energie AG in Mannheim.

  

Geheimrezept für Erfolg im Studium und im Beruf: Wissen, Fleiß, Mut und Glück“

Den Studienbeginn vergleicht Amann mit einem leeren Buch mit vielen weißen Seiten, die die Studierenden in den kommenden Jahren selbst beschreiben dürfen. Ihr persönliches Geheimrezept für Erfolg im Studium und im Beruf lautet „Wissen, Fleiß, Mut und Glück“.Dass immer Glück dazugehört, mache auch ihre eigene Karriere klar, denn „nichts davon war geplant, nichts davon war erwartet“. Wie sonst könnte eine Marketing-Absolventin an diesem Tag über ihren Karriereweg im Personal- und IT-Bereich berichten?

Zwei wichtige Dinge, die ihre Karriere prägten, lernte Verena Amann bereits sehr früh: Als Tochter eines Milchbauern und einer Berufsmusikerin wurde ihr schnell bewusst, dass man sich auf neue Dinge einlassen muss, sich nicht irritieren lassen darf und auch einfach mal improvisieren muss. Ebenso erkannte sie das Motto „Wenn du liebst, was du tust…“ als Grundvoraussetzung für ihren persönlichen Erfolg. Dennoch funktioniere das Motto „Do what you love“ nicht immer, so Amann. Im Studium habe sie nicht immer Spaß an allen Fächern, sondern mit einigen Inhalten zu kämpfen gehabt: „Ich kann nicht behaupten, dass ich Statistik oder Operations Research mochte oder dass ich gut darin war. Deshalb habe ich Statistik auch zwei Mal geschrieben. Aber ich wusste auch, da muss ich durch. Und sich durchbeißen zu können, hilft später im Berufsleben“.

 

Studium als Grundstein für das, was wir daraus machen“

Amann zufolge ist Karriere heutzutage multidimensional, was bedeutet, dass Absolventinnen und Absolventen mehr können müssen als in ihrer Stellenbeschreibung steht. Genau deshalb versteht sie ein Studium als „Grundstein für das, was wir daraus machen“. Im Studium lerne man, allein zu leben, sich zu organisieren, wissenschaftlich zu arbeiten und vor allem, Schwierigkeiten zu überwinden. Nur zwei wichtige Skills habe sie nicht im Studium erworben, so Amann: „Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen musste ich später lernen. Und auch meine Fähigkeit, Dinge zu nehmen, wie sie kommen, kam erst im Berufsleben hinzu“.

Warum Verena Amann sich für ein Studium an der Business School Pforzheim entschied, wird in ihrem Vortrag schnell deutlich: „Man kommt ja nicht nach Pforzheim, weil die Stadt so schön ist. Aber schon damals war Pforzheim die beste Hochschule und hatte den besten Ruf, was die Dozenten anbelangt. Und das hat sich bewahrheitet“. So ist sie heute dankbar für die „sehr gute BWL-Ausbildung, die in die Wirtschaft stark vernetzten Professorinnen und Professoren und die vielen tollen Praxisprojekte“. Auch rückblickend sieht sie in Pforzheim „die perfekte Grundlage für eine breite, praxisnahe und sehr gute Ausbildung“, die es ihr ermöglichte, auch im Berufsleben „über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Chancen zu nutzen“.

Das Studium an der Business School trage dazu bei, dass sich Studierende zu einer Art „Schweizer Taschenmesser“ entwickelten, so Amann. Die Frage sei nur, „wann Sie welches Tool ziehen möchten“. Wie sie selbst in Bezug auf mathematische Fächer zugibt, gehören zu dieser breitgefächerten Ausbildung natürlich auch Inhalte, die weniger Spaß machen oder weniger leichtfallen. In diesem Fall gelte das Motto „Get it done“, so Amann. Bei alledem sollten sich die Studierenden vor Augen führen, was sie erreichen wollen und warum sie auch durch Fächer, die ihnen weniger leicht fallen, „durch müssen“.

 

„Kreuz- und querbewegen ist heute wichtiger denn je“

Die Sorge, sich eventuell für einen „falschen“ Studiengang entschieden zu haben, hält Amann für unbegründet: „Sie müssen heute noch nicht wissen, ob Sie in dem Bereich Karriere machen wollen, in dem Sie jetzt studieren“. Stattdessen gehe es darum, zu entscheiden, woran die Studierenden derzeit Spaß hätten und für welche Inhalte sie sich aktuell interessierten. So stellte auch Amann in ihrem ersten Job fest, dass die übernommenen Marketing- und PR-Tätigkeiten nicht dem entsprachen, was sie sich für ihren Arbeitsalltag vorgestellt hatte. So entschied sie sich von heute auf morgen, zu kündigen und stattdessen als selbstständige IT-Recruiterin tätig zu werden – ein ungewöhnlicher Schritt für eine Marketing-Absolventin. Doch Verena Amann folgte ihrer Intuition und blieb sich in dieser Hinsicht auch in den Folgejahren treu: Stück für Stück übernahm sie immer mehr HR-Funktionen und entwickelte sich so von der Personalreferentin zur Abteilungsleiterin der Personalentwicklung und 2019 zum Vorstand für Personal, Facility und IT. Denn für Verena Amann ist Personalarbeit „viel mehr als nur Arbeitsrecht und Verträge“. Stattdessen sieht sie die Personalarbeit „am Puls dessen, was ein Unternehmen erfolgreich macht oder scheitern lässt, weil es die Menschen sind, die den Unterschied machen“.

Mit ihrem Karriereweg zeigt Verena Amann, dass es wichtig ist, auf die eigene Intuition zu hören: „Natürlich war der Vorstand erstmal irritiert, als ich zusätzlich zu der Personalverantwortung auch die Verantwortung für Facility und IT übernehmen wollte. Aber es war inhaltlich richtig und ich war überzeugt davon, dass ich das kann. Schließlich habe ich ja auch kein Personal studiert und mache meinen Job trotzdem gut“. Das breit aufgestellte Pforzheimer Studium hatte ihr dazu beste Grundlagen geliefert.

Aufbauend auf ihren Erfahrungen rät Amann den Studierenden, ihrem Instinkt und ihren Werten zu folgen und diese um rationale Argumente zu ergänzen – niemals jedoch umgekehrt. Denn ihr Motto „Do what you love“ sei einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, wenn es darum geht, Karriere zu machen und damit glücklich zu werden. Studierende sollten sich überlegen, was ihnen persönlich wichtig ist, was ihnen Freude bereitet und in welchem Unternehmen sie sich wohlfühlen. Vor allem aber sollten sie mutig sein und neue Chancen nutzen, da eben auch Glück eine große Rolle auf dem Karriereweg spiele. Wichtig sei, neugierig zu sein und verschiedene Unternehmen und Bereiche kennenzulernen, denn „kreuz- und querbewegen ist heute wichtiger denn je“.

 

Feedback und helfende Hände annehmen

Abschließend gab Verena Amann vor allem ihren weiblichen Zuhörern den Tipp, sich zu entspannen, was das Thema Karriere und Familie angeht: „Relax. So richtig passt das nie zusammen. Wenn eine Schwangerschaft nicht in die Karriere, dafür aber ins Leben passt, kann sie trotzdem genau das Richtige sein“. Da gut ausgebildete Fachkräfte gesucht werden, hätten auch Frauen die Wahl und müssten sich nicht mit Unternehmen oder Kollegen zufriedengeben, die sie schlecht behandeln. Vor allem Unternehmen in jungen Branchenseien flexibler und würden helfen voranzukommen, da viele Strukturen und Stellen  noch nicht vergeben oder noch gar nicht geschaffen seien. Frauen sollten sich frei von der Meinung anderer machen, so Amann: „Als ich mit Babybauch in die Kantine kam, haben sich bestimmt viele gedacht ‚Guck dir die an, ob die das mit ihrer Vorstandsposition vereinbaren kann?‘. Aber da heißt es ‚Augen zu und durch‘ und die Zweifler überzeugen“.

Um erfolgreich zu sein, müsse man Feedback und helfende Hände annehmen und im Notfall auch nicht zu stolz sein, um zuzugeben, wenn man sich geirrt habe. Das Wichtigste bei alledem sei jedoch, dem eigenen Instinkt zu folgen. Denn laut Verena Amann gibt es nur einen Weg zum Erfolg – und der heißt „Vertrauen Sie sich selbst“. Für den Erfolg im Job könne die Business School und die Zeit in Pforzheim perfekt als Sprungbrett genutzt werden, so Amann.

 

 „VIA Impulse – Alumni berichten in der Erstsemesterbegrüßung“

Mit Robert Friedmann - Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe, Absolvent des Studiengangs Absatzwirtschaft mit Abschlussjahr 1991 und langjähriger Vorsitzender des Beirats der Business School Pforzheim - trat 2009 der erste Referent im Rahmen von VIA Impulse vor die „Newies“. Inzwischen kam eine lange Reihe erfolgreicher Absolventinnen und Absolventen hinzu, die heute bei Unternehmen wie SAP, Nokia, der Deutschen Bank oder Ernst & Young interessante Positionen bekleiden und den Studienanfängern Einblicke in ihren eigenen Studienverlauf gewährten, ihren Werdegang vorstellten und den einen oder anderen wertvollen Tipp parat hatten.

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