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Ringvorlesung: Wie Skateboarding in einem indischen Dorf zu nachhaltiger Veränderung führt

Am 8. April sprach Ulrike Reinhard in der Ringvorlesung über ihre Arbeit für die NGO „The Rural Changemakers gem. e.V.“ und wie ein Skatepark im ländlichen Indien zu großen Veränderungen führt. Im ersten Teil des Vortrags, dem rund 75 Zuhörer*innen beiwohnten, wurde Ulrike Reinhard von Benjamin Fritz interviewt. Benjamin Fritz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am INEC und verbrachte selbst einen Monat bei den Changemakers, um beim Bau eines Skateparks zu helfen. Im zweiten Teil erläuterte Reinhard wie eine nachhaltige Veränderung erreicht werden kann.

Janwaar – ein typisches indisches Dorf

Janwaar liegt im Norden Indiens in einer der ärmsten Regionen des Landes. Die Menschen dort haben teilweise keinen Zugang zu sauberen Wasser und die Kinder besuchen erst spät eine Schule – wenn überhaupt. Traditionen prägen den Umgang miteinander und die Grenzen zwischen den Kasten spielen noch eine große Rolle. Hier errichtete Ulrike Reinhard aus Heidelberg 2015 einen Skatepark, um das Dorf und sein soziales Gefüge nachhaltig zu verändern. Wie der Skatepark das Leben der Dorfbewohner verändert hat, verdeutlichte der Brief des indischen Jungen Anil, den Frau Reinhard dem Publikum vorlas. So hat Skateboarding ihn gelehrt sich für etwas einzusetzen, aus seinen Fehlern zu lernen, selbstbewusster zu werden und nicht aufzugeben. Reinhard beschrieb, wie sich ihr Engagement für die NGO langsam und stetig entwickelt hat.

Skateboards für soziale, kulturelle und ökonomische Veränderungen

Indische Dörfer sind geschlossene Systeme. Errichtet man einen Skatepark im „Herzen“ eines solchen Dorfs bringt man zwangsläufig etwas ins Rollen. Man weiß nicht was passieren wird, aber Etwas wird passieren, erläuterte Reinhard. Ziel ist es das Mindset der jungen Menschen zu verändern, um so die Zukunft des Dorfs und der nachfolgenden Generationen zu verändern. Im Skatepark gibt es daher zwei Regeln, die indirekt einige soziale Probleme im Dorf adressieren: „No school no skateboarding“ und „Girls first“. Die Menschen vor Ort sollen befähigt werden, Probleme zu verstehen und Lösungen zu finden. Die NGO selbst greift Vorort nur aktiv ein, wenn die Menschen das wollen und um Hilfe bitten. So wurde ein junges Mädchen dabei unterstützt einer frühen arrangierten Heirat zu widersprechen. In Indien (wie auch anderswo in der Welt) ziehen immer mehr Leute in Städte, die diesem Zufluss an Menschen kaum gewachsen sind. Es muss daher erreicht werden, dass die Menschen in der Lage sind auch in den Dörfern ein gutes Leben zu führen. So gründeten in Janwaar die Dorfbewohner ein gemeinnütziges Unternehmen gegründet, um mit dem Skateboarding und den daraus resultierenden Aktivitäten Geld zu verdienen.

Nachhaltigkeit bedeutet dauerhafte Veränderung

Abschließend stellte Reinhard 5 Regeln vor, die sie für wesentlich hält, um eine nachhaltige Veränderung zu erreichen. Zunächst muss das Mindset der Menschen verändert werden und sich in ihren Handlungen widerspiegeln. So hat der Skatepark die Einstellung der Kinder gegenüber Schule verändert. Nachhaltigkeit braucht zwar Regeln, dennoch muss immer genug Platz und Freiheit vorhanden sein, damit sich Neues entwickeln kann. Nachhaltigkeit darf auch nicht von oben auferlegt werden, sondern muss gelebt werden. Sie muss praktisch sein und in das tägliche Leben der Menschen integriert sein. Vor allem muss man aber akzeptieren, dass verschiedene Realitäten existieren. Veränderung ist kein Kaffeekränzchen, neben vielen positiven Erlebnissen und Entwicklungen wird man auch immer wieder mit unangenehmen und schwierigen Situationen konfrontiert, resümierte Reinhard.

Die Ringvorlesung geht am 15. April weiter mit Amelie Vermeer von Spoontainable. Dann wieder auf unserem YouTube Kanal.