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Wie entwickelt sich der baden-württembergische Arbeitsmarkt?

Prof. Dr. Markus-Oliver Schwaab, Christian Rauch, Marc Dahl (IHK) (v.l.n.r.)

Wie entwickelt sich der baden-württembergische Arbeitsmarkt? Chancen und Risiken des demografischen und technologischen Wandels.

 

Der Einladung des Personal Forums der Hochschule Pforzheim und der IHK Nordschwarzwald folgten im November 2017 viele Praktiker und Studierende. Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Baden-Württemberg, berichtete in einem sehr gut besuchten Vortrag im Audimax über momentan bereits erkennbare Entwicklungstrends auf dem baden-württembergischen Arbeitsmarkt, die sich aufgrund der demografischen Entwicklung sowie des technologischen Wandels unter Berücksichtigung der lokalen Besonderheiten abzeichnen. Die Arbeitsagentur rechne vor dem Hintergrund eines ungebrochenen Beschäftigungswachstums auch im Jahr 2018 mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Auch beim Ausbildungsmarkt rechne man mit einer positiven Entwicklung. Was jedoch besonders in Baden-Württemberg stutzig mache, wären viele Jugendliche, die nach ihrem Schulabschluss zunächst den Weg über das berufsbildende Schulsystem wählen, anstatt gleich in eine Ausbildung zu gehen. Leider könnten nicht alle Ausbildungsstellen besetzt werden.

Wenn man über Potenziale am Arbeitsmarkt spräche, so müsse man auch über geflüchtete Menschen sprechen. In Baden-Württemberg kämen sehr viele Geflüchtete aus Gambia, die jedoch aufgrund der Annahmequote keine große Bleibeperspektive hätten. Generell verfügten 80% der Geflüchteten über keine in Deutschland anerkannte Ausbildung. Daher sei die zentrale Frage, wie gut es gelingen wird, vor allem die jungen Menschen für eine duale Ausbildung zu gewinnen. Bevor diese Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden, setze dies aber zunächst ein zweijähriges Sprachtraining, eine einjährige Einstiegsqualifizierung und danach eine duale Ausbildung voraus. Wenn es bei 10% der jungen Geflüchteten gelänge, diese in eine duale Ausbildung oder ein Studium zu vermitteln, wäre das schon ein großer Erfolg. Rauch äußerte vor dem Hintergrund vieler unbesetzter Stellen die kritische Bemerkung, dass von Seiten der Regierung die Arbeitsmigration gezielter gesteuert werden müsse. Auch müssten in manchen Ländern die Hürden z.B. für die Visa-Erteilung erleichtert bzw. beschleunigt werden.

Eine zentrale Frage, die insbesondere in Baden-Württemberg mit seiner hohen industriellen Fertigung gestellt werden müsse: Wo liegen die Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung? Viele Berufe würden sich im Zuge von Industrie 4.0 verändern. Man schätzt, dass 4-5 Mio. Beschäftigte, v.a. auf der Facharbeiterebene, von dieser Transformation betroffen wären. Auch beim Thema E-Mobility wird Baden-Württemberg durch die Automobilindustrie und deren Zulieferer ganz besonders betroffen sein. Die in Auftrag gegebenen Prognoserechnungen kämen bezüglich der Beschäftigungseffekte beim Thema E-Mobilität auf positive Ergebnisse unter der Voraussetzung, dass die Verbrennungsmotor-Produktion parallel weiterbesteht. Wenn aber der Verbrennungsmotor so nicht weiterproduziert wird, würden die Prognosen ganz anders aussehen. Eine verlässliche Aussage wäre daher momentan nicht möglich.

Die Veränderung der Antriebstechnologie wird definitiv viele Berufe verändern. Die großen Fragen werden sein: Wie schafft es die Automobilindustrie, Geld aus der alten Technologie zu generieren aber gleichzeitig die neuen Technologien voranzutreiben? Und gelingt die berufliche Transformation der Menschen in die neue Welt?

Diese und viele weitere Fragen wurden anschließend vom interessierten Publikum weiter diskutiert. Die IHK Nordschwarzwald lud nach dem Vortrag zu einem kleinen Imbiss ein, bei dem noch das ein oder andere Thema auf persönlicher Ebene mit Herrn Rauch besprochen werden konnte.

 

 

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