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Vollblut-Marktforscherin Andrea Katz zu Gast bei „VIA Impulse“ an der Hochschule Pforzheim

Für die rund 200 Erstsemester der Business School der Hochschule Pforzheim beginnt das Studentenleben bereits zwei Wochen vor dem offiziellen Vorlesungsbeginn mit einem Programm zur Förderung der Sozial-, Methoden- und Interkulturellen Kompetenz (SIK). Ein wichtiger Bestandteil bei der Vermittlung von fachübergreifenden Qualifikationen sind seit nunmehr sieben Jahren Vorträge von Alumni der Business School, durch den die Studienanfänger interessante Einblicke in Werdegänge von Absolventen erhalten und die Chance haben, sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion über deren Studien- und Berufserfahrungen auszutauschen.
 

Am 1. März 2016 stand nach der Begrüßung durch den Dekan, Professor Dr. Thomas Cleff, diese besondere „Vorlesung“ auf dem Programm, bei der die Vollblut-Marktforscherin Andrea Katz als Referentin zu Gast bei „VIA Impulse“ war. Dabei fühlte sich Andrea Katz nach ihren eigenen Worten gar nicht so „very important“, wie der Titel der Veranstaltungsreihe lautet. Mit ihrem Rückblick auf die eigene Studienzeit, den Einstieg in die Selbständigkeit und das heutige Berufsleben, den sie mit der Überschrift  „Von der Studentin zur Dozentin und Unternehmerin - oder: Mein halbes Leben in Pforzheim“ versehen hatte, gewann die Geschäftsführerin des in der Goldstadt ansässigen „Institut Katz, Marktforschung und Moderation“ sofort die volle Aufmerksamkeit der „Newies“ der betriebswirtschaftlichen Studiengänge.

Als sie 1990 das erste Mal an die Hochschule fuhr, wollte Andrea Katz „keinen Tag länger als nötig“ an ihrem Studienort bleiben, doch ihr erster Eindruck von Pforzheim habe sich schnell relativiert und sie entdeckte die „Stadt der kleinen Schönheiten“, so dass sie nach über 25 Jahren immer noch hier lebt. Entscheidend dafür, dass sie sich in Pforzheim relativ schnell einlebte, war die Hochschule, an der sie sich gleich wohl gefühlt und ihre „Heimat“ wurde. Da konnte Katz auch den einen oder anderen „Stolperer“ in den ersten Semestern – wie etwa den viermaligen Verlust ihrer Mensakarte oder die Parkplatzsuche – verschmerzen.

Schwierige Momente in der Studienzeit konnte sie vor allem dank ihrer Kommilitonen, die zur „Ersatzfamilie“ wurden, überstehen - teilweise seien dabei Freundschaften fürs Leben entstanden. Während des Studiums wurden natürlich Lerngemeinschaften gebildet, aber das gemeinsame Feiern oder Spaziergänge im Wildpark in der Mittagspause seien auch nicht zu kurz gekommen. In dieser Zeit lernte Katz, immer wieder Prioritäten zu setzen, was ihre Persönlichkeit entscheidend prägte: War es in der Studienzeit die Entscheidung für ein Wahlfach nach Neigung oder praktischem Nutzen, wurde es im Berufsleben das Abwägen verschiedener Optionen im Rahmen ihrer selbständigen Tätigkeit, wo man sich immer wieder neu bewähren müsse und Flexibilität eine entscheidende Rolle spiele.

Andrea Katz schloss ihr Studium der Marktforschung 1994 an der Hochschule Pforzheim ab. Bereits während ihrer Studienzeit arbeitete sie als freiberufliche Marktforscherin bei und für verschiedene Institute und war eingebunden in Projekte, unter anderem in einem Transferzentrum der Hochschule. Mit dem Diplom in der Hand habe sich für sie zunächst „gar nicht so viel verändert“, da sie gute Kontakte geknüpft hatte und dadurch als Freiberuflerin spannende Aufträge erhielt, beispielsweise die Durchführung von Panels für die Deutsche Post - noch heute erinnert Katz sich an ihre Aufregung, als sie ihre Ergebnisse vor dem Vorstand präsentierte, doch daran sei sie auch gewachsen.

Nach zwei Jahren freiberuflicher Tätigkeit wollte Andrea Katz unter ihrem eigenen Namen arbeiten und gründete ihr Institut, das sich mit qualitativer und quantitativer Forschung befasst und vor allem Ansprechpartner für mittelständische Kunden und kommunale Einrichtungen ist. Bei ihrer Tätigkeit sei es wichtig permanent zu reflektieren, wo die eigenen Stärken liegen und was man auf dem Markt anbieten könne und wolle. Ihr gutes Netzwerk habe ihr dabei immer geholfen, dieses hat sie unter anderem durch ihre Tätigkeit im Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. (BVM) aufgebaut, wo sie seit 2002 die Funktion der stellvertretenden Leiterin der BVM-Regionalgruppe Baden-Württemberg innehat und Mitglied im Regionalrat ist. Der fachliche und persönliche Kontakt, sich aneinander auch einmal zu reiben oder sich einen Rat einzuholen, sei essenziell für die berufliche Weiterentwicklung.

Seit mehr als zehn Jahren übernimmt Andrea Katz außerdem Lehrtätigkeiten an der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft (VWA) in Stuttgart, an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe, und an der Hochschule Pforzheim. Die Rolle der Dozentin sei zunächst ungewohnt gewesen und sie habe durchaus Herzklopfen gehabt, als sie das erste Mal vor Studierenden stand.

In Zeiten des „Work-Life-Blending“, in der Arbeit und Freizeit miteinander zu verschmelzen scheinen, plädiert Katz dafür, sich Ruhezeiten bewusst einzuplanen und auch mal nicht die E-Mails via Handy abzurufen. Persönlich findet die zweifache Mutter, die in ihrem Institut als „Allrounderin“ einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag hat, ihren Ausgleich im sozialen Bereich. Früher in der AIDS-Hilfe aktiv, engagiert sich Andrea Katz heute in der Pforzheimer Flüchtlingsarbeit („Refugees welcome to Pforzheim“) bei der Betreuung von Frauen und Kindern und an zwei halben Tagen pro Woche in der Kleiderkammer: „Da rückt sich vieles an Prioritäten zurecht.“, so Katz. Prodekanin Professorin Dr. Elke Theobald, die die Veranstaltung moderierte, machte die Erstsemester dabei auf die Studenteninitiativen aufmerksam, bei denen es neben fachbezogenen Initiativen auch Sozialprojekte wie „initiAID – students volunteer for lasting projects“ oder unter dem Titel „Perspektive“ Aktivitäten zur Flüchtlingshilfe an der Hochschule Pforzheim gibt. Dieses außercurriculare Engagement sei auch eine gute Möglichkeit der Vernetzung, um „ältere Semester“ und Studierende aus anderen Studiengängen kennenzulernen.

„Gerade ist keine Karriere heutzutage – schauen Sie, was Sie im Studium mitnehmen können, wertschätzen und nutzen Sie es!“ so der abschließende Rat von Andrea Katz an ihre „Nachfolger“ an der Hochschule Pforzheim.