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VIA IMPULSE mit Henrik M. Lingenhölin

Im Dialog mit den Erstsemestern: Henrik M. Lingenhölin

Zum Auftakt des Wintersemesters 2019/20 war Henrik M. Lingenhölin zu Gast an der Hochschule Pforzheim. Im Rahmen von VIA IMPULSE, der Begrüßungsveranstaltung für die 570 neuen Erstsemesterstudierenden der Business School, erzählte der Alumnus von seinen Studienzeiten, berichtete über seinen Karriereweg und gab den Studierenden Tipps für Studium und Beruf. Henrik M. Lingenhölin schloss 1991 sein Studium im Studiengang Absatzwirtschaft ab. Heute ist der gebürtige Stuttgarter Hofkammerpräsident des Hauses Württemberg und seiner Alma Mater als Präsidiumsmitglied des Beirats der Business School weiterhin eng verbunden.

„Sie haben einen Studienplatz, das ist das Wichtigste, und Sie sind an der richtigen Hochschule gelandet.“ Mit diesen ermutigenden Worten begrüßte Henrik Lingenhölin die anwesenden Studienanfängerinnen und -anfänger zu seinem Vortrag. Er erinnere sich noch gut, wie er „auf der Seite, auf der Sie heute sitzen“, saß und der Vorlesung folgte. Vor 28 Jahren schloss er den Diplomstudiengang Absatzwirtschaft ab. Nach beruflichen Stationen bei verschiedenen Banken traf er die Entscheidung, sich vom klassischen
Bankengeschäft zu verabschieden und das Angebot, Hofkammerdirektor des Hauses Württemberg zu werden, anzunehmen. Seit zehn Jahren ist er nun für die herzogliche Familie tätig, zwischenzeitlich als Hofkammerpräsident.
Die Studienanfängerinnen und -anfänger konnten zunächst nicht viel mit dieser Berufsbezeichnung anfangen. Nachdem Henrik Lingenhölin dann aber genauer von seinen Aufgaben berichtet hatte, sprach der Moderator der Veranstaltung, Prodekan Professor Dr. Markus-Oliver Schwaab das aus, was wahrscheinlich die meisten dachten: „Herr Lingenhölin hat einen Traum-Job: er arbeitet auf einem Schloss! Mit ihm würde ich gern mal tauschen.“

Als Hofkammerpräsident des Hauses Württemberg ist Lingenhölin für die private Vermögensverwaltung der herzoglichen Familie Württemberg verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Vermögensverwaltung in den Geschäftsfeldern Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Weinbau, aber auch die Verwaltung zahlreicher Immobilien sowie Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen im In- und Ausland. Diese Bandbreite an Verantwortungsbereichen mache seine Arbeit sehr spannend und abwechslungsreich, so Lingenhölin.

In seinem Vortrag nahm der Alumnus die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise in seine Vergangenheit. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zum Bankkaufmann entschied sich Lingenhölin für ein Studium an der Hochschule Pforzheim. Denn nach dem Hineinschnuppern in den Lehrbetrieb an anderen Hochschulen und Universitäten merkte er schnell, dass die Großgruppen-Atmosphäre ihm dort zu anonym und die Vorlesungen „für meinen Geschmack einfach zu voll“ waren. Was er suchte und in Pforzheim fand, waren kleine Lerngruppen, intensive Diskussionsrunden und der persönliche Austausch mit den Lehrenden. Auch beeinflusste seine Entscheidung, dass die Hochschule Pforzheim schon damals auf den vorderen Plätzen anerkannter Rankings zu finden war. Nützlich war zudem, dass Henrik Lingenhölins Großvater damals in Pforzheim wohnte. Da in seinem Häuschen noch ein Zimmer frei war, stand auch eine kostenlose Unterkunft zur Verfügung.
Während seiner Studienzeit wurde Henrik Lingenhölin schnell klar, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, ein Studium in Pforzheim aufzunehmen. Er war vor allem über den direkten Praxisbezug der Veranstaltungen froh, den er auch in seiner Ausbildung geschätzt hatte.

Studieren in Pforzheim hatte für ihn einen hohen Wohlfühlfaktor. „Die Lernatmosphäre an der Hochschule ist wahnsinnig toll. Sie haben einen Campus mit Blick ins Tal hinunter - hier in Pforzheim lernt man einfach gern.“ Henrik Lingenhölin hofft nun, dass die nächste Generation Studierender es genauso sehr wie er schätzt, wie viel die Hochschule dafür tut, dass die Studierenden sich wohlfühlen. Dazu beigetragen, dass Lingenhölin gern in Pforzheim studierte, hat auch die Mensa. „Die Mensa war damals herausragend. Ich erinnere mich heute noch an die Linsen und Spätzle.“ Das müsse man als Schwabe einfach erwähnen, so Lingenhölin. Auch heute noch steht das typisch schwäbische Gericht alle paar Wochen auf dem Plan,darauf können die Erstsemester sich also schon jetzt freuen. Auch die Stadt Pforzheim empfand Lingenhölin immer als eine lebenswerte Stadt und legte den heutigen Studierenden ans Herz, offen zu sein und Pforzheim trotz oftmals schlechtem Ruf eine Chance zu geben.

„Die wahrscheinlich wichtigste und beste Entscheidung während meiner Studienzeit war, dass ich im Studium für acht Monate ins Ausland gegangen bin.“ Im Wintersemester 1989/90 legte Henrik Lingenhölin ein Urlaubssemester ein und absolvierte ein Praktikum bei der German American Chamber of Commerce in New York. Die Suche nach einem Praktikumsplatz und einer Unterkunft im Ausland war zu Lingenhölins Studienzeiten, ohne Internet, noch ziemlich mühsam. Das lag vor allem daran, dass die internationale Ausrichtung der Hochschule zu der Zeit noch nicht so ausgeprägt war. Heute haben die
Studierenden der Business School die Möglichkeit, studienintegriert ein Semester an einer von knapp 100 Partnerhochschulen im inner- und außereuropäischen Ausland zu verbringen. Henrik Lingenhölin fand klare Worte für die Studierenden von heute: „Ich möchte, dass in Zukunft kein Studierender die Hochschule Pforzheim verlässt, ohne Auslandserfahrung gesammelt zu haben.“ Prodekan Markus-Oliver Schwaab bekräftige in seinem Schlusswort diesen Wunsch auch von Seiten der Fakultät. „Wir unterstützen jede und jeden von Ihnen, der ein Semester im Ausland studieren möchte. Wir können in der Fakultät allen Studierenden, die ein Auslandssemester absolvieren wollen, einen Platz an einer Partnerhochschule garantieren.“

Zum Abschluss seines Vortrages richtete Lingenhölin sich mit einer Bitte an die Studienanfängerinnen und -anfänger. Da er sich der Hochschule Pforzheim sehr verbunden fühle, liege ihm viel daran, dass er jetzt, 28 Jahre nach seinem Abschluss, der Hochschule etwas zurückgeben kann, durch die Arbeit im Beirat der Business School oder Vorträge wie diesen. Dazu möchte er auch die Studierenden ermutigen. „Denken Sie nach Abschluss Ihres Studiums bitte daran, der Hochschule etwas zurückzugeben. Halten Sie den Kontakt, werden Sie Mitglied im Alumni-Netzwerk, setzen Sie sich für Ihre Fakultät ein. Wir Pforzheimer halten zusammen und können die Hochschule nur gemeinsam noch weiter nach vorne bringen. Dazu tragen Sie nach Ihrem Studium mit Ihrer aktiven Teilnahme bei“, so Lingenhölin.

Natürlich hatte Henrik Lingenhölin auch wertvolle Tipps, die er den StudenanfängerInnen gern mit auf den Weg geben wollte. Einschlägiges Fachwissen sei eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Karriere. Aber vor allem sollten die angehenden Studierenden an ihrer Sozialkompetenz arbeiten, die laut Lingenhölin bei manchem Absolventen zu wünschen übrigließe. Daher riet er den Studienanfängerinnen und -anfängern, das Angebot der Fakultät wahrzunehmen und am SIK-Programm intensiv teilzunehmen.
Zu Beginn des Studiums werden zwei Wochen lang die sozialen und interkulturellen, aber auch die methodischen Kompetenzen gefördert. Dies geschieht im Rahmen von Trainingsseminaren zu Themen wie Kommunikation und Teamarbeit sowie einem Unternehmensplanspiel, durch das die Studierenden die Zusammenhänge betriebswirtschaftlicher Entscheidungsprozesse kennenlernen. Während ihres Studiums haben die Studierenden außerdem die Möglichkeit, sich in den zahlreichen Studierendeninitiativen der Hochschule zu engagieren. Auch bei dieser Arbeit werden die sogenannten Soft Skills gefördert, die heute bei der Personalauswahl so ausschlaggebend sind.

Eine weitere wichtige Botschaft, die Lingenhölin den Studierenden mit auf den Weg gab, war, dass man sich selbst immer treu bleiben müsse. Man solle stets hinterfragen, ob man in dem jeweiligen Moment das Richtige tut, und wenn man merkt, dass es nicht das Richtige ist, sollte man konsequent sein und sich trauen, einen Schritt in eine andere Richtung zu gehen. Ständiges Reflektieren sei eine enorm wichtige Voraussetzung dafür, im Berufsleben erfolgreich sein zu können.
Man sollte sich nicht nur auf die Fakultät konzentrieren, an der man studiert, sondern auch den Austausch mit den anderen Fachbereichen suchen, so Lingenhölin. Er betonte in seinem Vortrag, dass er es bereue, zu seiner Studienzeit das Angebot zum interdisziplinären Austausch nicht wahrgenommen zu haben. Die Studierenden im Design- und Technik-Bereich tickten ein wenig anders, daher kämen mit Sicherheit viele interessante Begegnungen zustande, sofern man offen sei und auch die Angebote der anderen Fakultäten nutze.

Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Lingenhölin zahlreiche Fragen der interessierten Studierenden. Ein Studienanfänger fragte, ob auch Studierende Führungskräfte sein könnten. „Warum nicht?“, war Lingenhölins Antwort. Nicht alleine das Studium qualifiziere jemanden, Führungskraft zu sein, sondern es läge vor allem an den Studierenden selbst. Werte wie Zuverlässigkeit, Verantwortung, Verlässlichkeit und Vertrauen spielten eine große Rolle. Auf die Frage, wie er es geschafft habe, so schnell Karriere zu machen, antwortete er, dass er einige Jahre gebraucht habe, um eine Führungsposition zu bekommen. Man könne die Karriereleiter schließlich nur Schritt für Schritt hochklettern.
Aber was man vor allem brauche, sei Mut. Und „Mut gehörte auch dazu, als der Hofkammerpräsident des Hauses Württemberg zu uns nach Baden zu kommen“, scherzte Prodekan Professor Dr. Markus-Oliver Schwaab zum Abschluss dieser gelungenen VIA Impulse Veranstaltung.