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Legal Tech – Quo Vadis?

Am 15.12.2017 fand ein Projekttag zum Thema „Legal Tech“ statt in der Vorlesung „Verhandeln und Konfliktmanagement“ im Master Information Systems (M.Sc.) an der Hochschule Pforzheim. Der Projekttag gliederte sich in das HOTSPOT Monothema „Digitalisierung“ ein und war damit motiviert durch einen interdisziplinären Ansatz im Sinne des Perspektivenwandels der Hochschulstrategie.

Ziel des Projekttages war es, ein besseres Verständnis für die Schnittstelle zwischen Informationstechnologie und Rechtswissenschaften zu bekommen und somit die Veränderungen des Rechtsmarkts durch die Digitalisierung zu analysieren. Kernfragen waren dabei: Welche Anforderungen stellen Rechtswissenschaft und Rechtsmarkt an eine Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle? Und welche Herausforderungen stellen die technologische und dabei insbesondere Software-Entwicklung für den Rechtsmarkt?

Legal Tech ist die Kurzform von Legal Technology und beschreibt die Unterstützung und Automatisierung von juristischen Arbeitsprozessen. Unter dem Begriff werden Unternehmen wie Software- und Online-Dienste subsumiert, die von einer reinen Assistenz von Rechtsdienstleistungen – Legal Tech 1.0 – über automatisierte Rechtsdienstleistungen – Legal Tech 2.0 – bis hin zu Legal Tech 3.0 reichen. Legal Tech 3.0 beschreibt dabei IT-Lösungen, die geeignet sind, Rechtsdienstleistungen autonom zu bewältigen und das juristische Berufsfeld über eine vollständige Abwicklung des Anwaltsprozesses zu revolutionieren.

Der Legal Tech Markt weist ein starkes Wachstum auf. So kann der amerikanische Markt bereits 709 Legal Tech Companies vorweisen, die mittlerweile global expandieren. Geschäftsmodelle reichen von Dokumentenautomatisierung bis hin zu Online Dispute Resolution, von E-Discovery bis zu Kanzlei-Management Software. Auch in Deutschland ist Legal Tech mit 150 Legal Tech Unternehmen angekommen. Selbst der Deutsche Anwaltstag stand im Jahr 2017 unter dem Überthema „Innovationen und Legal Tech.“ Auch etablierte Unternehmen wie Wolter Kluwers und C.H.Beck sind mittlerweile Mitspieler in diesem Markt geworden. Kanzleien haben Positionen wie den Chief Strategy Officer (CSO) geschaffen, um auf die Entwicklungen reagieren und sie gegebenenfalls steuern zu können.

Im Rahmen des Projekttages bearbeiteten die Studieren eine Vielzahl von Themen angefangen von den technischen Grundlagen wie „Einführung in die Blockchain“ und „Legal Tech im Spannungsfeld von künstlicher Intelligenz, Big Data, Machine Learning und Legal Chatbots.“ Ein weiterer Schwerpunkt stellte die Vertiefung in einzelne Branchen und Geschäftsfelder dar wie „Legal Tech in der Verbraucherstreitschlichtung“, „Legal Tech im Bereich Online Dispute Resolution“, „Legal Tech und Online-Mediation“, „Legal Tech und E-Discovery Software“, „Legal Tech und Fluggastrechteportale“ oder aber „Block Chain und Schiedsverfahren“. Abgeschlossen wurde der Tag mit der Beschreibung des Berufsbilds des „Legal Engineers“ ebenso wie mit einem Ausblick, wie sich der Markt weiterentwickeln könnte.

Ergebnis des Tages war die Erkenntnis, dass Legal Tech bei allen Risiken große Chancen birgt und die Rechtslandschaft in Deutschland vor große Herausforderungen stellen wird. Legal Tech erfordert nicht nur eine Anpassung der Geschäftsmodelle im Rechtsmarkt, sondern stellt auch die traditionelle Rechtsdurchsetzung vor große Herausforderungen. Die Digitalisierung in der Rechtsdurchsetzung wie beispielsweise dem Zivilprozess steckt in Deutschland im internationalen Vergleich in den digitalen Kinderschuhen. Ebenso ist das Berufsbild des „Legal Engineers“ noch unklar besetzt und definiert, obgleich es ein Berufsbild der Zukunft darstellt. Abschließend hat der Tag die Erkenntnis geschärft, dass auch Ausbildungseinrichtungen wie Schulen und Hochschulen sich der Thematik nicht verschließen dürfen, sondern die Aufgabe haben, mit ihrer Ausbildung diesen Prozess der Digitalisierung des Rechtsmarkts mitzugestalten.

 

Andrea Wechsler, 17.12.2017, WiSe 2017