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"Die Augen müssen funkeln"

Prof. Dr. Elke Theobald (link) im Gespräch mit Katrin Gloß, Partnerin bei KPMG

„VIA Impulse“ (oder in Langform: Impulse einer oder eines „very important alumnus“) lautet der Titel einer bereits im achten Jahr stattfindenden Erstsemester-Veranstaltung, in denen erfolgreiche Absolventen über ihren Werdegang berichten sowie den frisch eingeschriebenen Studierenden Rede und Antwort stehen.

In der 16. Auflage der Reihe war Mitte September Katrin Gloß zu Gast, Partner, Audit – Governance & Assurance Service bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Gut 450 Mitarbeiter bekleiden deutschlandweit diese höchste Karrierestufe, davon sind gerade einmal 10 Prozent Frauen.

Dieser Karriereweg war der Pforzheimerin dabei nicht gerade in die Wiege gelegt: Nach dem Abitur 1994 und einer Ausbildung zur Steuerfachangestellten studierte sie bis 2001 Steuer- und Revisionswesen an der Business School und stieg anschließend als Prüfungsassistentin bei KPMG ein.

Aber Wirtschaftsprüferin? Vermutlich gab der Kommentar eines Mitglieds ihrer Lerngruppe den letzten Ausschlag: „Das kriegst Du eh nicht hin!“. Doch, sie kriegte. Trotz einer durchgefallenen Wirtschaftsprüfungs-Klausur im Grundstudium. 2008 wurde sie zur Wirtschaftsprüferin und 2015 zum Partner bestellt.

Hat sie im Studium etwas vermisst? Ja! „Ich bereue, nicht in der Welt draußen gewesen zu sein“, so Gloß. Auslandsreisen könnten ein Auslandssemester nie ersetzen. Ausdrücklich ermutigte sie die Studierenden, diese Chance nicht verstreichen zu lassen – immerhin gibt die Studien- und Prüfungsordnung ausreichend Luft, ein Semester im Ausland einzuschieben und sich die erworbenen Credits hier anrechnen zu lassen.

Aber Hochschulen für Angewandte Wissenschaften haben durchaus noch andere Vorteile zu bieten! Ein Universitätsabschluss verspricht ein besseres Einstiegsgehalt? Katrin Gloß verneint: Inzwischen zahle die Wirtschaft HS-Absolventen teilweise schon mehr, da diese vom ersten Tag an voll einsatzbereit sein – reichlich Praktika machen da den Unterschied zur eher wissenschaftlich orientierten Uni-Ausbildung, wie auch Prodekanin Prof. Dr. Elke Theobald betonte. Zwar gäbe es noch einen Gehaltsunterschied zwischen Bachelor- und Master-Absolventen, aber jeder könne den Master auch nachträglich oder berufsbegleitend erwerben. Aber selbst ohne Master müssten sich die Studierenden heute auf lebenslanges Lernen einstellen, Stichworte Industrie 4.0 und Digitalisierung – „Sie können sich nicht mehr auf das zurückziehen, was Sie einmal gelernt haben“, so Gloß.

Wenn es im Falle von KPMG nicht auf die Form des Abschlusses ankommt – auf was denn dann? Katrin Gloss, die selber Einstellungsgespräche führt, rät zur Ehrlichkeit: „Stellen Sie nichts da, was Sie nicht sind.“ Fachwissen, Auslandserfahrung, auch die menschliche Komponente ist wichtig. „Beim Bewerber müssen auch die Augen funkeln!“ Und ja: Bewerber werden gegoogelt, auch für Praktkumsplätze. „Bereinigen Sie Ihre Profile und schaffen Sie sich professionelle neue“, empfahl Dr. Theobald augenzwinkernd den neuen Studierenden.

Eine weitere Frage der Studierenden drehte sich um die Work-Life-Balance – hat man die in diesem Job überhaupt? Abgesehen davon, dass Wirtschaftsprüfung ein Saisongeschäft ist, gilt für jeden Beruf: Es muss Spaß machen! Macht es keinen: Ändern! Selbst eine Familiengründung sei heutzutage immer besser mit dem Beruf vereinbar – Unternehmen schaffen KiTa-Plätze, auch junge Väter würden aktiv unterstützt.

Und wie finde ich jetzt den richtigen Beruf, was mache ich, wenn ich das Gefühl habe, das falsche zu studieren? Prof. Theobald verweist auf die 1200 Praktika-Stellen, die aktuell über die Praktikumsbörse der Hochschule vakant sind – jeder habe hier die Möglichkeit, sich in seinem Wunschberuf zu erproben. „Das unterscheidet uns von vielen anderen“, so Prof. Theobald, „unsere Absolventen sind so top ausgebildet – eigentlich müssten wir sie verkaufen.“