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Akkreditierung braucht Kontinuität

Dekan Prof. Dr. Thomas Cleff (links) und Stellvertretender Dekan Prof. Dr. Harald Strotmann

Knapp sechs Jahre ist es her, dass die Fakultät für Wirtschaft und Recht gemeinsam mit den Programmen des Wirtschaftsingenieurwesens der Fakultät für Technik durch AACSB International akkreditiert wurden. Die Hochschule Pforzheim war damals die erste Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland, die dieses Gütesiegel in einem erlauchten Kreis von sechs Universitäten tragen durfte – eine „hohe Auszeichnung, schwer zu bekommen“, schrieb die Wirtschaftszeitung Handelsblatt.

Zwischenzeitlich sind es neben der Hochschule Pforzheim acht Universitäten, darunter Mannheim, die Goethe-Universität in Frankfurt, die RWTH Aachen und die HHL Leipzig. Pforzheim ist bis heute die einzige Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland, die zu den fünf Prozent besten Wirtschaftsfakultäten weltweit gehört. Mit der Reakkreditierung bestätigte ihr AACSB International, die weltweit führende Akkreditierungsorganisation „Association to Advance Collegiate Schools of Business“, erneut höchste Standards in Lehre, Forschung und beim Wissenstransfer in Wirtschaft und Gesellschaft.

Im Interview erklären Professor Dr. Thomas Cleff, Dekan der Business School Pforzheim, und der Stellvertretende Dekan Professor Dr. Harald Strotmann den Nutzen eines internationalen Gütesiegels, berichten über die Herausforderungen der Reakkreditierung und erzählen, was der Prozess in der Fakultät verändert hat.

Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Reakkreditierung. Wo waren Sie, als Sie von der positiven Entscheidung aus Florida erfahren haben?

Cleff: Zu Hause. Es war ein paar Tage nach Ostern, abends kurz vor 20.00 Uhr. Der Bescheid kam rund zehn Tage früher als uns in Aussicht gestellt worden war. Umso mehr haben wir uns über die positiven Nachrichten gefreut.

Was bedeutet die Reakkreditierung für die Business School?

Cleff: Die Reakkreditierung unterstreicht unsere Position als eine der führenden Business Schools weltweit. Sie bestätigt die hohe Qualität unserer Studienprogramme im internationalen Vergleich, unterstreicht unser Bekenntnis zu „continuous improvement“ – einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess - und betont unser Alleinstellungsmerkmal, die fachliche Breite und Tiefe unserer Lehre und Forschung. Als internationale Akkreditierung öffnet sie uns auch Türen zu renommierten Partnerhochschulen, die dieselben hohen Standards in der Ausbildung anlegen. Damit können wir unseren Studierenden eine große Auswahl für das Auslandssemester anbieten oder auch Gastprofessoren für englischsprachige Vorlesungen bei uns in Pforzheim gewinnen. Kurz gesagt: Das AACSB-Gütesiegel stärkt unsere Reputation national und international und macht sichtbar, wer wir sind und wofür wir stehen.

Bildung ist ein Vertrauensgut

Es gibt auch nationale Akkreditierungsorganisationen wie AQAS, bei der Ihre Studiengänge ebenfalls akkreditiert sind. Wozu braucht es da ein internationales Siegel?

Strotmann: Bildung ist ein Vertrauensgut. Wer sich für einen Studiengang und eine Hochschule entscheidet, muss auf die Qualität der dortigen Ausbildung vertrauen. Da bieten Rankings, aber eben auch Akkreditierungen eine gute Orientierung. Akkreditierung bedeutet, sein System zur Qualitätssicherung in Studium und Lehre zertifizieren zu lassen.  Das AACSB-Zertifikat ist in diesem Kontext etwas ganz Besonderes, weil es im Gegensatz zur nationalen Pflichtakkreditierung eine freiwillige Zertifizierung unter höchsten internationalen Standards ist. Die Pflichtakkreditierung ist sozusagen das TÜV-Siegel für Hochschulen, während sich das AACSB-Siegel mit Michelin-Sternen vergleichen lässt. Wir konkurrieren hier mit Business Schools in aller Welt. Die Reakkreditierung hat bestätigt, dass wir in Pforzheim diese Standards von Lehre und Forschung erfüllen. Und das so überzeugend, dass wir sofort und mit eindeutiger, sehr positiver Empfehlung der Gutachter für weitere fünf Jahre reakkreditiert worden sind.               

Was ist das Erfolgsrezept, um als Hochschule aus dem Nordschwarzwald – an der idyllischen Grenze zwischen Baden und Württemberg gelegen – unter die besten fünf Prozent weltweit zu kommen?

Cleff: Als zugereister Badener würde ich sagen: weltoffen über seinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen, bereit zu sein Neues auszuprobieren und zu wissen, dass man auf ganz besonders engagierte Kolleginnen und Kollegen bauen kann.

Strotmann: Mit Hartnäckigkeit, Gründlichkeit und einer gehörigen Portion selbstbewusstem Understatement. So gehen wir Schwaben an das Thema AACSB heran.

Heißt Reakkreditierung, dass die Business School auf Herz und Nieren geprüft wurde?

Strotmann: Bei einer Reakkreditierung geht es vor allem um das so genannte „continuous improvement“, also um die Fragen „Wie haben wir uns in den vergangenen fünf Jahren im Hinblick auf unseren Anspruch weiterentwickelt?“ und „Wo können und wollen wir in den kommenden fünf Jahren noch besser werden und was tun wir dafür?“. Kernelement der AACSB-Reakkreditierung ist die regelmäßige Evaluation der systematischen und zukunftsgerichteten Qualitätsverbesserung. Insofern: Ja, die Prozesse, das Engagement und der Output der Fakultät wurden auf Herz und Nieren geprüft.

Cleff: Eine erfolgreiche Reakkreditierung im ersten Anlauf ist nicht selbstverständlich. Es gibt immer wieder Beispiele von sehr renommierten Business Schools und Wirtschaftsfakultäten, die bei der Reakkreditierung eine Ehrenrunde drehen müssen. Das ist Sinn und Zweck von unabhängigen externen Prüfungen. Für uns intern war immer klar, dass die Reakkreditierung zwar anders als die Erstakkreditierung 2011 sein würde, wir aber nicht weniger Sorgfalt und Engagement investieren werden.

Wie muss man sich die Reakkreditierung vorstellen?

Strotmann: Die Akkreditierung ist Zertifikat einer systematischen Qualitätsverbesserung. Dazu müssen im Bereich der Lehre und angewandten Forschung konstant gute Leistungen nachgewiesen werden. Dozenten sind bei uns nicht nur Lehrende, sondern auch Wissenschaftler und Praktiker in Personalunion. Sie sind in ihrem Forschungsfeld vernetzt und arbeiten an aktuellen Fragestellungen und Herausforderungen. Kurz gesagt: Die Lehre an der Business School Pforzheim ist up-to-date, dynamisch und innovativ. Das kommt unseren Studierenden und den Unternehmen, bei denen unsere Absolventen später beschäftigt sind, zugute und das weisen wir mit der Reakkreditierung nach.

Cleff: Akkreditierung braucht Kontinuität. Mit der Erstakkreditierung bekommt eine Hochschule sogenannte „concerns“ mit auf den Weg. Das sind bestimmte Aspekte oder Aufgabenfelder, die man in den fünf Jahren bis zur Reakkreditierung besonders im Blick behalten soll. Nach der Akkreditierung muss man am Ball bleiben. Es geht um „continuous improvement“, also den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Das hört sich langweilig an. Er ist für uns aber eine Art strategische Leitlinie, an der wir im Dekanat und im Kernteam rund um AACSB unser Handeln ausrichten.

"Team Spirit" an der Business Unit

Wie groß war das Team, das an der Reakkreditierung beteiligt war?

Cleff: Das Kernteam, das das Thema AACSB über Strategie, Qualitätsmanagement, Assurance of Learning und diversen Arbeitskreisen betreut, besteht aus gut einem Dutzend Kollegen. An den drei Tagen, an denen die Gutachter für die Begehung bei uns vor Ort waren, wollten wir aber die Hochschule in der Breite erlebbar machen. Um den Gutachtern einen Eindruck davon zu vermitteln, wie groß das Commitment intern ist, und um Studierenden, Mitarbeitern, Lehrenden und unseren externen Partnern die Möglichkeit zu geben, mit dabei zu sein.

Strotmann: In den drei Tagen in Pforzheim hat das Peer Review Team rund 50 Studierende aus allen Bachelor- und Masterstudiengängen, acht Mitarbeiter, fast 50 Professoren und acht externe Partner getroffen. Die Logistik dieser Tage war spannend. Diese Gesprächsrunden vorzubereiten, allen den Hintergrund und Rahmen zu erklären und im Vorfeld offene Fragen zu klären, ist natürlich aufwändig. Gemeinsam haben wir das aber prima hinbekommen. Die Gutachter zeigten sich beeindruckt vom „team spirit“ an unserer Business Unit, der in den drei Tagen geradezu greifbar war. Diesen Spirit spüren wir übrigens jetzt immer noch.

Sie waren federführend für die Vorbereitung für diese Vorbereitung verantwortlich, Herr Professor Strotmann. Hand aufs Herz – wie viele schlaflose Nächten hatten Sie in dieser Zeit?

Strotmann: Ich habe einen gesunden Schlaf, so dass es schon einiges braucht, bis ich eine Nacht wach liege. Etwas unruhigere Tage und Nächte gab es eher im Vorfeld, bei der Berichterstellung, als wir für einzelne konkrete Herausforderungen Antworten finden mussten. Je näher der Termin des Besuchs des Peer Review Teams kam, umso besser habe ich geschlafen. Es war einfach sehr offensichtlich, wie gut das gesamte Team an der Business School mitzieht und wie gut wir vorbereitet sind.

Wie ging es Ihnen, Herr Professor Cleff: Gab es einen Moment, an den Sie sich besonders erinnern?

Cleff: Der finale Bericht muss ungefähr sechs Wochen vor dem Besuchstermin des Peer Review Teams abgegeben werden. Das haben wir extra etwas früher gemacht, um noch genügend Zeit für mögliche Rückfragen vor dem Jahreswechsel 2016/2017 zu haben. Aber natürlich kamen die Rückfragen der Gutachter prompt am 23. Dezember bei uns an, sodass wir an Heiligabend am frühen Nachmittag noch konferiert haben, wie wir das Ganze hinkriegen. Umso mehr freue ich mich aber, dass wir für die viele Kraft und Arbeit, die alle Beteiligten in die Reakkreditierung gesteckt haben, mit einer Eins Komma Null belohnt worden sind. Den gemeinsamen Schwung nehmen wir mit in die nächsten fünf Jahre.

Was ist ihnen persönlich im Reakkreditierungsprozess besonders im Gedächtnis geblieben?

Strotmann: Mir persönlich ist vor allem in Erinnerung geblieben, wie beeindruckt die Prüfer von dem aktiven, professionellen und engagierten Austausch in den verschiedenen Diskussionsrunden waren. Darin wurde immer wieder die Überzeugung deutlich, dass die Hochschule Pforzheim aus Sicht der Professoren, Mitarbeiter und auch der Studierenden die absolut richtige Wahl war. Das zeigt, dass sowohl unser Anspruch, als auch unser Auftrag und unsere Grundsätze kein bloßes Lippenbekenntnis sind, sondern täglich gelebte Werte darstellen. Darüber hinaus empfinde ich das „Gemeinschaftsgefühl“ an der Business School, das bei der Arbeit für das gemeinsame Ziel der internationalen Reakkreditierung besonders spürbar wird, als sehr motivierend.

Welchen Wert hat die Akkreditierung für die Business School?

Cleff: Mit der Erstakkreditierung haben wir Austauschpartner gewinnen können, mit denen wir vorher im Traum nicht gerechnet hätten. Für viele internationale Studierende ist das Siegel ein enormer Attraktor, um nach Pforzheim zu kommen. Auch die strategische Ausrichtung der Business School und unser Qualitätsmanagement haben profitiert.

Strotmann: Sie wirkt aber auch nach innen. Die Reakkreditierung war mit Zusatzaufwand für die Dozenten und Mitarbeiter verbunden. Ich bin immer wieder begeistert, welche Motivation und welches Engagement da vorherrschten. So waren beim Termin zur Vorbesprechung sämtliche involvierten Kolleginnen und Kollegen versammelt. Kein einziger hatte abgesagt. Und wir können stolz sein auf unsere Studierenden, die beim Peer Review Team einen hervorragenden Eindruck hinterlassen haben.

Ein Gütesiegel als Eintrittskarte

AACSB ist ein Engagement, das Sie in erster Linie für Ihre Studierenden unternehmen. Welche Vorteile hat die (Re-)Akkreditierung für sie?

Cleff: Die Reakkreditierung hat die Vorteile, Chancen und Möglichkeiten der Erstakkreditierung fortgeschrieben. AACSB hat uns aber auch ein Qualitätsmanagement-System gebracht, das versucht, die Qualität der Lehre kontinuierlich im Sinne der Studierenden zu verbessern. Das Gütesiegel selbst ist eine Eintrittskarte in viele verschiedene Bereiche. Das Thema Internationalisierung spielt da eine wichtige Rolle.

Strotmann: Durch die Akkreditierung können wir unseren Studierenden die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes an einer Vielzahl weltweit renommierter Partneruniversitäten bieten. Auch die große Auswahl fremdsprachiger Veranstaltungen, internationale Gastprofessoren auf dem Campus sowie die kulturelle Vielfalt unter den Studierenden selbst gehören dazu. So können sowohl wissenschaftliche als auch berufliche, weltumspannende Netzwerke aufgebaut werden. Studienbewerbern bieten wir ein attraktives, dynamisches Umfeld mit überzeugenden Perspektiven.

Wie wird die AACSB-Akkreditierung extern wahrgenommen?

Cleff: Wenn ich auf internationalen Dekane- oder AACSB-Konferenzen gefragt werde, von welcher Institution ich komme und ich „Business School Pforzheim“ sage – dann macht das wirklich Eindruck. Ich erinnere mich an eine Konferenz, bei der unsere Business School als Vorbild besonders hervorgehoben wurde. Wir können deshalb sehr stolz auf das Erreichte sein.

 

Das Interview führten Dorothea Ruziczka und Bastian Merz.