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Business PF - Wissen, worauf es ankommt

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VIA Impulse mit Manuel Oehmke

Im März 2009 stand mit Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Adolf Würth GmbH, der erste Alumnus vor den Studienanfängern des damaligen Sommersemesters, um ihnen Einblicke in seinen Werdegang zu gewähren – acht Jahre später hat sich aus dem Pilotprojekt „VIA Impulse“ ein Erfolgsmodell entwickelt, das stets auf großes Interesse bei den Erstsemestern der Business School stößt.

Zwei Wochen vor dem offiziellen Semesterstart hatten sich im Rahmen des SIK-Programms, das zur Förderung der Sozial-, Methoden- und Interkulturellen Kompetenz der Studierenden dient, auch dieses Mal rund 200 „Newies“ im Audimax eingefunden, als Manuel Oehmke unter dem Titel „Mein Weg in der Konsumgüterbranche – mit Ausdauer und Bescheidenheit“ von seiner beruflichen Laufbahn berichtete.
Für Prodekan Prof. Dr. Markus-Oliver Schwaab war es eine Premiere: Er hat die Veranstaltungsreihe „VIA Impulse“ zum Sommersemester 2017 übernommen und freute sich als Professor im Studiengang Personalmanagement und aktueller Leiter des Personal Forums an der Hochschule Pforzheim, mit Manuel Oehmke einen „Personaler-Alumnus“ als Referenten begrüßen zu dürfen. Der Business School sei es wichtig, so Schwaab, den Studierenden zu vermitteln, was aus Pforzheimer Absolventen werden kann – die Voraussetzungen seien gegeben, nach dem Ende des Studiums erfolgreich tätig zu sein.
Manuel Oehmke hatte sein Studium des Personalmanagements 2004 abgeschlossen und war seither bei einigen namhaften Unternehmen in der Konsumgüterindustrie tätig.  Zwar lagen die beruflichen Interessen des passionierten Tennisspielers und US-Sport-Fans zu Abitur-Zeiten eher im Bereich Sportmanagement. Nach einer einjährigen Tätigkeit im IT-Support bei IBM nahm er zum Wintersemester 1999 jedoch sein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Pforzheim auf, zunächst mit dem Schwerpunkt Beschaffung und Logistik, mit der Intention, sich Richtung Einkauf zu orientieren. Durch verschiedene Praxisvorträge an der Hochschule wurde jedoch sein Interesse am Personalmanagement geweckt, das sich für ihn zu einer Leidenschaft entwickelte. Aufgrund dieser Erfahrungen gab er den Studienanfängern den Rat, die Zeit während des Studiums zu nutzen, um verschiedene Dinge auszuprobieren und Praxiserfahrungen zu sammeln, um herauszufinden, in welchen Bereich man besonders gut aufgehoben sei. „Wenn Sie einen Traum haben, halten Sie daran fest – keiner steht Ihnen im Weg, außer Sie selbst“, so Oehmke.
Sein zweites Praxissemester absolvierte Oehmke nicht bei einem der „global player“, sondern entschied sich mit der AHG Autohandelsgesellschaft mbH für ein mittelständisches Unternehmen, wo er Einblick in diverse Bereiche nehmen konnte und anschließend als Werkstudent und Diplomand tätig war. Die erste berufliche Station nach dem Studienabschluss führte Manuel Oehmke zu Breuninger nach Stuttgart, da er in die Konsumgüterbranche einsteigen wollte. Als sich ihm nach einem Jahr die Chance bot, ins operative Personalmanagement zu wechseln, ging er zu Hugo Boss nach Metzingen, wo er einige Jahre als Human Resources Manager arbeitete und eine große Bandbreite an Erfahrungen sammeln konnte. Ein vorgesehener Auslandseinsatz in New York zerschlug sich zwar im letzten Moment, aber auch das gehöre dazu: „Es läuft nicht immer alles glatt. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihrer Karriere die Chance zu geben, sich zu entwickeln“, so Oehmkes Ratschlag an die Erstsemester. Er sei dennoch zunächst bei Boss geblieben, wo er eine tolle Unternehmenskultur erlebt habe und von einem beruflichen Mentor begleitet wurde.  2011 wechselte er in die Schweiz zur Holy Fashion Group, die Marken wie Strellson, Joop und Windsor unter ihrem Dach hat. Durch seinen Mentor, der an ihn und seine Fähigkeiten geglaubt habe, machte er seine ersten Führungserfahrungen und stieg rasch zum Head of Human Resources auf.

Ausschlaggebend für Oehmkes nächsten beruflichen Schritt war der Wunsch, nach vier Jahren im Ausland nach Deutschland zurückzukehren. Anfang des vergangenen Jahres übernahm er bei Pernod Ricard, einem „global player“ im Wein- und Spirituosengeschäft mit Marken wie Havana Club, Ramazzotti und Absolut, als Geschäftsführer Human Resources die Gesamtverantwortung Personal für Deutschland, Österreich, Schweiz und die Benelux-Länder. „Große Marken verleiten dazu, die Bodenhaftung zu verlieren – Selbstreflexion ist da sehr wichtig“, so Manuel Oehmke am Ende seines Vortrags. Sich selber nicht so wichtig nehmen und sich im Zweifelsfall auf sein Bauchgefühl zu verlassen, war sein abschließender Tipp für die Studienanfänger, oder wie George Ballantine es ausgedrückt habe: „Sei du selbst. Sei authentisch und aufrichtig, dann verdienen deine Erlebnisse, dass auf sie angestoßen wird.“

Im Anschluss stellten die Erstsemester zahlreiche Fragen an Oehmke. „Gehen Sie ins Ausland!“, war ein Appell von Oehmke, der dies als einen Punkt in seiner Studienzeit sah, bei dem er sich heute anders entscheiden würde: „Es ist wichtig, den Schritt raus aus der Komfortzone zu wagen.“ Außerdem würde er mehr auf sein Bauchgefühl hören, was den Studienschwerpunkt angehe. Es mache keinen Sinn, an etwas festzuhalten, was „nicht Ihres ist“, so Oehmke, aber es sei manchmal nötig, Durchhaltevermögen zu beweisen und nicht vorschnell aufzugeben – auch im späteren Berufsleben sei „Job-Hopping“ keine Lösung. Wenn man beispielsweise im Kollegenkreis nicht auf einer Wellenlänge sei, solle man versuchen, seine Motivation aus den inhaltlichen Aspekten der Arbeit zu ziehen. Die Highlights aus seiner Studienzeit waren für Manuel Oehmke die Seminararbeiten und der sich daraus ergebende enge Kontakt zu Unternehmen in der Praxis. Von unschätzbarem Wert fürs Berufsleben seien neben den fachlichen Themen des Studienschwerpunkts die erworbenen Methodenkompetenzen gewesen. „Schauen Sie am Anfang nicht aufs Geld!“ lautete Oehmkes Ratschlag für den beruflichen Einstieg. Entscheidend sei, ob das Unternehmen zu einem passe und der Job das böte, was man erreichen wolle. Außerdem sei auch während des Studiums mit seinen stressigen Prüfungsphasen eine gute Work-Freetime-Balance wichtig, um  durch Sport oder ein anderes Hobby den Kopf freizubekommen.
„Seien Sie motiviert, zeigen Sie Engagement und Begeisterungsfähigkeit und bleiben Sie sich selber treu“, gab Manuel Oehmke den „Newies“ abschließend mit auf den Weg.

Seit dem Sommersemester 2009 findet jeweils zu Semesterbeginn an der Fakultät für Wirtschaft und Recht die Vortragsreihe "VIA Impulse" statt, wobei VIA für Very Important Alumni steht. Die Erstsemester sowie alle Interessierten können bei diesem Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion Einblick in den Studienverlauf und vor allem den Berufsweg einer/s erfolgreichen Absolventin/en erlangen und mit ihr/ihm gemeinsam über ihren/seinen Werdegang diskutieren und wertvolle Tipps und Insider-Informationen zu Studium und Karriere erhalten.

Die Veranstaltungsreihe ist eine Win-win-Situation für die Fakultät und für die Alumni. Denn wie Herr Martin Frick, der im März 2013 bei VIA Impulse zu Gast war, feststellte, sind viele Alumni ihrer Alma Mater dankbar für die Ausbildung, die sie an ihr genossen haben und ganz allgemein für die vielen guten Erfahrungen, die sie von dort mitgenommen haben - und sie möchten gerne etwas zurückgeben. Die Fakultät profitiert vom Wissen der Alumni und deren Netzwerk, das für die Ausbildung der Studierenden von unschätzbarem Wert ist. So entsteht ein Zyklus von Geben und Nehmen.

"Die Augen müssen funkeln"

„VIA Impulse“ (oder in Langform: Impulse einer oder eines „very important alumnus“) lautet der Titel einer bereits im achten Jahr stattfindenden Erstsemester-Veranstaltung, in denen erfolgreiche Absolventen über ihren Werdegang berichten sowie den frisch eingeschriebenen Studierenden Rede und Antwort stehen.

In der 16. Auflage der Reihe war Mitte September Katrin Gloß zu Gast, Partner, Audit – Governance & Assurance Service bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Gut 450 Mitarbeiter bekleiden deutschlandweit diese höchste Karrierestufe, davon sind gerade einmal 10 Prozent Frauen.

Dieser Karriereweg war der Pforzheimerin dabei nicht gerade in die Wiege gelegt: Nach dem Abitur 1994 und einer Ausbildung zur Steuerfachangestellten studierte sie bis 2001 Steuer- und Revisionswesen an der Business School und stieg anschließend als Prüfungsassistentin bei KPMG ein.

Aber Wirtschaftsprüferin? Vermutlich gab der Kommentar eines Mitglieds ihrer Lerngruppe den letzten Ausschlag: „Das kriegst Du eh nicht hin!“. Doch, sie kriegte. Trotz einer durchgefallenen Wirtschaftsprüfungs-Klausur im Grundstudium. 2008 wurde sie zur Wirtschaftsprüferin und 2015 zum Partner bestellt.

Hat sie im Studium etwas vermisst? Ja! „Ich bereue, nicht in der Welt draußen gewesen zu sein“, so Gloß. Auslandsreisen könnten ein Auslandssemester nie ersetzen. Ausdrücklich ermutigte sie die Studierenden, diese Chance nicht verstreichen zu lassen – immerhin gibt die Studien- und Prüfungsordnung ausreichend Luft, ein Semester im Ausland einzuschieben und sich die erworbenen Credits hier anrechnen zu lassen.

Aber Hochschulen für Angewandte Wissenschaften haben durchaus noch andere Vorteile zu bieten! Ein Universitätsabschluss verspricht ein besseres Einstiegsgehalt? Katrin Gloß verneint: Inzwischen zahle die Wirtschaft HS-Absolventen teilweise schon mehr, da diese vom ersten Tag an voll einsatzbereit sein – reichlich Praktika machen da den Unterschied zur eher wissenschaftlich orientierten Uni-Ausbildung, wie auch Prodekanin Prof. Dr. Elke Theobald betonte. Zwar gäbe es noch einen Gehaltsunterschied zwischen Bachelor- und Master-Absolventen, aber jeder könne den Master auch nachträglich oder berufsbegleitend erwerben. Aber selbst ohne Master müssten sich die Studierenden heute auf lebenslanges Lernen einstellen, Stichworte Industrie 4.0 und Digitalisierung – „Sie können sich nicht mehr auf das zurückziehen, was Sie einmal gelernt haben“, so Gloß.

Wenn es im Falle von KPMG nicht auf die Form des Abschlusses ankommt – auf was denn dann? Katrin Gloss, die selber Einstellungsgespräche führt, rät zur Ehrlichkeit: „Stellen Sie nichts da, was Sie nicht sind.“ Fachwissen, Auslandserfahrung, auch die menschliche Komponente ist wichtig. „Beim Bewerber müssen auch die Augen funkeln!“ Und ja: Bewerber werden gegoogelt, auch für Praktkumsplätze. „Bereinigen Sie Ihre Profile und schaffen Sie sich professionelle neue“, empfahl Dr. Theobald augenzwinkernd den neuen Studierenden.

Eine weitere Frage der Studierenden drehte sich um die Work-Life-Balance – hat man die in diesem Job überhaupt? Abgesehen davon, dass Wirtschaftsprüfung ein Saisongeschäft ist, gilt für jeden Beruf: Es muss Spaß machen! Macht es keinen: Ändern! Selbst eine Familiengründung sei heutzutage immer besser mit dem Beruf vereinbar – Unternehmen schaffen KiTa-Plätze, auch junge Väter würden aktiv unterstützt.

Und wie finde ich jetzt den richtigen Beruf, was mache ich, wenn ich das Gefühl habe, das falsche zu studieren? Prof. Theobald verweist auf die 1200 Praktika-Stellen, die aktuell über die Praktikumsbörse der Hochschule vakant sind – jeder habe hier die Möglichkeit, sich in seinem Wunschberuf zu erproben. „Das unterscheidet uns von vielen anderen“, so Prof. Theobald, „unsere Absolventen sind so top ausgebildet – eigentlich müssten wir sie verkaufen.“

Vollblut-Marktforscherin Andrea Katz zu Gast bei „VIA Impulse“ an der Hochschule Pforzheim

Erstsemester der Business School erhalten interessante Einblicke in den Werdegang einer Unternehmerin, die ihren Ausgleich im ehrenamtlichen Engagement findet

Für die rund 200 Erstsemester der Business School der Hochschule Pforzheim beginnt das Studentenleben bereits zwei Wochen vor dem offiziellen Vorlesungsbeginn mit einem Programm zur Förderung der Sozial-, Methoden- und Interkulturellen Kompetenz (SIK). Ein wichtiger Bestandteil bei der Vermittlung von fachübergreifenden Qualifikationen sind seit nunmehr sieben Jahren Vorträge von Alumni der Business School, durch den die Studienanfänger interessante Einblicke in Werdegänge von Absolventen erhalten und die Chance haben, sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion über deren Studien- und Berufserfahrungen auszutauschen.

Am 1. März 2016 stand nach der Begrüßung durch den Dekan, Professor Dr. Thomas Cleff, diese besondere „Vorlesung“ auf dem Programm, bei der die Vollblut-Marktforscherin Andrea Katz als Referentin zu Gast bei „VIA Impulse“ war. Dabei fühlte sich Andrea Katz nach ihren eigenen Worten gar nicht so „very important“, wie der Titel der Veranstaltungsreihe lautet. Mit ihrem Rückblick auf die eigene Studienzeit, den Einstieg in die Selbständigkeit und das heutige Berufsleben, den sie mit der Überschrift „Von der Studentin zur Dozentin und Unternehmerin - oder: Mein halbes Leben in Pforzheim“ versehen hatte, gewann die Geschäftsführerin des in der Goldstadt ansässigen „Institut Katz, Marktforschung und Moderation“ sofort die volle Aufmerksamkeit der „Newies“ der betriebswirtschaftlichen Studiengänge.

Als sie 1990 das erste Mal an die Hochschule fuhr, wollte Andrea Katz „keinen Tag länger als nötig“ an ihrem Studienort bleiben, doch ihr erster Eindruck von Pforzheim habe sich schnell relativiert und sie entdeckte die „Stadt der kleinen Schönheiten“, so dass sie nach über 25 Jahren immer noch hier lebt. Entscheidend dafür, dass sie sich in Pforzheim relativ schnell einlebte, war die Hochschule, an der sie sich gleich wohl gefühlt und ihre „Heimat“ wurde. Da konnte Katz auch den einen oder anderen „Stolperer“ in den ersten Semestern – wie etwa den viermaligen Verlust ihrer Mensakarte oder die Parkplatzsuche – verschmerzen.

Schwierige Momente in der Studienzeit konnte sie vor allem dank ihrer Kommilitonen, die zur „Ersatzfamilie“ wurden, überstehen - teilweise seien dabei Freundschaften fürs Leben entstanden. Während des Studiums wurden natürlich Lerngemeinschaften gebildet, aber das gemeinsame Feiern oder Spaziergänge im Wildpark in der Mittagspause seien auch nicht zu kurz gekommen. In dieser Zeit lernte Katz, immer wieder Prioritäten zu setzen, was ihre Persönlichkeit entscheidend prägte: War es in der Studienzeit die Entscheidung für ein Wahlfach nach Neigung oder praktischem Nutzen, wurde es im Berufsleben das Abwägen verschiedener Optionen im Rahmen ihrer selbständigen Tätigkeit, wo man sich immer wieder neu bewähren müsse und Flexibilität eine entscheidende Rolle spiele.

Andrea Katz schloss ihr Studium der Marktforschung 1994 an der Hochschule Pforzheim ab. Bereits während ihrer Studienzeit arbeitete sie als freiberufliche Marktforscherin bei und für verschiedene Institute und war eingebunden in Projekte, unter anderem in einem Transferzentrum der Hochschule. Mit dem Diplom in der Hand habe sich für sie zunächst „gar nicht so viel verändert“, da sie gute Kontakte geknüpft hatte und dadurch als Freiberuflerin spannende Aufträge erhielt, beispielsweise die Durchführung von Panels für die Deutsche Post - noch heute erinnert Katz sich an ihre Aufregung, als sie ihre Ergebnisse vor dem Vorstand präsentierte, doch daran sei sie auch gewachsen.

Nach zwei Jahren freiberuflicher Tätigkeit wollte Andrea Katz unter ihrem eigenen Namen arbeiten und gründete ihr Institut, das sich mit qualitativer und quantitativer Forschung befasst und vor allem Ansprechpartner für mittelständische Kunden und kommunale Einrichtungen ist. Bei ihrer Tätigkeit sei es wichtig permanent zu reflektieren, wo die eigenen Stärken liegen und was man auf dem Markt anbieten könne und wolle. Ihr gutes Netzwerk habe ihr dabei immer geholfen, dieses hat sie unter anderem durch ihre Tätigkeit im Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. (BVM) aufgebaut, wo sie seit 2002 die Funktion der stellvertretenden Leiterin der BVM-Regionalgruppe Baden-Württemberg innehat und Mitglied im Regionalrat ist. Der fachliche und persönliche Kontakt, sich aneinander auch einmal zu reiben oder sich einen Rat einzuholen, sei essenziell für die berufliche Weiterentwicklung.

Seit mehr als zehn Jahren übernimmt Andrea Katz außerdem Lehrtätigkeiten an der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft (VWA) in Stuttgart, an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe, und an der Hochschule Pforzheim. Die Rolle der Dozentin sei zunächst ungewohnt gewesen und sie habe durchaus Herzklopfen gehabt, als sie das erste Mal vor Studierenden stand.

In Zeiten des „Work-Life-Blending“, in der Arbeit und Freizeit miteinander zu verschmelzen scheinen, plädiert Katz dafür, sich Ruhezeiten bewusst einzuplanen und auch mal nicht die E-Mails via Handy abzurufen. Persönlich findet die zweifache Mutter, die in ihrem Institut als „Allrounderin“ einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag hat, ihren Ausgleich im sozialen Bereich. Früher in der AIDS-Hilfe aktiv, engagiert sich Andrea Katz heute in der Pforzheimer Flüchtlingsarbeit („Refugees welcome to Pforzheim“) bei der Betreuung von Frauen und Kindern und an zwei halben Tagen pro Woche in der Kleiderkammer: „Da rückt sich vieles an Prioritäten zurecht.“, so Katz. Prodekanin Professorin Dr. Elke Theobald, die die Veranstaltung moderierte, machte die Erstsemester dabei auf die Studenteninitiativen aufmerksam, bei denen es neben fachbezogenen Initiativen auch Sozialprojekte wie „initiAID – students volunteer for lasting projects“ oder unter dem Titel „Perspektive“ Aktivitäten zur Flüchtlingshilfe an der Hochschule Pforzheim gibt. Dieses außercurriculare Engagement sei auch eine gute Möglichkeit der Vernetzung, um „ältere Semester“ und Studierende aus anderen Studiengängen kennenzulernen.

„Gerade ist keine Karriere heutzutage – schauen Sie, was Sie im Studium mitnehmen können, wertschätzen und nutzen Sie es!“ so der abschließende Rat von Andrea Katz an ihre „Nachfolger“ an der Hochschule Pforzheim.

Vom Student zum Unternehmer

Willy Krießler zu Gast bei VIA Impulse

Mit Willy Krießler begrüßte die Business School Ende September einen weiteren erfolgreichen Absolventen in der Reihe VIA Impulse. Der Mitgründer und Geschäftsführer des Pforzheimer Systemhauses ITML GmbH stellte den neuen Studierenden eine Karrierealternative abseits den DAX30-Konzernen vor: "Authentisch und flexibel – vom Student zum Unternehmer" lautete der Titel seines Impulsvortrags.

Eigentlich hatte der Absolvent der BWL mit Schwerpunkt Logistik nie das Ziel verfolgt, ein eigenes Unternehmen zu gründen – aber die Gelegenheit ergab sich und zusammen mit zwei Kollegen seines ersten Arbeitgebers gründete er die ITML GmbH, die heute 150 Mitarbeiter beschäftigt.

„Das Pforzheimer Studium hat mir dabei sehr geholfen“, erinnert sich Krießler. Das Pforzheimer Modell, das 70 Prozent Grundlagenausbildung und 30 Prozent Spezialisierung vorsieht, habe ihm viele Fähigkeiten vermittelt, die für eine erfolgreiche Selbstständigkeit von Vorteil sind. So habe er als BWLer in der Anfangszeit nachts die gesamte Buchführung selbst erledigt.

Natürlich könne man diese Befähigungen nicht ohne Fleiß erwerben, so Krießler: „Es gibt einen Unterschied zwischen Studieren und aktiv Studieren – Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen die Hochschule heute bietet!“ Speziell Praktika und Auslandsaufenthalte seien nicht zu unterschätzen. „Spielen Sie den Vorteil gegenüber den Universitäten aus, deren Absolventen erklären Ihnen die Welt, ohne je eine Firma vorher von innen gesehen zu haben.“ Aus diesem Grunde lege ITML auch keinen übergroßen Wert auf einen Masterabschluss, Einsatz und Praxiserfahrung zähle im Beratungsgeschäft viel mehr.

Und wie ist das mit der Work-Life-Balance? Wer Dinge bewegen wolle, müsse auch bereit sein, mehr zu leisten – das gelte für Selbstständige genauso wie für junge Berufseinsteiger. Allerdings habe das auch Grenzen: „Wenn ich als Chef am Wochenende E-Mails an mein Team versende, erwarte ich nicht, dass am Wochenende auch geantwortet wird.“

Im anschließenden Interview mit Prodekanin Professorin Dr. Elke Theobald und der Fragerunde mit den Erstsemestern drehten sich viele Fragen um die Studienorganisation und den Karriereeinstieg. Krießler, der ehrenamtlich als Beirat, Mentor und Dozent der Hochschule verbunden ist, riet den Studierenden, die Vorteile einer im Vergleich zu mancher Massenuniversität eher „kleinen“ Institution zu nutzen: „Suchen Sie das Gespräch, gehen Sie auf die Lehrenden zu, verfallen Sie nicht in eine Konsumhaltung!“ Außerdem gewährleiste der ausgezeichnete Betreuungsschlüssel, dass die Türen der Dozenten den Studierenden jederzeit offen stünden.

Authentizität und Flexibilität seien auch die Schlüssel für eine gelungene Karriere. Und dazu gehöre, so Krießler, auch die Wahl des richtigen Studiums. Die Studierenden hätten gegenüber seiner Generation einen zusätzlichen Vorteil: Sie seien einfach jünger, dank kürzerer Schulzeit und dem Wegfall des Wehr- und Zivildienstes. „Wenn Sie im zweiten Semester merken, Sie studieren das falsche Fach – wechseln Sie! Wenn Sie es erst im fünften Semester merken, dann ziehen Sie es auch zu Ende durch.“ Und dann natürlich auch richtig, und das sei nicht ausschließlich eine Notenfrage. „Bei Bewerbern sind mir die Zeugnisse nicht ganz so wichtig. Aber ein Bewerber ohne Stift und Notizblock, der keine Fragen hat? Das geht nicht.“ Es reicht halt nicht, wenn nur der Chef für das Unternehmen brennt. Und das zeichnet Firmen wie ITML stellvertretend für den Mittelstand aus: Für motivierte Absolventen, die Dinge bewegen und Karriere machen wollen, gibt es spannende Berufseinstiege und auch exzellente Entwicklungsmöglichkeiten neben der Welt der Konzerne.

"Die Basics sind unabdingbar!"

Christiane Storz zu Gast bei VIA Impulse

Viele Absolventen träumen von einer Karriere bei den großen Namen, ob jetzt IT-Wirtschaft, Konsumindustrie oder Autohersteller. Eine, die es geschafft hat, fuhr am 04.03.15 in ihrem Dienstporsche nach Pforzheim.

Christiane Storz, Alumna des Studiengangs Wirtschaftsinformatik, war zu Gast bei VIA Impulse. In dieser Veranstaltungsreihe der Fakultät für Wirtschaft und Recht berichten erfolgreiche Absolventen von ihrem Studium und ihrer Karriere und geben den Newies wichtige Tipps für eine erfolgreiche Zukunft.

Ihr eigener Werdegang liest sich beeindruckend: 2004 beendete sie erfolgreich ihr Studium mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik an der FH Pforzheim, inklusive einem Auslandsaufenthalt an der Auburn University, Alabama, und bei Merck Ltd., Thailand. Bis 2007 war sie als Consultant und Senior Consultant bei der Deloitte Consulting GmbH beschäftigt, bevor sie zur Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG wechselte und sich dort beruflich weiterentwickelte. Eingestiegen als Referentin im Beteiligungscontrolling, ist sie über die Zwischenstation als Assistentin des Vorstand für Finanzen und IT seit November 2012 Leiterin des Controlling Vertrieb, Marketing und Financial Services.

In ihrem Vortrag "Mit Vollgas von Pforzheim zu Porsche" ging unsere Referentin auf die einzelnen Eckpunkte ihres Werdeganges ein und erläuterte am eigenen Beispiel, auf welche Stolpersteine die Studierenden zu achten haben und was für Chancen sich ihnen bieten.

Für die Studienzeit konnte sie den Newies Tipps mit auf den Weg geben, die vielleicht banal erscheinen, aber essentiell sind für ein erfolgreiches Studium: konsequent arbeiten, sich selbst nicht unterschätzen - und die Erholung nicht vergessen! Sie habe enorm davon profitiert, nicht nur auf Klausuren hin gelernt, sondern in jeder Vorlesung versucht zu haben, den Stoff auch wirklich zu verstehen. Abgesehen davon, dass die Inhalte so langfristig abgespeichert werden, vergehe so auch die Zeit im Hörsaal schneller. Das Nacharbeiten des vermittelten Stoffes koste zudem Zeit, die man viel besser anders verbringen könnte. Zum Beispiel beim Feiern! Denn letzten Endes, ist auch das nichts anderes als Netzwerken - nur vielleicht mit einem etwas größeren Spaßfaktor.

Nach dem Studium hat sich ihre Karriere peu á peu weg von der Wirtschaftsinformatik, hin zum Controlling entwickelt. Der erste Schritt auf diesem Weg war dabei gleich die Wahl des Unternehmens, bei dem sie ihre Diplomarbeit schreiben würde. Vor die Wahl gestellt zwischen Procter & Gamble mit einem klassischen Thema aus der Wirtschaftsinformatik und der SAP AG mit einem Thema im Bereich Unternehmensplanung hat sie sich gegen das Naheliegende entschieden und schrieb ihre Diplomarbeit bei SAP. Storz betont, wie wichtig dabei das Gespräch mit ihrem betreuenden Professor gewesen ist, das sie dazu brachte, die eigenen Ziele und Interessen zu hinterfragen. Sie wolle jedem Studierenden raten, das Gespräch mit den eigenen Professoren zu suchen und von deren Expertise und Überblick über den Markt und relevante Fragestellungen zu profitieren.

Die Entscheidung für eine Karriere in der Unternehmensberatung ließ sie dann zu zwei wichtigen Erkenntnissen kommen, die sie den anwesenden Studenten auch wiederholt ans Herz legte. Einerseits, was für eine gute Entscheidung es war, in Pforzheim studiert zu haben! Das Pforzheimer Modell mit seiner Teilung in ein grundständiges BWL-Studium und eine Spezialisierung erlaubt es den Absolventen auch in vermeintlich "fachfremden" Gebieten einsetzbar zu sein. Die zweite große Erkenntnis: Die betriebswirtschaftlichen Basics heißen nicht ohne Grund so! Wer als BWL-Absolvent das Einmaleins der Betriebswirtschaftslehre und den entsprechenden Wortschatz nicht beherrscht, hat deutlich schlechtere Chancen erfolgreich zu sein - egal welchen Berufsweg er wählt.

Die eigene Karriere ist dann nur bedingt planbar; auch den Wechsel von der Unternehmensberatung hin zu einem internationalen Unternehmen hatte Storz nie so geplant. "Man braucht natürlich auch das Quentchen Glück, keine Frage - aber man muss die Chancen auch sehen können und dann zugreifen!" Bei der Porsche AG ist sie nun auch ein leuchtendes Beispiel dafür, dass sich Familie und Beruf auch in Führungspositionen vereinbaren lassen. In Teilzeit leitet sie die Abteilung seit 2014 zusammen mit einer Kollegin, die ebenfalls Familie hat. Ein Modell, dass Schule machen sollte, ginge es nach ihr.

Als Abteilungsleiterin bei Porsche konnte Storz auch wichtige Hinweise in Bezug auf die eigene Bewerbung geben: "Gut aufbereitete Bewerbungsunterlagen sind das A&O und die halbe Miete!" Nach ihrer Aussage sei auch dieser Tipp nicht banal - zu häufig werde er missachtet. "In einem Bewerbungsgespräch müssen Sie dann mit up-to-date Infos aufwarten und beweisen, dass Sie im Zweifelsfall derjenige sind, der die Meile extra läuft." Die eigene Regelstudienzeit um ein oder zwei Semester zu überziehen, sei - anders als häufig in der öffentlichen Wahrnehmung vertreten - kein großes Problem; vorausgesetzt, man nutzt diese Zeit um an der eigenen Persönlichkeit oder den eigenen Schwächen zu arbeiten. Sie selber habe auch mehr Zeit gebraucht, sagt Christiane Storz, weil sie eine Auslandserfahrung in den USA und Thailand machte, auch um ihr Englisch zu verbessern. Den Kontakt nach Thailand hat sie übrigens über Kommilitonen eines anderen Studiengangs vermittelt bekommen. Aktives Netzwerken über Engagement in Organisationen neben dem Studium oder Partys lohnt sich immer.

Werber zu Gast: Peter Waibel und Lukas Quiring von Jung von Matt/Neckar bei VIA Impulse

Zum Start des Wintersemesters wurde auch dieses Mal wieder unsere bewährte Veranstaltungsreihe "VIA Impulse" fortgesetzt. Im ersten Programmteil hält ein erfolgreicher Alumni einen Vortrag - über das Vorstellen eines exemplarischen Karrierewegs, unterschiedliche Berufsfelder, oder die Bedeutung des Studiums für eine erfolgreiche Karriere sind den Themen keine Grenzen gesetzt. Unsere Referenten haben es bisher immer geschafft die Zuhörer sowohl zu informieren als auch zu unterhalten.

So auch dieses Mal wieder: Peter Waibel, Geschäftsführer der Werbeagentur Jung von Matt/Neckar illustrierte die Arbeit eines Kreativen in der Werbeszene anhand einer launigen Auswahl bekannter Werbespots aus den Federn seiner Kollegen in Stuttgart - was nicht nur die Newies der Werbestudiengänge bestens unterhielt. Zudem formulierte er 10 Ratschläge, was es zu beachten gilt, will man sein Studium sowohl als Ausbildung als auch als Charakterbildung erfolgreich gestalten.

Im zweiten Programmteil stellte er sich gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Lukas Quiring, der momentan sogar noch an seiner Abschlussarbeit sitzt, dem Interview mit Frau Prof. Elke Theobald. Hier wurden vor dem Hintergrund des erfahrenen Werbers und des frischen Absolventen noch einmal ganz explizit Dos and Donts für junge Studierende angesprochen, gespickt mit Anekdoten aus dem Berufs-, Bewerbungs- und Studentenleben.

"Die persönlichen Leidenschaften verfolgen!"

Thomas Kabke-Sommer zu Gast bei VIA Impulse

Viele Absolventen der betriebswirtschaftlichen Studiengänge träumen von einer Karriere bei den großen Namen, egal ob Autohersteller, IT-Wirtschaft oder Konsumindustrie – warum eigentlich?
Ultimativer Karrieretipp? "Sich selbst treu bleiben!" - Thomas Kabke-Sommer, Geschäftsführer uniquedigital Hamburg

Thomas Kabke-Sommer, Absolvent der Hochschule und aktueller Gast in der Reihe VIA Impulse, hatte andere Prioritäten: „Mein Antrieb war, neue Dinge auszuprobieren“, so der Geschäftsführer von uniquedigital Hamburg, „und gestalten können Sie nur, wenn Sie Einfluss haben“. So geriet das kurze Impulsreferat zum Thema „Vom Konzern zum Mittelstand - Facetten einer Karriere in den elektronischen Medien“ zum Loblied auf das mittelständische Unternehmertum: Auch mit kleinem Budget lässt sich dank flachen Hierarchien viel bewegen.

Viel bewegen wollte Kabke-Sommer immer schon: 2004 übernahm er die Geschäftsführung des RTL-TV-Vermarkters IP Interactive, wechselte danach zur Radiowerbung und wurde Geschäftsführer der Vermarktung des RTL Radios. 2008 zog es ihn in die Internetbranche und er wurde Sales Director bei der United Internet Media AG, bekannt durch GMX und Web.de. Aber spannender war für den Hamburger wohl der Mittelstand: Über den Performance Spezialisten und Medienüberwacher Ebiquity führte ihn sein Weg 2012 zu uniquedigital, eine der führenden Agenturen für digitales Marketing in Deutschland.

Wie zum Beweis, dass solche Karrieren auch heute noch möglich sind, begleitete Stephanie Kanitz ihren Chef. Kanitz studierte von 2006 bis 2009 Werbung an der Fakultät für Wirtschaft und Recht. Immer schon an Internet-Themen interessiert, stieg sie 2009 bei uniquedigital als Key Account Managerin für Suchmaschinenoptimierung (SEO) ein und leitet heute als Head of SEO eine Gruppe von neun Mitarbeitern. Daneben hält sie Lehraufträge zum Thema SEO an der Hochschule Hamburg.

Aber wie gehen solche Karrieren? Kanitz und Kabke-Sommer sind sich einig: Man muss seine persönlichen Leidenschaften verfolgen, um richtig gut zu sein. „Be different“ ist da keine Marketingformel, sondern eine schlichte Zustandsbeschreibung. Und „anders“ wird man schnell, wenn man sich für Themen interessiert, die nicht gerade gehypt werden. Das setzt, so Kabke-Sommer, auch die Bereitschaft für lebenslanges Lernen voraus, ebenso die Bereitschaft, sich auch schon im Studium entsprechende Fachkenntnisse anzueignen.

Der „Schutzraum Hochschule“ biete darüber hinaus ausführliche Möglichkeiten, sich auszuprobieren und seinen eigenen Weg zu finden. Eine Vielzahl von Initiativen ständen den Studierenden offen, jedes neue Praktikum biete die Chance, einen neuen Bereich für sich zu entdecken. Das setze natürlich voraus, dort zu arbeiten, wo man Erfahrungen sammeln möchte – auch wenn das bedeutet, zeitweise aus dem Hotel Mama auszuziehen.

Passend dazu schloss der 51jährige sein Referat mit einer Buchempfehlung ab: „It's Not How Good You Are, Its How Good You Want to Be“ von Paul Arden.

Um damit direkt auf das Thema Sprachkenntnisse zu kommen. Im Interview mit Prof. Dr. Elke Theobald, Prodekanin der Fakultät, betonte Kabke-Sommer die Wichtigkeit des Englischen. Wie schon für andere Referenten in der VIA-Reihe, ist für ihn Englisch keine Fremdsprache, sondern heute in der globalisierten Welt schlichtweg Bedingung. Unter „Fremdsprachenkenntnisse“ fällt heute eine Zweit- oder Drittsprache.
Ein kleines Dankeschön der Fakultät: Prodekanin Prof. Dr. Elke Theobald, Stephanie Kanitz und Thomas Kabke-Sommer

Ein besonderes Lob hatten beide Gäste für das Studienangebot der Fakultät: Das breite Grundlagenwissen aus Seminaren und Vorlesungen spiele auch in der betrieblichen Praxis immer wieder eine große Rolle. Wichtig sei aber auch Eigeninitiative: „Gehen Sie in die Bibliothek, lesen Sie Fachzeitschriften, halten Sie Ihr Wissen aktuell – das überzeugt im Bewerbungsgespräch“. Schon aufgrund der Eitelkeit des Personalers sollten sich Bewerber ebenfalls mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben, gerade auch mit der Unternehmenskultur – Fragen dazu kommen mit Sicherheit. Ebenso ist es hilfreich, genau zu überlegen, welche Informationen man auf Social-Media-Portalen von sich preisgibt – nicht alle Firmen trennen da Beruf und Privat so klar wie uniquedigital.

Gibt es denn ansonsten Dinge, die Studierende vermeiden sollten? Ja! Idealerweise ab dem ersten Semester Vollgas geben, um nicht Gefahr zu laufen, den Anschluss zu verlieren. Im schlimmsten Fall kann dieses „Hinterherhängen“ Folgen bis zum Studienabbruch haben. Ein, zwei Semester habe er am Anfang auch getrödelt, so Kabke-Sommer, das würde er nicht empfehlen. Empfehlenswert seien dagegen die Hochschulpartys, die Kanitz sowie Kabke-Sommer noch in lebhafter Erinnerung haben. Denn wer hart arbeite, dürfe auch ordentlich feiern. Um das Studentenleben genießen zu können, muss man allerdings auch vor Ort sein: „Lernen Sie Pforzheim lieben!“

"Neugierig sein, offen bleiben"

Susanne Preuß zu Gast bei VIA Impulse

Wenn in diesen Tagen die neuen Studierenden ihre ersten Veranstaltungen an der Fakultät für Wirtschaft und Recht hören, hat sicher der ein oder andere schon eine feste Idee, wie seine Karriere verlaufen soll. Und genau diese Illusion versuchte Susanne Preuß den Newies in der Reihe VIA Impulse zu nehmen.
Susanne Preuß

„Karrieren sind nicht planbar“, erklärte die Wirtschaftskorrespondentin der FAZ den Erstsemestern am 16. September im vollbesetzten Audimax, „niemand kann wissen, wie die Welt in 10, 20 Jahren aussehen wird“.  Man müsse sich nur die Entwicklung der EDV in dieser Zeit ansehen, um das zu begreifen.

So lautete auch der Titel des Impulsreferats der Absolventin des Jahrgangs 89 „Neugierig sein, offen bleiben“, denn nur so ließen sich Chancen erkennen und nutzen. Gerade in der Digitalisierung lägen Risiken und Chancen, die sich heute noch gar nicht absehen lassen. Die einst so mächtigen Zeitungsverlage beispielsweise hätten bis heute noch keine echte Antwort auf diese Entwicklung gefunden.

Für die Studierenden heißt dies: Nicht nur eine hervorragende Ausbildung, Fremdsprachenkenntnisse und Auslandssemester bestimmen die späteren Chancen. Ebenso wichtig ist der Blick über den Tellerrand, auch wenn es dafür keine Credit Points gibt: Ehrenamtliche Tätigkeit, gute Allgemeinbildung, sich in verschiedenen Jobs ausprobieren. Denn gerade im Studium hat man noch die Chance, sich abseits der geraden Karrierelinien auszuprobieren. Auch die studentischen Gruppen an der Hochschule böten sich hier an.

Susanne Preuß fing selber nach dem Abitur als freie Mitarbeiterin bei einer Lokalzeitung an – „zu einem Hungerlohn“, wie Sie sich heute erinnert. „Fast alle Themen haben mit Wirtschaft zu tun, also wollte ich Betriebswirtschaft studieren, um diese zu verstehen“. Nach dem Studium im Bereich Außenwirtschaft/Fremdsprachen (heute International Business) ging sie zur Stuttgarter Zeitung und ist seit 2000 Korrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

„Lassen Sie sich nicht berieseln und treiben, bleiben Sie neugierig auf Ihre Umgebung“ rief Preuß den Erstsemestern zu.

Im anschließenden Interview mit Prof. Dr. Elke Theobald, Prodekanin der Fakultät, konkretisierte Susanne Preuß, welche Anforderungen heutige Unternehmen an Hochschulabsolventen stellen. So sei Englisch inzwischen keine Fremdsprache mehr, sondern würde überall selbstverständlich erwartet. Wer nicht auf der Sachbearbeiterebene versauern wolle, müsse über eine breite Bildung verfügen („Lesen Sie jeden Tag den Wirtschaftsteil der FAZ!“).  Weiterhin sei die Beherrschung der branchenüblichen Softwarelösungen etwas, was viele Unternehmen heute von ihren Bewerbern erwarten und nicht erst vermitteln wollen, seien es CRM-, ERP- oder SAP-System.

Ein weiterer Punkt sei der Aufbau eines professionellen Netzwerks. Hierzu zählen Praktika, Social-Media-Dienste wie LinkedIn oder Xing sowie das Alumni-Netzwerk der Hochschule, bei dem sich auch schon Erstsemester anmelden können.

"Nutze die Chancen!"

Martin Frick zu Gast bei VIA Impulse

Für Martin Frick war das Referat vor gut 270 Erstsemestern am 13. März ein ganz besonderes Jubiläum: Auf den Tag genau 13 Jahre zuvor besuchte er seine erste Veranstaltung als neuer Student an der Hochschule Pforzheim.

Aus dem „Newie“ ist inzwischen der Leiter Personalmarketing & Medien bei der ZF Friedrichshafen AG geworden und so lautete der Titel seines Vortrags auch „Nutze die Chancen!“. Die Erstsemester hätten jetzt beste Voraussetzungen, ihre Chancen zu nutzen, so der 33jährige: „Sie haben die richtige Hochschule gewählt!“ Er selber habe damals Pforzheim gewählt, da das Pforzheimer Modell mit 70 Prozent BWL und 30 Prozent Fachspezialisierung die optimalen Karrierevoraussetzungen geboten hätten und immer noch bieten.

Der studierte Wirtschaftsinformatiker stieg nach Abschluss seines Erststudiums als Diplom-Betriebswirt (FH) 2003 direkt an der Hochschule Pforzheim ein und betreute das Thema E-Learning. Berufsbegleitend studierte er den Master of Science Information Systems und schloss diesen 2005 ab.

Dringend empfahl er seinen Zuhörern, auch den Sprung ins kalte Wasser zu wagen: So führte ihn ein Praktikum in Bangkok zu einem Job als IT-Berater bei der Merck KGaA nach Darmstadt. „Probieren Sie sich aus“, so Frick, „auch in anderen Studiengängen“. Man dürfe nicht wie ein schwäbischer Häuslebauer nur an Dingen festhalten, die man schon kenne.

Bei der ZF Friedrichshafen AG erfolgte dann der Wechsel von der IT zum Bereich Human Resources, „gerade weil mir die Hochschule Pforzheim so eine breite Ausbildung mitgegeben hat“, lobte Martin Frick die Ausbildung an der Fakultät.

Für die Studierenden gelte es nun, Netzwerke aufzubauen und zu pflegen, sich in Initiativen inner- oder außerhalb der Hochschule zu organisieren und auf einen guten Abschluss hinzuarbeiten. Auch die Kritik am Bachelorabschluss ließ Frick nicht gelten: „Wir stellen mit Handkuss Bachelor-Absolventen ein, und dieser Abschluss hat auch keinerlei Auswirkungen auf das Gehalt“.

Im Gespräch mit Prof. Dr. Elke Theobald, Prodekanin der Fakultät, ging es um konkrete Tipps für die gespannt lauschenden Erstsemester: Welche Tipps und Tricks kann er als Absolvent den Anfängern an die Hand geben? „Viel da sein“ kam sehr spontan zurück: Vorlesungen hören, strukturiertes Arbeiten aneignen. Aber natürlich auch den Spaß nicht zu kurz kommen lassen. Natürlich spielten Sprachen eine wichtige Rolle. Englisch wird inzwischen überall vorausgesetzt, in der Exportwirtschaft würden derzeit viele Kollegen Mandarin lernen.

Für den Berufseinstieg gelte, dass man auch Mut zur Bewerbung haben müsse, selbst wenn die Stellenanzeige nicht direkt passe. Personaler würden da eher auf das Gesamtpaket achten: Internationalität, Teamgeist, fachliche Tiefe und Social Skills. Noten wären da eher ein Hygienefaktor – sie sollten zwar stimmen, wären aber kein direktes Ausschlusskriterium. Als Personaler würde Frick Bewerber sicher auch in den sozialen Netzwerken recherchieren, trennt aber klar zwischen Job und Privatleben: XING- oder LinkedIn-Angaben sollten zu den Bewerbungsunterlagen passen, Facebook und Co seien privat und für ihn nicht interessant. Trotzdem sollen Studierende schon genau wissen, was Sie mit wem teilen, das Netz vergisst nichts.

Als letzten ultimativen Tipp riet Martin Frick den Erstsemestern: Ziele vor Augen haben, aber nicht zu verbissen sein. Die Kombination aus Zielorientierung und Spaß an der Arbeit seien die besten Voraussetzungen für private wie berufliche Zufriedenheit.

"Karriere heißt, Dinge bewegen zu können"

Michael Baumgärtner zu Gast bei VIA Impulse

Für Michael Baumgärter war der Auftritt im vollbesetzten Audimax am 2. Oktober schon etwas Besonderes: Auf den Tag genau vor 20 Jahren erhielt er hier sein Diplom – heute ist der 47jährige Finanzvorstand bei der EnBW Kraftwerke AG, eine wirklich vorzeigbare Karriere, die Dekan Prof. Dr. Ulrich Jautz in seiner Begrüßung knapp skizzierte.

Michael Baumgärtner

Nach Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums in Pforzheim begann Michael Baumgärtner seine berufliche Laufbahn im Jahr 1993 bei der KPMG in Stuttgart. 1996 wechselte er zur Energie-Versorgung Schwaben AG, wo er bis 1998 im Finanz- und Rechnungswesen arbeitete.
Als Projektleiter für Unternehmensentwicklung war er in den Jahren 1998 und 1999 bei der Watt AG in Zürich tätig, von wo aus er 1999 zum Geschäftsführer der Watt Deutschland GmbH nach Frankfurt berufen wurde. Diese Position hatte er bis 2004 inne, bevor er als Bereichsleiter Koordination und Steuerung zur EnBW Energie Baden-Württemberg wechselte. In dieser Position zeigte er sich zudem für die Beteiligungsführung verantwortlich.

Ab 2006 war Baumgärtner Bereichsvorstand Gas der EnBW Energie Baden-Württemberg AG und wurde 2008 Geschäftsführer der EnBW Gas Midstream GmbH.Seit dem 1. Juli 2009 ist Michael Baumgärtner Vorstand Finanzen bei der EnBW Kraftwerke AG.

Wie kommt man dahin? Um diese Frage drehte sich Baumgärtners Impulsreferat mit dem Titel „Quo Vadis, Studium in Pforzheim – Wie macht man Karriere?“. Sehr unterhaltsam erklärte er wenige „Don‘ts“ (Nicht auf Glück verlassen, nicht versuchen, Karriere vorzuplanen, nicht des Salärs wegen Jobentscheidungen treffen) und ein paar mehr „Do’s“ – und diese zeigten deutlich, dass ohne ein gewisses Maß an Blut, Schweiß und Tränen solche Karrierewege nicht zu machen sind.

Einige seiner Ratschläge liegen auf der Hand: Fleiß, Fremdsprachen, Praktika, gute Noten. Im Detail bedeute das aber auch:

  • Mit einem Notenschnitt um „3“ braucht man sich bei einem deutschen Großkonzern heute nicht mehr bewerben
  • Fachwissen wird vorausgesetzt, eine gute Allgemeinbildung (gerade auch in Wirtschaft und Politik) ist immens wichtig
  • Englisch ist ein MUSS, keine Fremdsprache
  • Karriere im Konzern läuft auf 60 Wochenstunden plus Wochenenden hinaus
  • Praktika kann man nie genug machen – auch um zu sehen, in welchen Branchen man keinesfalls arbeiten möchte

Und so was gibt man sich für Geld? „Das Geld ist ein Nebenprodukt“, so Baumgärtner, „Karriere machen Sie, weil Sie Dinge bewegen wollen. Und dafür brauchen Sie die nötige Macht“.

Chef schlägt Scheck

Eindringlich rät Baumgärtner den Studierenden, bei Bewerbungen auf ihr Bauchgefühl zu hören. Nichts sei wichtiger als der erste Chef. Im besten Fall bleibe dieser ein Leben lang Vorbild und Mentor, selbst wenn man von Karriereschritt zu Karriereschritt das Unternehmen wechselt. „Haben Sie keine Angst vor Veränderungen, gewinnen Sie diesen die positiven Seiten ab!“ 

Die von Baumgärtner beschworene Begeisterungsfähigkeit konnten die Studierenden in diesem kurzweiligen Vortrag live erleben, ebenso wie die Mahnung, nie unvorbereitet an Themen heran zu gehen.

Im anschließenden Interview mit Prodekanin Prof. Dr. Elke Theobald warnte der Absolvent des Steuer- und Revisionswesens vor möglichen Spätfolgen von Facebook und Co.: „Was Sie einmal ins Netz gestellt haben, werden Sie nie wieder los!“ Mitunter könne es auch ein Konkurrent um den gleichen Job sein, der längst vergessen geglaubtes wieder ausgrabe.

Survivaltipps für das erste Studienjahr

Nach all den Ratschlägen für den Berufseinstieg ging es Theobald, die neben ihrer Tätigkeit im Fakultätsvorstand noch zwei eigene Studiengänge betreut, um konkrete Tipps für die anwesenden Erstsemester. „Behalten Sie den Anschluss, konzentrieren Sie sich auf die gefürchteten Fächer, bilden Sie Lerngruppen, vermeiden Sie Lücken“, ermahnte Baumgärtner. Es sei „schlicht dämlich“ Dinge schleifen zu lassen, die man dann nacharbeiten müsse.

Zum Abschluss war es an den Studenten, dem Gast Fragen zu stellen. Ob er denn keine Rückschläge kenne? Aber natürlich, man dürfe nur nicht daran verzweifeln, sondern immer wieder aufstehen. Welchen Abschluss er empfehle, Bachelor, Master, Promotion? Das hänge von den eigenen Zielen ab, so Baumgärtner. Wer hoch hinaus wolle, tue gut daran, sich weiter zu qualifizieren. Nebenbei sei die Studienzeit die schönste Lebensetappe, auch wenn man das meist erst hinterher einsehe.

Von der Kunst, besonders zu sein

Kerstin Klär zur Gast bei VIA Impulse

Wie macht man nach dem Studium Karriere? Nur mit guten Noten, Turbostudium ohne links und rechts zu schauen und Studienwahl nach Gehaltserwartung? Kerstin Klär, Marktforschungsabsolventin des Jahrgangs 2000 und heute Geschäftsführerin der Q | Agentur für Forschung, winkt ab: Unternehmen wollen keine gleichgeschalteten Jasager: „Wenn Sie austauschbar erscheinen, werden Sie auch ausgetauscht!“

Mit Kerstin Klär stellte sich in der Reihe VIA Impulse dieses Semester eine Alumna den Fragen der Studierenden, die als Marktforscherin sehr genau weiß, was die Wirtschaft heute von ihrem Führungsnachwuchs erwartet – und das ist nicht wenig, denn „Nine to five“ war gestern.

Der Titel Ihres Impulsreferats zeigte, wo die Reise hingeht: "Die Marke: Ich - Eine Gebrauchsanweisung zum Besonders Sein" lautete das Thema. Das jüngste Mitglied des Unternehmerbeirats der Fakultät zeigte an einem schönen Beispiel, wie sich Markt und Gesellschaft entwickelt haben – am „Fernsprechtischautomaten kieselgrau“, der in den 60er und 70er Jahren in den Haushalten stand (genau, das graue Wählscheibentelefon, dessen größte Innovation in der Einführung der Farben Grün und Orange lag). Welche Werte verkörperten Unternehmen derzeit? Fleiß, Gehorsam, Sorgfalt und Intelligenz reichten aus.

Heute, so Klär,  erleben wir zwei vorherrschende Strategien: Entweder „Alles außer gewöhnlich“ – und der Kunde fühlt sich wie ein Sieger – oder über den Preis (billig will ich). „Marken scheitern, wenn sie beides oder nichts von beidem sind“. Der eine oder andere Studierende im Auditorium wird wohl mit Blick auf sein Smartphone überlegt haben, welche Strategie ihn zum Kauf bewogen hat.

Dabei, so Klär, gelten die alten Werte immer noch, doch Sie wurden wesentlich ergänzt: Initiative, Kreativität und Leidenschaft sind dazu gekommen – Apple ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie sich mit diesen Werten moderne und einzigartige Produkte schaffen lassen.

Um so eine Erfolgsstory zu schreiben, braucht es natürlich auch Mitarbeiter, die anders sind, oder in den Worten Klärs: „Auch Sie müssen alles außer gewöhnlich sein“. So sei die Hochschule ein Experimentierfeld, das jeder ausnutzen solle: Sich in Gremien und Initiativen engagieren, Sprachen lernen, unvoreingenommen und neugierig auf Dinge zugehen und Neues ausprobieren: „Das Unmögliche ist häufig auch das Unversuchte!“ Produzieren statt Konsumieren müsse die Richtung lauten.

Im Interview mit Werbeprofessorin Dr. Elke Theobald, Prodekanin der Fakultät, präzisierte Klär, mit welchen Strategien Studierende am Aufbau ihrer Marke arbeiten können. Besonders ein aktives Netzwerk sei hier besonders wichtig. Kritisch fällt dabei ihr Blick auf Social Media – Seiten wie Facebook werden heute von Personalern intensiv genutzt, um einen ersten Eindruck des Bewerbers zu bekommen. Privates Engagement könne man dort veröffentlichen, so Klär – aber man sollte sich genau überlegen, welche Daten man dort der Öffentlichkeit zugänglich mache, immerhin vergesse das Netz nichts. Auch bedeutet Netzwerken, anderen zur Verfügung zu stehen: „Wer immer nur Leistungen einfordert, ist schnell wieder draußen“.

Zu diesen Netzwerken zählt auch das Alumni-Netzwerk der Hochschule, erinnert Theobald die Studierenden im Audimax. Bereits die Erstsemester können sich dort anmelden und die ersten Kontakte knüpfen, die Ihnen zum Wunschpraktika oder ersten Job helfen können.

Als Fazit könne den Studierenden nur geraten werden, mit Herzblut an die Dinge heran zu gehen. „Wenn es sich für Sie gut anfühlt, machen Sie das Richtige“, ermunterte Theobald das Auditorium. Klär empfahl, sich nicht allzu sehr nach links und rechts zu orientieren: „Konzentrieren Sie sich auf sich, nicht an Ihrem Nachbarn, Sie werden sonst immer gleicher“.  Und Austauschbarkeit ist nun wirklich kein Wert, der die eigene Marke ausmachen sollte.

Vom Führen mongolischer Reiterhorden

Dr. Friedhelm Boschert zu Gast bei VIA Impulse

Was bedeutet Führung? Visionen, Motivation, Hierarchie? Dr. Friedhelm Boschert erklärte in einem spannenden Vortrag, warum diese Punkte an den Realitäten vorbei gehen.

Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank International AG, Ressort Retail Banking, war am 5. Oktober zu Gast bei VIA Impulse. VIA steht für Very Important Alumni und gibt den Studierenden jedes Semester zu Vorlesungsbeginn die Möglichkeit, einen Absolventen der Hochschule mit herausragender Karriere kennen zu lernen.

In lockerer Atmosphäre stellte der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Rudi Kurz, den Gast vor: Personalwirtschaftsstudium in Pforzheim, anschließend Volkswirtschaft in Freiburg, promoviert an der Universität Hohenheim – „Eine schöne Zeit, aber nicht zu empfehlen“ erinnerte sich Boschert. Immerhin baute er seinen Doktor nebenberuflich, „so zwischen 21 und 1 Uhr plus Wochenenden, vier Jahre lang“, während er in der Wendezeit ostdeutsche Genossenschaftsbanken auf marktwirtschaftliche Verhältnisse umstellte. Da Boschert sich schon im Studium für Entwicklungszusammenarbeit interessierte und sein VWL-Diplom in Jordanien schrieb, war er zur Wendezeit zur richtigen Zeit am richtigen Ort: „Glück und Gelegenheit gehört eben auch dazu“.

Sieht man sich die Hobbies des heute in Österreich tätigen Managers an, begreift man schnell, dass es nicht nur am Glück und an der Gelegenheit gelegen haben kann. Ob Radfahren, Laufen oder Bogenschießen, Zen-Meditation, Klassik oder Theater – vielfältige Interessen zeugen von einem gut organsierten Lebensstil. Die humorige Bemerkung von Prof. Kurz, man müsse für solche Hobbies halt den passenden Beruf haben, konterte Boschert gut gelaunt ein paar Minuten später, als er auf seine Lehrtätigkeit an der Uni Krems kam: „Ich brauchte mehr Freiräume – also wurde ich Professor“.

Neben all den Hobbies und beruflichen Verpflichtungen fand er jedenfalls noch Zeit, ein Buch zu verfassen („Morgens zwischen 6 und 7:30 Uhr geht das prima!“): „Sich selbst führen. und dann die anderen. Anregungen für Manager“, in dem Boschert Führungsfähigkeit auf die kleinen, fast vergessenen Selbstverständlichkeiten zurück verweist: Führung ist die Beziehung zu und zwischen Menschen. So sei eine Abteilung nicht anders zu führen als eine mongolische Reiterhorde – es gehe immer um die Qualität der Beziehungen; um die Wertschätzung, die nach aktuellen Studien Leistungsmotivator Nummer Eins ist.

Boschert kritisierte in diesem Zusammenhang die Kurzsichtigkeit mancher MBA-Programme amerikanischen Zuschnitts: Viel Fachwissen in kürzester Zeit, kaum Möglichkeit, über das gelernte zu reflektieren. Und Reflektion ist für den erfolgreichen Bankmanager eine entscheidende Fähigkeit – und dazu gehört das entsprechende Handwerkszeug. Ob es meditative Techniken sind oder das Einüben philosophischen  Denkens, um den Geist zu schulen – vieles kommt seiner Einschätzung nach in der Shareholder-Value-Fixierung mancher Programme zu kurz. Neu ist diese Erkenntnis auch an der Hochschule Pforzheim nicht – ob es autogenes Training zur Studienzeit Boscherts war oder die heutigen Ethik-Veranstaltungen in den höheren Semestern.

Was kann der Manager, der sich bereits auf sein künftiges Engagement im russischen Markt freut, den Erstsemestern im vollbesetzten Audimax mit auf den Weg geben? Keine Überraschung: Eine Aufforderung zum Sprachen lernen – ein absolutes Muss! „Auslandsaufenthalte sind entscheidend, weil man lernt, sich in einer fremden Kultur durch zu beißen“, so Boschert und fügte in Erinnerung an seinen Kampf um den ersten Mietvertrag im Auslandssemester noch an: „das kann auch durchaus für Leeds gelten!“.

"Ihre Form der Ausbildung ist die richtige"

Falko M. Sauter zu Gast bei VIA Impulse

Mit Falko M. Sauter, Ressortleiter Marketing/Vertrieb beim Deutschen Sparkassen Verlag, ging die Vortragsreihe „VIA Impulse“ am 15. März in eine neue Runde. Schon zum fünften Mal lud die Fakultät für Wirtschaft und Recht zum Semesterstart einen erfolgreichen Absolventen dazu ein, ein wenig über seinen Werdegang zu erzählen und über ein aktuelles Thema zu referieren.
 
Der Werbe-Absolvent des Jahrgangs 1979 erinnert sich gerne an seine Zeit an der Hochschule. Für  den gelernten Bankkaufmann („Man soll halt was Ordentliches lernen, bevor man Künstler oder Werber  wird“) war Pforzheim die erste Wahl, da hier Werbung und Betriebswirtschaft gemeinsam unterrichtet wird.

In 32 Berufsjahren beim Deutschen Sparkassen Verlag zeichnete Sauter für die Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen verantwortlich – gerade innovative, neue Themen waren seine Spezialität. Ob es die ersten digitalen Gehversuche im Bildschirmtext Anfang der 80er Jahre waren, die Produktion von Inhalten für das aufkommende Privatfernsehen oder der Run auf das Internet, bevor 2000 die erste Blase platzte. Dementsprechend reagiert er heute auf neue Hypes in der Medienwelt: „Technologische Entwicklungen werden in ihren kurzfristigen Auswirkungen meistens überschätzt, langfristig jedoch unterschätzt.“

Auf eine aktuelle Entwicklung ging Sauter dann auch ausführlich ein:  „360° Kommunikation - Warum Konsequenz in der Kommunikation immer wichtiger wird“ lautete das Thema seines Vortrags. Darunter versteht er die durchgängige "Bespielung" aller für die Zielgruppe relevanten Kanäle - klassisch, below, ambient, mobile, social media etc. - zu einer Sache in einem Zeitraum sowie um eine klare Vernetzung von Kommunikation und Vertrieb.  Tag für Tag laufen 4200 Werbespots durch alle Kanäle – es liegt in der Verantwortung des Senders, dass die Message auch ankommt. Sauter greift hier auf den Verhaltensforscher Konrad Lorenz zurück, der das Dilemma der Kommunikation prägnant so formulierte:

    Gesagt bedeutet nicht gehört
    Gehört bedeutet nicht verstanden
    Verstanden bedeutet nicht zugestimmt
    Zugestimmt bedeutet nicht umgesetzt
    Umgesetzt bedeutet nicht fortwährend ausgeführt

Aus diesem Grund konzentriert sich die heutige Sparkassenwerbung auf wenige Aussagen, die dafür zeitgleich auf verschiedenen Kanälen gesendet werden. Gerade die neuen Medien bringen hier neue Probleme für traditionelle Organisationen mit sich – eine strikte Markenführung ist schwer durchsetzbar, wenn das Logo der Organisation auf Facebook den Nutzern zugänglich gemacht wird. Im Web findet die Kontrolle über die eigenen Inhalte schnell ihre Grenze.

Neben diesen gerade angesagten Werbeformen spielt aber auch die Vermarktung in der Filiale eine wichtige Rolle. Ganz aktuell wird über Sound- und Duftdesign nachgedacht – immerhin verkaufen sich Immobilien ja auch signifikant besser, wenn sie nach frisch gebackenem Kuchen riechen!

Zum Abschluss kam Sauter auf die Frage zu sprechen, was er den frisch eingeschriebenen Studierenden mit auf den Weg geben kann – und die Antwort war sicher für den einen oder anderen erst einmal verblüffend: „Ich halte nichts von einer konsequenten Karriereplanung!“. Die Studierenden sollen ihre Chancen nutzen: Sprachen lernen, auch Dinge mitnehmen, die nicht direkt verwertbar sind – immerhin wisse man nie, wann man diese in der Berufspraxis wieder benötigt.  Neben der erforderlichen Methodenkompetenz und dem Fachwissen spielen weitere Faktoren eine gewichtige Rolle. Denken und differenzieren können, Verantwortung übernehmen, auch den Mut besitzen, für Fehler gerade zu stehen.

„Ihre Form der Ausbildung ist die richtige“ lautet sein Fazit.

Alumnus Willi Berchtold zu Gast bei VIA Impulse

Karrieretipps für Studienanfänger aus erster Hand 

Wie schafft man den Sprung vom Vertriebsassistenten zum Geschäftsführer bei IBM, geht nach zwanzig erfolgreichen Jahren zurück in ein mittelständisches Unternehmen, wird CFO bei der ZF Friedrichshafen und  hat mehrere Aufsichtsratsmandate bei führenden Unternehmen inne? Spannende Einblicke in seine außergewöhnliche Karriere gewährte Willi Berchtold in einem voll besetzten Audimax.

Die Veranstaltungsreihe „VIA Impulse“ stellt besondere und faszinierende Karrieren von erfolgreichen Alumni vor. Absolventen und Absolventinnen berichten von ihrem ganz individuellen Karriereweg und geben wertvolle Tipps aus ihrem Erfahrungsschatz an die Studierenden weiter.
 
Willi Berchtold, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bundesdruckerei, ist Absolvent des Studiengangs „Betriebsorganisation und Datenverarbeitung“ (heute Wirtschaftsinformatik) an der Hochschule Pforzheim und war zu Gast beim vierten VIA Impulse.  Mit schwäbischer Bescheidenheit kommentiert er seine beeindruckende Karriere: „Das ist ordentlich gelaufen“ und fügt hinzu, dass durchaus auch Glück mit im Spiel sein müsse, damit sich die richtigen Türen öffnen. Bei seinen Einstellungsgesprächen liegt das Gewicht nicht nur auf guten Noten: „Mir ging es immer darum, ob der Mensch Persönlichkeit hat und auch dazu bereit ist, kritische Gegenpositionen einzunehmen und zu vertreten, kurz gesagt sich was zutraut.“

In einer Zeit in der die IT-Branche zu atmen begann, hatte er einen Studentenjob als Operator in einer EDV-Abteilung und war begeistert von der Branche. In den neunziger Jahren warteten beim Unternehmen IBM im Inland und Ausland große Herausforderungen auf ihn: die komplette Restrukturierung der Arbeitsplätze zu einer „gigantischen Wachstumsmaschine“. Im Jahr 1995 übernahm Berchtold als General Manager den kompletten Bereich Osteuropa und trug die Verantwortung für 18.000 Mitarbeiter. Mit dem Wechsel zum mittelständischen Technologiekonzern Giesecke & Devrient übernahm Berchtold den Vorstandsvorsitz. Sein Motiv war die unternehmerische Gesamtverantwortung - und der Banknotendruck: „Am meisten hat es mir Spaß gemacht, durch die vielen Geldscheine zu laufen und Milliarden in einem kleinen Kistchen zu sehen.“

Was einen Aufsichtsrat in seinen Augen ausmacht, formuliert Berchtold so: „die richtigen Menschen für die richtigen Aufgaben finden“. Manchmal ist es aber auch der richtige Ort. So war der Wunsch, wieder in der Region am Bodensee zu arbeiten, der Motor für ihn und seine Familie die Aufgabe als Vorstandsmitglied bei der ZF Friedrichshafen AG anzunehmen. Denn die Work-Life-Balance muss stimmen und die Familie darf für ihn nie zu kurz kommen.

Auf welche Strategie hat das Unternehmen während der Weltwirtschaftskrise, mit einem enormen Umsatzeinbruch, gesetzt? Berchtold stellt klar, dass die Liquiditätssicherung oberste Priorität hat und dass ein gut funktionierendes Krisenmanagement in kürzester Zeit aufgestellt wurde. Statt in Schockstarre zu verharren, wurde in Anlagen, Forschung und Entwicklung investiert. In seiner gesamten Karriere war Berchtold kontinuierlich in Branchenverbänden engagiert und Gründungsinitiator der BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.). Als Querdenker kommt man weiter: „Lernen Sie Persönlichkeit zu entwickeln, lernen Sie Teamarbeit, lernen Sie vor allem kritisch zu sein. Denn wir brauchen in der Wirtschaft innovative Ideen von unseren Nachwuchskräften“, so der Ratschlag von Willi Berchtold an die Studierenden.

Hochschulstudium soll auch Werte vermitteln

Ariane Durian zu Gast bei VIA Impulse 

Für die Karriere zählt Persönlichkeit genauso wie fachliches Grundlagenwissen

Dekan Prof. Rudi Kurz stellte Ariane Durian bei der dritten "VIA Impulse"- Veranstaltung am 16. März 2010 als vielseitige und erfolgreiche Absolventin der Fakultät für Wirtschaft und Recht vor, die verschiedene Rollen inne hat: Unternehmerin, Gründerin, Stiftungsgründerin, Lobbyistin und Ehrenamtlerin.
All diese Rollen fülle sie mit viel Engagement und Leidenschaft aus.

Besonders erfolgreiche und interessante Alumni der Fakultät für Wirtschaft und Recht machen das Veranstaltungsformat der Reihe „VIA Impulse - Very Important Alumni" aus, die im Sommersemester 2009 mit Robert Friedmann (Sprecher des Vorstands der Konzernführung der Würth-Gruppe) eröffnet wurde.

Schon in ihrer Studienzeit im Personalmanagement fällte Durian ihre Entscheidung für die Selbstständigkeit, die sie zwei Jahre nach ihrem Abschluss 1990 mit der Gründung der CONNECT Personal-Service GmbH, mit Hauptsitz in Karlsruhe, in die Tat umsetzte. Durian war damit die erste Frau mit akademischem Werdegang, die in Baden-Württemberg ein eigenes Unternehmen im Bereich Zeitarbeit gründete.

Die globale Krise der Wirtschafts- und Finanz­märkte wirkt sich auch auf den Strukturwandel im Arbeitsmarkt aus, wie in verstärkter Projektorientierung, zunehmender Konkurrenz an Bewerbern aus dem Ausland und neuen Erwerbsformen. Damit verschieben sich auch die Qualifikationsanforderungen an Bewerber. Was können Studierende mit diesen Veränderungen mithalten? In der "Offenheit für Neues, Auslandsaufenthalten, guten Sprachkenntnissen und natürlich viel Begeisterung für die Aufgaben" sieht Durian das Rüstzeug für den Berufseinstieg, denn die Persönlichkeit des Bewerbers sei mitentscheidend.

"Der Bauchladen der Zeitarbeit ist vorbei", der Arbeitsmarktexpertin ist es wichtig mit dem klassischen Bild der Zeitarbeit aufzuräumen, das mit der Ausbeutung niedrig qualifizierter Mitarbeiter einhergeht. Sie sehe in der Zeitarbeit den großen Nutzen der Flexibilität vor allem für Berufsanfänger und Wiedereinsteiger. Es sei für den andauernden beruflichen Erfolg besonders wichtig, neue Arbeitsfelder und Nischen zu besetzen. Der Personaldienstleister CONNECT mit den beiden Geschäftsbereichen Zeitarbeit und Personalvermittlung hat sich auf hoch qualifiziertes kaufmännisches, technisches und IT-Personal spezialisiert.

Als Bundesvorsitzende des Inte­ressenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen hat sich Durian in Tarifverhandlungen für Branchenmindestlöhne in der Zeitarbeit eingesetzt und diese Phase als "sehr spannend und bereichernd" empfunden. Durian gibt den Studierenden mit, dass die keine Chance auslassen sollen, sich in Diskussionen einzumischen und darüber den eigenen Standpunkt zu entwickeln. Studierende haben an der Hochschule vielfältige Möglichkeiten, sich in der Gremienarbeit oder in außercurricularen Angeboten einzubringen und Entscheidungen zu befördern.

"Die Aufgabe einer Hochschule sei es auch, Werte zu vermitteln und nicht nur die fachliche Seite abzudecken". Durian hat eine Stiftung ins Leben gerufen, die Bildungsprojekte für Jugendliche initiiert und über die gelebte Kultur des Corporate Social Responsibility hinaus auch die Motivation der Mitarbeiter fördert. Studierende sollten die Chance wahrnehmen und sich in Projekten sozial engagieren, weil sie sich damit immer auch persönlich weiterentwickeln und Netzwerke aufbauen. "In zwanzig Jahren stehen Sie auch hier und sagen zu sich: Ja, das Studium in Pforzheim war die richtige Entscheidung", freut sich Durian über die Einladung zu "VIA Impulse".

"Die Kombination Kopf und Herz muss stimmen"

Jörg Staff (SAP AG) zu Gast bei VIA Impulse

„VIA Impulse-Very Important Alumni“ fand am 29. September zum zweiten Mal im voll besetzten Audimax statt.

Zu Gast war Jörg Staff, Senior Vice President Human Resources der SAP AG, der im Podiumsgespräch mit Dekan Rudi Kurz über sein Studium,  Karriere und die Situation der SAP AG in der Wirtschaftskrise berichtete.
Karriereschritte

Staff war von 1986 bis 1990 Student der Absatzwirtschaft an der damaligen Fachhochschule für Wirtschaft. Schon früh hatte er den Wunsch, BWL zu studieren, um eine Position im Top-Management zu erreichen oder eine eigene Firma aufzubauen.

Für die Hochschule Pforzheim entschied sich der Vierundvierzigjährige aufgrund der hervorragenden Reputation und dem Praxisbezug.  Schon während des Studiums war er als Trainer für Microsoft Office Produkte tätig. Nach dem Studium stieg er bei dem neu gegründeten IT-Dienstleister debis Systemhaus ein und übernahm nach wenigen Jahren die Geschäftsführung.

Es folgten verantwortungsvolle Positionen im Personalbereich bei der Daimler Chrysler Holding und anschließend bei der Deutschen Post World Net als Direktor der Personalentwicklung. Seine Auslandserfahrungen prägten  Staffs  Karriere. Seit 2005 ist er als Senior Vice President Human Resources bei der SAP AG tätig.
 
Kursänderung bei SAP

Als größter Hersteller von Unternehmenssoftware mit 51.000 Mitarbeitern weltweit schreibt das Unternehmen eine 37-jährige Erfolgsgeschichte. Mit einer neuen Vorstandsgeneration findet eine  Neuorientierung statt, indem Führungsaufgaben an die mittlere und untere Managementebene delegiert werden. Im Kundensegment wird das Wachstum im Mittelstand angestrebt. Auf die Wirtschaftskrise hat SAP mit Stellenabbau reagiert, um die Margen zu halten. In Deutschland waren es 700 Mitarbeiter, die auf freiwilliger Basis das Unternehmen verließen.

Staff betonte die Bedeutung der Netzwerke auch außerhalb der Hochschule: „Netzwerke sind wichtig für das Leben, der Austausch über Branchen, Funktionen und Aufgaben hinweg ist für jeden Einzelnen von großer Bedeutung“.

Karrieretipps

Was können wir nun von dem erfolgreichen Absolventen Jörg Staff lernen? Entscheidend sei es, „Dinge zu machen, die aus dem Herzen kommen. Die Kombination Kopf und Herz muss stimmen.“ Gute Leistungen allein reichen nicht aus, sie sind nur die Basis. Gute Noten, gutes Englisch und Auslandserfahrungen bringen heute viele Bewerber mit. Zusatzqualifikationen wie soziale und Interkulturelle Kompetenz und Engagement in studentischen Initiativen helfen bei der Differenzierung. Und dann Gas geben: „Geschwindigkeit ist mit das Wichtigste, die Fähigkeit zur flexiblen Kursanpassung.“  Aber auch die Work-Life-Balance darf nicht zu kurz kommen, wie Staff betont. Und muss eingestehen: In seiner eigenen Studienzeit lag der Schwerpunkt  mehr auf  „Life“ denn auf „Work“. Er sei ein guter „Optimierer in seiner Studienzeit“ gewesen sei, der es auch verstand das Leben zu genießen.

Die „VIA Impulse“ - Reihe der Fakultät für Wirtschaft und Recht soll die Alumni enger an die Fakultät binden und Studierenden wertvolle Tipps für den Einstieg ins Berufsleben mit auf den Weg geben.

"Die Wirtschaft braucht Querdenker"

Robert Friedmann zu Gast bei VIA Impulse

Mit „VIA Impulse“ startete  die Fakultät für Wirtschaft und Recht am 25. März eine neue Veranstaltungsreihe. VIA steht hier für „Very Important Alumni“ – erfolgreiche Absolventen der Hochschule, die den Studierenden von ihrem Lebensweg und ihrer Karriere berichten.

Eröffnet wurde die neue Reihe mit Robert Friedmann, von 1988 bis 1991 Marketing-Student und seit 2005 Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe. Der 41jährige, der nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann über den zweiten Bildungsweg an die Hochschule kam, steht damit einem Unternehmen mit über 60.000 Mitarbeitern und 8 Milliarden Euro Umsatz vor.

Vielleicht liegt es ja an Friedmanns MBA-Studium in den USA und der dortigen Alumni-Kultur der Hochschulen – auf jeden Fall ist der gebürtige Lindauer der Hochschule Pforzheim noch aufs engste verbunden. Bereits auf dem Alumni-Treffen „Impulse 08“, das die Fakultät im letzten November ausrichtete, forderte er mehr Initiative erfolgreicher Absolventen für ihre alte Hochschule ein – mahnte aber auch diese, ihre Alumni-Arbeit zu intensivieren.

VIA Impulse ist nun der nächste Schritt, um neue und ehemalige Studierende in Kontakt zu bringen. Neu ist dabei auch das Format: Statt in Vortragsform ist die Veranstaltung als Podiumsgespräch organisiert. So plauderten Robert Friedmann und Dekan Rudi Kurz entspannt anderthalb Stunden lang über Studium und Karriere, über die Entwicklung der Firma Würth und die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise.

Gerade diese Krise, so Friedmann, zeige, dass alle über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Mit geliehenem Geld wurden Autos, Häuser, selbst der Jahresurlaub vorfinanziert: „Die Krise kam ins Rollen, weil wir alle Hypotheken auf die Zukunft aufgenommen haben.“

Hellhörig wurden die Studierenden im Audimax, als es um die Einstellungspraxis der Unternehmen ging; selbst Würth hat seit letztem Jahr einen Einstellungsstopp. „Schieben Sie Ihren Markteintritt auf“, ermunterte Friedmann die Studierenden, die in Kürze ihren Abschluss machen werden, „nutzen Sie die Zeit für Weiterbildungen und Auslandsaufenthalte“.

Auch für die Wahl des richtigen Arbeitsplatzes hatte der erfolgreiche Manager einen wichtigen Rat: „Nutzen Sie die Chancen, die Ihnen der Mittelstand bietet – erfolgreiche Unternehmen in der Region, in der Akademiker noch Mangelware sind“ Eine Karriere wie bei Würth, so Friedmann weiter, hätte er bei Bosch oder Daimler so vermutlich nicht machen können.

Und was braucht ein Absolvent für eine solche Karriere? Wollen, so Friedmann, ist viel Wichtiger als Können: „Sie brauchen ‚Drive’, den absoluten Willen zum Erfolg. Sie müssen sich trauen, Fehler zu machen und aus Ihnen zu lernen.“ Gerade Würth suche Querdenker, die auch neue Wege beschreiten können. „Dieser ‚Drive’ muss auch im Studium schon vermittelt werden – da stehen die Lehrenden in der Verantwortung“.

Ob nun allerdings das Karriereziel Vorstandssprecher so erstrebenswert ist, ließ Friedmann offen; zumindest eine ehemalige Studienkollegin ist davon nicht komplett begeistert – seine heutige Ehefrau.

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